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Datum: Freitag, 31.10.2003
Bibelstelle: Matthäus 9,37.38
Autor: Friedemann Wunderlich (msoe@msoe.org)
Organisation: Mission für Süd-Ost-Europa (http://www.msoe.org)
Thema: 100 Jahre Mission für Süd-Ost-Europa – wie alles begann



Matthäus-Evangelium, Kap. 9

9,37 Die Ernte zwar ist groß, der Arbeiter aber sind wenige;

9,38 bittet nun den Herrn der Ernte, dass er Arbeiter aussende in seine Ernte.



Eine große Industriestadt in Deutschland im Jahr 1902: Kattowitz. Zentral gelegen in unmittelbarer Grenznähe zu Russland, Galizien, Mähren und Ungarn. Die Massen werden auf der Suche nach Arbeit und Leben angezogen. Dreckig, verrufen und verarmt liegt die Stadt unter rauchenden Schornsteinen. Die Schattenseiten einer Industriegesellschaft sind sowohl Bewohnern als auch Besuchern Tag und Nacht offenbar. Kaum einer will in diesen Tagen freiwillig hier wohnen. Dennoch geht ein 26-jähriger junger Mann nach Kattowitz. Sein Name: Martin Urban.



Erwartungen an Jesus

Martin Urban will kein normales Leben führen. Als er 18-jährig fern seiner Heimat Jesus Christus persönlich in sein Leben lässt, wächst in ihm der Wunsch, Jesus Christus vorbehaltlos in der Mission zu dienen. Zunächst will er nach China. „Zu jung und unerfahren“, ist die Antwort der Missionsgesellschaft. Aus China wird Ostdeutschland. Als er 1902 von Hamburg nach Kattowitz kommt, hat er große Erwartungen an Jesus Christus. Er ist überzeugt: Was auf den Missionsfeldern in der weiten Welt geschieht, das kann auch in den gottlosesten Zentren seines Heimatlandes erlebt werden.



1903 gehört er als 27-Jähriger zu den Gründern der Mission für Süd-Ost-Europa. Bis 1938 steht er in der Leitung eines Missionswerkes, das seit seinem Beginn mit der Kraft Gottes rechnet. Einfache, schwache Menschen, die auch versagen, kann und will Jesus Christus gebrauchen, damit das Evangelium bis an die Enden der Welt getragen wird. Was sie brauchen? Herzliche Liebe zu Jesus und opferbereite Liebe zu den Verlorenen.



Hinaus zu den Menschen

In einer kleinen Privatwohnung in Kattowitz sitzen einige Christen zusammen. Sie lesen Gottes Wort und sie beten. Der Missionsbefehl treibt sie durch die Treppenhäuser der anonymen Mietskasernen hin zu den Menschen. Innerhalb kurzer Zeit verteilen sie systematisch unzählige Traktate in dieser gottlosen Stadt. Gottes Wort säen, das hat Verheißung.



Daran halten wir bis heute fest. Drei Millionen verteilte Traktate im Jahr und viele Bibelkurse, persönliche Besuche und tage- oder wochenlange Reisen. Zu Fuß durch einsame Dörfer, mit dem PKW über gefährliche Straßen, mit dem Zug durch endlose Weiten. Missionsarbeit ist immer aufwändig. Wie viel Zeit, Geld und Kraft kostet Lebensrettung! Es wird immer mehr gesät als aufgeht. Aber dieser Einsatz von vielen motivierten Christen hat Wirkung. Das ist bis in die Gegenwart so.



Erweckung

Wann wird die Saat aufgehen? In großer Erwartung mieten Martin Urban und andere motivierte Christen die größten säkularen Säle der Stadt. In Hotel-Säle, in denen sonst rauschende Feste stattfinden, stellen sich junge Nachfolger Jesu hin und reden ganz einfach von Jesus Christus. Die Menschen strömen herbei. Wie durch einen Magneten werden sündige Menschen von Jesus Christus angezogen. Ohne christliches oder unchristliches Beiwerk wird das Wort Gottes weitergegeben. Das Wunder geschieht. Menschen bekehren sich. Immer neue Veranstaltungen werden durchgeführt. Jesus wird zum Stadtgespräch. Kein Zweifel: Hier schenkt Jesus Christus Erweckung. Ohne Schulungen im heutigen Sinne sind sie mit Jesus bei den Menschen. Mission macht erfinderisch und ist kreativ. Jeden Sonntag gibt es in öffentlichen Räumen diese missionarischen Gottesdienste. In der Woche bieten sie Versammlungen für die Neubekehrten an. Es gibt organisierte Zielgruppenarbeit: An den Alkohol gebundene Menschen treffen sich in der Woche, genauso wie Leute aus dem Rotlichtmilieu. Gebundene Menschen erleben durch Jesus Christus Befreiung. „Wen der Sohn frei macht, der ist wirklich frei.“



Was bereits am Anfang die Arbeit prägte, das dürfen wir bis heute erleben – auf den Plätzen wo Sinti und Roma heute noch am Rand der Gesellschaft leben, unter Asylanten in den engen Flüchtlingsunterkünften, unter ausländischen Drogenabhängigen in den Gefängnissen.



Missionsgemeinde

Und sie behält das Evangelium nicht für sich. Die neu entstandene Gemeinde: „Evangelische Gemeinschaft Kattowitz“ wird von Anfang an Träger des 1903 entstehenden Missionsbundes für Süd-Ost-Europa und ein Jahr später des Missionsseminars Kattowitz. Als die immer größer werdende Gemeinde ein Haus baut, hat die Mission dort ihren festen Platz. Nicht nur ein Abstellzimmer. Nicht nur eine Pinnwand. Nein, da wird ein neu gebautes Haus bereits nach einem Jahr renoviert, weil für die Missionsarbeit zu wenig Platz ist. Die Empore wird für Schulungsräume genutzt. Auf drei Stockwerken breitet sich die wachsende Mission aus. Hier werden junge Männer und Frauen ausgebildet für den Dienst auf dem Missionsfeld. Der Segen fließt auf solche Missionsgemeinden zurück – auch heute. Wer an der Mission spart, spart sich tot – geistlich tot.



Vor der eigenen Haustür

In Kattowitz beginnt die Mission buchstäblich vor der eigenen Haustür. Tausende von unerreichten Menschen vieler Nationen leben dort. Die Not in ihren Heimatländern treibt sie in die Industriestädte. 100 Jahre später – 2003 – leben allein in Deutschland 7,5 Millionen ausländische Mitbürger. Sie kommen aus jedem Land der Erde. Wir sind vor Gott für sie verantwortlich. Wir haben etwas, das sie retten kann: das Wort Gottes, die Bibel.



Von Anfang an hat sich die Mission um die Verbreitung der Bibel in jeder zugänglichen Sprache bemüht. Die ruthenische Bibel war eine der ersten, die die Mission für Süd-Ost-Europa fertiggestellt und herausgegeben hat. Ein Volk mit mehr als 20 Millionen Menschen im Südosten Europas, also in unmittelbarer Nachbarschaft, hatte bis 1903 noch keine Bibel in seiner Sprache! Bibeln und Bibelteile in mehr als 100 Sprachen geben wir heute weiter.



Jeder ein Missionar

Zurück zu den Anfängen der Mission. Jungen Christen wird die wichtigste Lektion im Christsein gelehrt. Martin Urban schreibt: „Unsere Gemeinschaft lernt immer mehr, dass jeder Christ ein Missionar werden muss und jede Gemeinde eine Missionsgemeinde!“ Natürlich provoziert er mit seinen Worten verbürgerlichte Christen, die den Namen tragen aber keine Kraft Gottes mehr erleben. „Lass einmal die Millionen verzweifelter Menschen vor deinem Geiste vorüberziehen. Willst du dich auch kühl zurückziehen und nur an deine Interessen denken, zufrieden, dass du im geistlichen Le-ben Überfluss hast, unbekümmert um die Darbenden? Die Zeichen unserer Zeit sind ein mächtiger Appell an die Gewissen der Kinder Gottes.“



„Wir freuen uns, dass das Gemeinschaftshaus nun auch Missionshaus geworden ist!“ Wer das sagen kann, der kann Wunder Jesu erleben. Auch im 21. Jahrhundert. Junge und ältere Christen lassen sich mit hineinnehmen in die weltweite Missionsarbeit. Was können wir tun? Damals schrieb Martin Urban: „Du brauchst nichts von deinem Eignen zu geben. Es würde ebenso wenig ausreichen, wie ein Mensch mit sieben Broten 5000 sättigen kann. Aber gib dich selbst hin in den Dienst Jesu und er wird dich gebrauchen und wird Wunder tun, wo solche bisher noch nicht geschehen sind. Ein einziger Knecht Gottes, bereit zum Dienst, erfüllt mit der Kraft des Heiligen Geistes und mit brennender Liebe zu den Verlorenen, ist mehr wert als 100 bloße Spender und 2000 Leser unserer Mitteilungen.“



Seit Jesus Christus den Missionsbefehl an seine Nachfolger gegeben hat, steht eines fest: Mission ist immer aktuell. Und es steht uns für diese lebensrettende Arbeit nie eine andere Zeit zur Verfügung als die gegenwärtige. Das wäre unser bester Gottesdienst: Dass wir uns selbst Tag für Tag an Jesus Christus verschenken!





Der Verfasser ist Missionsleiter der Mission für Süd-Ost-Europa.



 

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