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Datum: Sonntag, 20.05.2001
Bibelstelle: Johannes 8,10.11; Lukas 15,17-24
Autor: Aidlinger Bibellese (info@diakonissenmutterhaus-aidlingen.net)
Organisation: Diakonissenmutterhaus Aidlingen (http://www.diakonissenmutterhaus-aidlingen.net)
Thema: Die Erbärmliche und das Erbarmen



Johannes-Evangelium


8,10 Jesus aber richtete sich auf und fragte sie: Wo sind sie, Frau? Hat dich niemand verdammt?


8,11 Sie antwortete: Niemand, Herr. Und Jesus sprach: So verdamme ich dich auch nicht; geh hin und sündige hinfort nicht mehr.




Lukas-Evangelium


15,17 Da ging er in sich und sprach: Wie viele Tagelöhner hat mein Vater, die Brot in Fülle haben, und ich verderbe hier im Hunger!


15,18 Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir.


15,19 Ich bin hinfort nicht mehr wert, daß ich dein Sohn heiße; mache mich zu einem deiner Tagelöhner!


15,20 Und er machte sich auf und kam zu seinem Vater. Als er aber noch weit entfernt war, sah ihn sein Vater, und es jammerte ihn; er lief und fiel ihm um den Hals und küßte ihn.


15,21 Der Sohn aber sprach zu ihm: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir; ich bin hinfort nicht mehr wert, daß ich dein Sohn heiße.


15,22 Aber der Vater sprach zu seinen Knechten: Bringt schnell das beste Gewand her und zieht es ihm an und gebt ihm einen Ring an seine Hand und Schuhe an seine Füße


15,23 und bringt das gemästete Kalb und schlachtet's; laßt uns essen und fröhlich sein!


15,24 Denn dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden; er war verloren und ist gefunden worden. Und sie fingen an, fröhlich zu sein.




Allein vor Jesus - so erging es der Frau, die beim Ehebruch ertappt wurde. Ihre Ankläger hatten unbewusst das Beste für sie getan: sie brachten die Sünderin zu Jesus. Der Kirchenvater Augustin sagte: ?Zwei werden zurückgelassen: die Erbärmliche und das Erbarmen.? Ob die Frau dem zugestimmt hätte? Wer will sich schon als erbärmlich bezeichnen lassen? Erbärmliche sind erbarmungs- bedürftig, sie haben es nötig, dass man sich über sie erbarmt. Durch den Ehebruch hatte diese Frau den Tod verdient. Aber Jesus hatte Erbarmen mit ihr im Gegensatz zu den selbstgerechten und unbarmherzigen Anklägern. Als sie ganz allein und von allen Menschen verlassen vor ihm stand, sprach er zu ihr: ?So verurteile ich dich auch nicht.? Damit handelte er nicht gegen Gottes Wort und Gebot; vielmehr überwand er die Schuld durch Gnade. Er konnte ihre Sünde vergeben, weil er selber die Strafe für ihre Sünde am Kreuz auf Golgatha aushalten wollte. Darum vergibt er heute jede Sünde, die mit der Bitte um Erbarmen zu ihm gebracht wird. "Jesus hat selbst unsere Sünde an seinem Leibe auf das Holz getragen, ... durch seine Wunden ist uns Heilung geworden" (1.Petr.2,24; lies Jes.53,5; Joh.1,29). Der Liederdichter Philipp Friedrich Hiller kannte Gottes Erbarmen und bezeugte es im Lied:




Mir ist Erbarmung widerfahren, Erbarmung, deren ich nicht wert!


Das zähl ich zu dem Wunderbaren, mein stolzes Herz hat's nie begehrt.


Nun weiß ich das und bin erfreut und rühme die Barmherzigkeit.




Ich hatte nichts als Zorn verdienet und soll bei Gott in Gnaden sein;


Gott hat mich mit sich selbst versühnet und macht durchs Blut des Sohns mich rein.


Wo kam dies her, warum geschieht's? Erbarmung ist's und weiter nichts.




Philipp Friedrich Hiller wusste auch, dass er dieses Erbarmen immer wieder brauchte, darum betete er: ?Gott, der du reich bist an Erbarmen, nimm dein Erbarmen nicht von mir....? Jesus erbarmt sich über alle, die kommen und sagen: Herr, allein schaffe ich es nicht. (Lies Luk.18,13; 1.Joh.2,1.2; 2.Chron.7,14.)






 

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