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Datum: Donnerstag, 12.04.2001
Bibelstelle: Epheser 2,8.9
Autor: Hellmut Hentschel (Hellmut.Hentschel@msoe.org)
Organisation: Mission für Süd-Ost-Europa (http://www.msoe.org)
Thema: Gute Werke als Blankoscheck für den Himmel?



Epheserbrief


2,8 Denn aus Gnade seid ihr errettet durch Glauben, und das nicht aus euch, Gottes Gabe ist es;


2,9 nicht aus Werken, damit niemand sich rühme.




Früher, als wir noch nicht so viele Computer hatten, hatte ich oft in meinem weltlichen Beruf meine Bibel auf meinem Schreibtisch zu liegen. Heute habe ich die Bibel auf dem Bildschirm und dadurch meist einen leeren Schreibtisch. Früher aber lag dort meine große, schwere Bibel, oftmals aufgeschlagen. Unsere Putzfrau war eine sehr ordentliche Frau, und sie mochte es nicht, um die Sachen herumzuwischen. Also versuchte sie einmal, meine Bibel hochzunehmen. Dabei fielen aber so viele Notizzettel heraus, dass sie seitdem einen großen Respekt vor dem Buch hatte, zumindest was das Putzen anging. Das bedeutet aber nicht, dass sie es sang- und klanglos tolerieren wollte, dass das Buch weiterhin auf dem Tisch lag und ihre Arbeit behinderte. Eines Tages war sie wieder sauer über diese "Behinderung" und fragte mich: "Haben Sie das Buch denn immer noch nicht durch?" Ich dachte, das wird eine feine Gelegenheit zu einem Gespräch. Und ich antwortete: "Wissen Sie, ich habe die Bibel schon mehrmals durchgelesen, aber jedesmal finde ich wieder etwas neues Interessantes." Sie putzte weiter. Ich dachte, sie hätte gar nicht richtig zugehört. Nach mindestens einer Minute sagte sie, etwas kleinlaut: "Ich komme sowieso in die Hölle. Dort sind alle meine Freunde und Verwandten." Nun machte ich eine kleine Pause, denn ich wollte mir eine gute Entgegnung überlegen. Schließlich sagte ich: "Das stimmt. Mir ist auch klar, dass Sie in die Hölle kommen."




Jetzt explodierte diese Frau plötzlich vor Entrüstung. Offenbar hatte sie nicht erwartet, dass ich ihr zustimmen würde. Und sie schimpfte und sagte: "Na, hör’n Se mal. So schlecht bin ick ja nu ooch nich." Merkwürdig, nicht wahr? Sie hatte doch die Erkenntnis, dass sie ohne Gott lebt und dass Gott sie in den Himmel nicht hineinlassen kann. Als aber ich als Christ ihr diese Erkenntnis bestätigte, besann sie sich doch auf ihre guten Werke und meinte, dass Gott diese doch irgendwie anerkennen müsse. Und eigentlich konnte man sogar Verständnis für diese Frau haben: Sie war doch eigentlich ein guter Mensch und hatte vielleicht nicht viel Böses in ihrem Leben getan; sie hatte viele schlechte Dinge erleben müssen und das Schicksal hatte ihr böse mitgespielt. Dafür sollte sie nun in die Hölle kommen? Das erschien ihr ungerecht, obwohl sie ahnte, dass ein gutes Leben allein keinen Blankoscheck für den Himmel darstellte.




Viele Menschen werden sich später einmal wundern, welche Menschen sie in der Ewigkeit nicht wiedertreffen werden, von denen sie es dennoch erwartet hätten. Und sie werden sich wundern, welche Menschen sie wiedertreffen werden, von denen sie es niemals erwartet hätten.




Im Himmel werden jedenfalls Menschen sein, die uns auf Erden sympathisch gewesen sind und wir werden dort Menschen finden, die uns auf Erden unsympathisch gewesen sind. Und in der Hölle werden ebenfalls beider Kategorien Menschen sein.




Was ich damit sagen will: Gott unterscheidet nicht zwischen netten und weniger netten, zwischen hilfsbereiten und weniger hilfsbereiten Menschen. König David war ein Mörder und ein Ehebrecher gewesen, dennoch war er ein Freund Gottes. Es ist fraglich, ob Judas Ischariot, der Jünger und Vertraute Jesu, der besonders korrekt war und dem man deswegen sogar die Kasse anvertraut hatte, der alles richtig gemacht hatte, nur diesen kleinen Fehler, Jesus am Ende seiner Erdenzeit an die Juden und die Römer zu verraten, das Himmelreich sehen wird, denn die Bibel berichtet weder von seiner Bekehrung noch von seiner Busse.




Judas - obwohl er eigentlich etwas Gutes im Schilde führte: Denn er hatte doch den HERRN und dessen Wundermacht erlebt! Judas wollte sein Land von den Römern befreien und wollte Jesus zum Handeln "motivieren". Es war undenkbar für Judas gewesen, dass Jesus ans Kreuz gehen würde, denn Judas wußte, dass sich Jesus mit Seiner von Gott gegebenen Macht im Nu aus dieser Situation gut selbst befreien konnte, und dass durch seinen angeblichen Verrat endlich die politische Revolution und ein erneuter Befreiungskampf - diesmal aber mit Gott auf der Seite Israels - losgehen würde. Muss Judas wohl die Ewigkeit in der Trennung von Gott verbringen, obwohl er an Jesus geglaubt hat?




Niemand soll meinen, dass der Glaube an Gott schon die Eintrittskarte für den Himmel ist. Wenn das so wäre, ja dann würde ja selbst der Teufel noch selig werden. Denn die Bibel sagt im Jakobusbrief (Jak 2,19): „Du glaubst, dass nur einer Gott ist? Du tust recht daran; die Teufel glauben's auch - und zittern.“




Allein der Glaube, dass Gott existiert, bringt dich nicht in den Himmel. Nur dann, wenn der Mensch durch die Buße vor Gott und Umkehr seine Sünden los wird und sein Leben Jesus Christus zur völligen Verfügung stellt, wird er errettet. Das kannst du glauben.






 

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