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Aidlinger Bibellese

Datum: Dienstag, 14.08.2001
Bibelstelle: Philipper 2,6-8; Johannes 10,17.18
Autor: Aidlinger Bibellese (info@diakonissenmutterhaus-aidlingen.net)
Organisation: Diakonissenmutterhaus Aidlingen (http://www.diakonissenmutterhaus-aidlingen.net)
Thema: Was man von Gott nicht erwartet hat



Philipperbrief


2,6 Er, der in göttlicher Gestalt war, hielt es nicht für einen Raub, Gott gleich zu sein,


2,7 sondern entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an, ward den Menschen gleich und der Erscheinung nach als Mensch erkannt.


2,8 Er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz.




Johannes-Evangelium


10,17 Darum liebt mich mein Vater, weil ich mein Leben lasse, dass ich's wiedernehme.


10,18 Niemand nimmt es von mir, sondern ich selber lasse es. Ich habe Macht, es zu lassen, und habe Macht, es wiederzunehmen. Dies Gebot habe ich empfangen von meinem Vater.




Das Leben Jesu in der Kurzfassung des Philipperbriefes setzt beeindruckende Akzente: von der Gottesgleichheit vor seiner Geburt bis zu seinem Tod am Kreuz wie ein Verbrecher. Allerdings scheint uns Wesentliches, was uns beeindruckte und für jedermann sichtbar war, solange Jesus auf der Erden lebte, zu fehlen. Die Wunder blieben unerwähnt, die Jesus als Sohn Gottes auszeichneten. Es fällt auch kein Wort über die gewaltigen Reden, die er hielt. Paulus legt hier den Schwerpunkt auf die wenig imponierende Aussage: „Er erniedrigte sich selbst.“ J.Blunck fragt: „Warum erwähnt er nur das? – Offenbar, weil es nichts Größeres von Jesus zu rühmen gibt als diese Selbsterniedrigung. Dass er Wunder tun kann, eindrückliche Predigten halten, helfen und heilen, das ist doch nicht so verwunderlich, wenn er von Gott kommt. Aber dass er – der Sohn Gottes! – sich so erniedrigte, das ist allerdings gegen alles, was man von Gott erwartet und was man von Menschen sonst gewohnt ist.“ „Diese Gesinnung Jesu lebe in euch!“ Ist das nicht eine zu hohe Forderung? Paulus macht uns eines deutlich: Das Prinzip der Selbstverwirklichung darf nicht zur Motivation unseres Handelns werden. Als Jesus zum ersten Mal mit seinen Jüngern über sein freiwilliges Leiden und Sterben sprach, widersprach ihm Petrus: „Gott bewahre dich, Herr! Das widerfahre dir nur nicht!“ Dass Jesus sich freiwillig so erniedrigen wollte, erschien ihm völlig widersinnig. Ein anderes Mal, als Jesus mit den Jüngern nach Jerusalem unterwegs war und kein Nachtquartier in Samaria fand, empörten sich Jakobus und Johannes und wollten die Samariter mit Feuer vom Himmel bestrafen. Doch Jesus ließ die Missachtung seiner Person zu und stellte den Jüngern eine Frage, die sie zum Nachdenken bringen sollte: „Wisst ihr nicht, wes Geistes Kinder ihr seid?“ (Lies Matth.16,21-23; Luk.9,51-56.)






 

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