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Aidlinger Bibellese

Datum: Donnerstag, 17.05.2001
Bibelstelle: Psalm 73, 1-28; Johannes 20,24-29
Autor: Aidlinger Bibellese (info@diakonissenmutterhaus-aidlingen.net)
Organisation: Diakonissenmutterhaus Aidlingen (http://www.diakonissenmutterhaus-aidlingen.net)
Thema: Wir können Gott nicht immer verstehen, aber immer versteht ER uns.



Psalter


73,1 EIN PSALM ASAFS. Gott ist dennoch Israels Trost für alle, die reines Herzens sind.


73,2 Ich aber wäre fast gestrauchelt mit meinen Füßen; mein Tritt wäre beinahe geglitten.


73,3 Denn ich ereiferte mich über die Ruhmredigen,als ich sah, daß es den Gottlosen so gut ging.


73,4 Denn für sie gibt es keine Qualen, gesund und feist ist ihr Leib.


73,5 Sie sind nicht in Mühsal wie sonst die Leute und werden nicht wie andere Menschen geplagt.


73,6 Darum prangen sie in Hoffart und hüllen sich in Frevel.


73,7 Sie brüsten sich wie ein fetter Wanst, sie tun, was ihnen einfällt.


73,8 Sie achten alles für nichts und reden böse, sie reden und lästern hoch her.


73,9 Was sie reden, das soll vom Himmel herab geredet sein; was sie sagen, das soll gelten auf Erden.


73,10 Darum fällt ihnen der Pöbel zu und läuft ihnen zu in Haufen wie Wasser.


73,11 Sie sprechen: Wie sollte Gott es wissen? Wie sollte der Höchste etwas merken?


73,12 Siehe, das sind die Gottlosen; die sind glücklich in der Welt und werden reich.


73,13 a Soll es denn umsonst sein, daß ich mein Herz rein hielt und meine Hände in Unschuld wasche?


73,14 Ich bin doch täglich geplagt, und meine Züchtigung ist alle Morgen da.


73,15 Hätte ich gedacht: Ich will reden wie sie, siehe, dann hätte ich das Geschlecht deiner Kinder verleugnet.


73,16 So sann ich nach, ob ich's begreifen könnte,aber es war mir zu schwer,


73,17 bis ich ging in das Heiligtum Gottes und merkte auf ihr Ende.


73,18 Ja, du stellst sie auf schlüpfrigen Grund und stürzest sie zu Boden.


73,19 Wie werden sie so plötzlich zunichte! Sie gehen unter und nehmen ein Ende mit Schrecken.


73,20 Wie ein Traum verschmäht wird, wenn man erwacht, so verschmähst du, Herr, ihr Bild, wenn du dich erhebst.


73,21 Als es mir wehe tat im Herzen und mich stach in meinen Nieren,


73,22 da war ich ein Narr und wußte nichts, ich war wie ein Tier vor dir.


73,23 Dennoch bleibe ich stets an dir; denn du hältst mich bei meiner rechten Hand,


73,24 du leitest mich nach deinem Rat und nimmst mich am Ende mit Ehren an.


73,25 Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde.


73,26 Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet, so bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil.


73,27 Denn siehe, die von dir weichen, werden umkommen; du bringst um alle, die dir die Treue brechen.


73,28 Aber das ist meine Freude, daß ich mich zu Gott halte und meine Zuversicht setze auf Gott den HERRN, daß ich verkündige all dein Tun.




Johannes-Evangelium


20,24 Thomas aber, der Zwilling genannt wird, einer der Zwölf, war nicht bei ihnen, als Jesus kam.


20,25 Da sagten die andern Jünger zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er aber sprach zu ihnen: Wenn ich nicht in seinen Händen die Nägelmale sehe und meinen Finger in die Nägelmale lege und meine Hand in seine Seite lege, kann ich's nicht glauben.


20,26 Und nach acht Tagen waren seine Jünger abermals drinnen versammelt, und Thomas war bei ihnen. Kommt Jesus, als die Türen verschlossen waren, und tritt mitten unter sie und spricht: Friede sei mit euch!


20,27 Danach spricht er zu Thomas: Reiche deinen Finger her und sieh meine Hände und reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!


20,28 Thomas antwortete und sprach zu ihm: Mein Herr und mein Gott!


20,29 Spricht Jesus zu ihm: Weil du mich gesehen hast, Thomas, darum glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!




Asaf gehörte auch zu den Menschen, die Schweres ertragen mussten; an jedem neuen Morgen war dieselbe Plage für ihn da. In seiner Umgebung lebten gottlose Menschen, und ihnen ging es sehr gut. Das löste eine tiefe Not bei ihm aus: ?Ich wäre fast gestrauchelt mit meinen Füßen, mein Tritt wäre beinahe geglitten, als ich sah, dass es den Gottlosen so gut ging... Soll es denn umsonst sein, dass ich mein Herz rein hielt und meine Hände in Unschuld wasche? ... Es war mir zu schwer!? Asaf ist nicht der Einzige, der am Vergleichen fast gescheitert wäre. So leiden auch heute viele darunter, dass sie Gott nicht verstehen, es nicht begreifen, warum er es so macht, wie er es macht. Diese Last der Anfechtung und des Zweifels kann selbst bei ernstlich glaubenden Christen zu einer Krise führen. Es ist ein Irrtum zu denken, dass man den Herrn, den man kennt und liebt, in allen Dingen verstehen könnte. Er hat uns nicht versprochen, für die Wegführung und sein Handeln mit uns Erklärungen abzugeben. Er hat vielmehr gesagt: ?Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken und eure Wege sind nicht meine Wege, sondern so viel der Himmel höher ist als die Erde, so sind auch meine Wege höher als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken? (Jes.55,8.9). Diese Tatsache anzunehmen fällt uns manchmal schwer, obwohl es uns auch froh machen kann, dass Gott göttliche Gedanken mit uns hat. Durch den Propheten Jeremia lässt er uns sagen: ?Ich weiß wohl, was für Gedanken ich über euch habe, spricht der Herr, Gedanken des Friedens und nicht des Leides, euch eine Zukunft und eine Hoffnung zu geben? (Jer.29,11; lies Ps.37,5; Ps.77,12-14). Gott wirbt in seiner großen Liebe um unser uneingeschränktes Vertrauen. Vertrauen wir ihm, denn "seine Wege sind vollkommen"! (5.Mose 32,4; Ps.18,31).






 

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