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Datum: Donnerstag, 07.06.2001
Bibelstelle: Epheser 1,18-20
Autor: Hellmut Hentschel (Hellmut.Hentschel@msoe.org)
Organisation: Mission für Süd-Ost-Europa (http://www.msoe.org)
Thema: Durch meine Blindheit habe ich erst gelernt, richtig zu sehen!



Epheserbrief


1,18 Und er gebe euch erleuchtete Augen des Herzens, damit ihr erkennt, zu welcher Hoffnung ihr von ihm berufen seid, wie reich die Herrlichkeit seines Erbes für die Heiligen ist


1,19 und wie überschwänglich groß seine Kraft an uns, die wir glauben, weil die Macht seiner Stärke bei uns wirksam wurde,


1,20 mit der er in Christus gewirkt hat.




Als ich die Auslegung für diesen Text vorbereitete, fiel mir ein alter Bruder ein, ein Zigeunermissionar, den ich fast jedes Jahr auf unserer Konferenz in Siegen treffe. Er ist vom Krieg in Russland gezeichnet. Er hat eine grosse Delle in der Stirn. Diese Kopfverletzung ist auch die Ursache für seine absolute Blindheit. Er hat ständig einen jungen Bruder bei der Hand, der ihn mit großem Respekt behandelt, ihn auf einen Stuhl setzt, ihm bei allen Handlungen des Tages und der Nacht zur Seite steht. Eigentlich kann der Bruder gar nichts tun, nur sprechen. Und wenn er von dem Herrn Jesus spricht, dann geht den Menschen das Herz auf. Der Bruder war niemals auf einer Bibelschule, und die Bibel hat er erst gelesen, als er schon blind war und die Blindenschrift beherrschte. Er predigt in seiner Zigeunergemeinde und er hat keine Zettel mit Stichpunkten, wo er ablesen kann. Er lernt sozusagen die ganze Woche über seine Predigten auswendig und lässt sich vom Heiligen Geist schenken, was er sagen soll, wie jeder andere Prediger des Evangeliums auch. Dieser Bruder erzählte mir einmal sein Zeugnis. Er sagte mir: „Ich bin meinem Herrn und Heiland dankbar dafür, dass ich diese schreckliche Verletzung im Krieg bekommen habe. Denn durch meine Blindheit habe ich endlich gelernt, zu sehen.“ – Wie bitte? – Durch die Blindheit konnte er erst richtig sehen? – Der Bruder weiß, dass er mit diesem Satz meist Unverständnis erntet und erklärt dann gewöhnlich: „Weißt du, früher, als ich noch sehen konnte, habe ich in der Finsternis gelebt und wäre irgendwann einmal in die Hölle gegangen. Durch meine große Verletzung hatte ich Zeit und Gelegenheit, endlich über Gott nachzudenken. ER hat geschenkt, dass ich überleben durfte. ER hat mir das ewige Leben geschenkt. Das ist ein Geschenk, das man aber ganz persönlich annehmen musste. Als ich das erkannt hatte, lebte ich trotz meiner Blindheit plötzlich im Licht.“




„Erleuchtete Augen des Herzens, damit Ihr erkennt, zu welcher Hoffnung Ihr von Ihm berufen seid und wie reich die Herrlichkeit seines Erbes für Euch ist und wie überschwänglich groß seine Kraft an Euch ist.“




Ein französischer Dichter hat einmal gesagt: „Man sieht nur mit dem Herzen gut.“ Nur wenn Christus durch den Heiligen Geist in meinem Herzen wohnt, dann kann ich auch immer mehr erkennen, zu welcher Hoffnung ich eigentlich von Ihm berufen bin und was für einen Reichtum Er eigentlich für mich bereit hält. Gottes Kraft ist überschwänglich groß. „Überschwänglich“ – hier kann man auch sagen: „ein Übermaß an Größe und Kraft“. Gott hält ein „Übermaß an Größe und Kraft“ bereit.






 

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