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Datum: Freitag, 19.01.2001
Bibelstelle: Psalm 42,4-11; 43,1.2
Autor: Aidlinger Bibellese (info@diakonissenmutterhaus-aidlingen.net)
Organisation: Diakonissenmutterhaus Aidlingen (http://www.diakonissenmutterhaus-aidlingen.net)
Thema: Die Anfechtung I



Psalter


42,4 Meine Tränen sind meine Speise Tag und Nacht,weil man täglich zu mir sagt: Wo ist nun dein Gott?


42,5 Daran will ich denken und ausschütten mein Herz bei mir selbst: wie ich einherzog in großer Schar, mit ihnen zu wallen zum Hause Gottes mit Frohlocken und Danken in der Schar derer, die da feiern.


42,6 Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken, dass er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist.


42,7 Mein Gott, betrübt ist meine Seele in mir, darum gedenke ich an dich aus dem Land am Jordan und Hermon, vom Berge Misar.


42,8 Deine Fluten rauschen daher, und eine Tiefe ruft die andere; alle deine Wasserwogen und Wellen gehen über mich.


42,9 Am Tage sendet der HERR seine Güte, und des Nachts singe ich ihm und bete zu dem Gott meines Lebens.


42,10 Ich sage zu Gott, meinem Fels: Warum hast du mich vergessen? Warum muß ich so traurig gehen, wenn mein Feind mich dränget?


42,11 Es ist wie Mord in meinen Gebeinen, wenn mich meine Feinde schmähen und täglich zu mir sagen: Wo ist nun dein Gott?


43,1 Gott, schaffe mir Recht und führe meine Sache wider das unheilige Volk und errette mich von den falschen und bösen Leuten!


43,2 Denn du bist der Gott meiner Stärke: Warum hast du mich verstoßen? Warum muß ich so traurig gehen, wenn mein Feind mich dränget?




Im ganzen Psalm spüren wir die Liebe, das persönliche Verhältnis, das der Beter zu Gott hat. Er begehrt nicht in erster Linie Gottes Gaben, sondern ihn selbst. Gott ist der Inhalt seiner Sehnsucht. Sonst wäre er nicht so betrübt, dass er ihm fern zu sein schien.


"Meine Tränen sind meine Speise Tag und Nacht." Warum ist dieser Mann so angefochten? Zum Teil gibt uns der Psalm Antwort, zum Teil bleibt es uns verhüllt. Wir erfahren, dass er weit weg von Jerusalem lebt. "Ich gedenke an dich aus dem Land am Jordan und Hermon, vom Berge Misar." Dort war er unter Leuten, die den lebendigen Gott nicht kannten. Das machte ihn einsam. Die Gemeinschaft mit Menschen, die wie er den lebendigen Gott liebten, vermisste er. Er spricht vom täglichen Hohn seiner Bedränger, der in der Frage gipfelte: "Wo ist nun dein Gott?" - glaubst du nicht ins Leere? Ist all dein Beten nicht ein hohles Selbstgespräch? (Lies Ps.31,2-6; 94,16.17.) Die Angriffe, die der Beter erfuhr, galten gleichzeitig seinem Gott, und das machte seine Anfechtung noch schwerer. Anstatt zu essen, weinte er (V.4). Seine tiefste Not brachte er in den Fragen zum Ausdruck: "Warum hast du mich vergessen?" "Warum verwirfst du mich? Warum muss ich traurig gehen, da mein Feind mich drängt?" So leicht nehmen wir Anerkennung und Erfolg als Bestätigung von Gott. Doch wenn uns Ablehnung und Gegnerschaft trifft, folgern wir, nicht nur Menschen, auch Gott sei gegen uns. Das ist die tiefste Anfechtung. Als Jesus von Feinden umgeben war und von seinem Volk verworfen wurde, da hielt er im Vertrauen an der Liebe des Vaters fest. Dem Feind gelang es nicht, einen Keil des Misstrauens zwischen ihn und den Vater zu treiben. So bahnte er den Weg für uns durch die Anfechtung hindurch, dass wir in seine Fußtapfen treten können. (Lies Eph.6,16; 1.Petr.2,19-21; 4,12-16; Hebr.12,2-7.)




 

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