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Datum: Dienstag, 10.05.2005
Bibelstelle: Psalm 88,7-10; Klagelieder 3,52-58
Autor: Aidlinger Bibellese (info@diakonissenmutterhaus-aidlingen.net)
Organisation: Diakonissenmutterhaus Aidlingen (http://www.diakonissenmutterhaus-aidlingen.net)
Thema: Der traurigste Psalm III



Psalm

88,7 Du hast mich hinunter in die Grube gelegt, in die Finsternis und in die Tiefe.

88,8 Dein Grimm drückt mich nieder, du bedrängst mich mit allen deinen Fluten. SELA.

88,9 Meine Freunde hast du mir entfremdet, und hast mich ihnen zum Abscheu gemacht. Ich liege gefangen und kann nicht heraus,

88,10 mein Auge sehnt sich aus dem Elend. HERR, ich rufe zu dir täglich; ich breite meine Hände aus zu dir.



Klagelieder

3,52 Wie einen Vogel jagten und jagten mich [jene], die grundlos meine Feinde sind.

3,53 Sie stürzten mein Leben in die Grube und warfen Steine auf mich.

3,54 Wasser strömten über mein Haupt. Ich sagte [mir]: Ich bin [vom Leben] abgeschnitten!

3,55 Da rief ich deinen Namen an, o HERR, aus der Grube tief unten.

3,56 Du hast meine Stimme gehört. Verbirg dein Ohr nicht vor meinem Seufzen, meinem Schreien!

3,57 Du nahtest an dem Tag, als ich dich anrief; du sprachst: Fürchte dich nicht!

3,58 Du hast, Herr, meinen Rechtsstreit geführt, hast mein Leben erlöst.



In Heman sehen wir einen Mann in tiefer Anfechtung, die ihn in jeder Beziehung einsam macht. Er leidet, obwohl er Gott treu ist und sich nicht von ihm abwendet. Von Martin Luther weiß man, dass er von Zeit zu Zeit im »finsteren Tal« saß, in dem er von Gott wie »abgeschnitten« war. Hier sein Zeugnis darüber: »Ich kenne einen Menschen, der versichert, solche Qualen oft durchlitten zu haben, zwar nur in ganz kurzer Zeitspanne, doch so gewaltig, so infernalisch, dass keine Zunge es aussprechen, keine Feder es niederschreiben kann, keiner es zu glauben vermag, der es nicht selbst durchgemacht hat. Eine halbe, ja nur eine zehntel Stunde länger – und wer das aushalten müsste, ginge darüber zugrunde, seine Gebeine würden in Asche verwandelt. Da erscheint Gott in fürchterlichem Zorn und zugleich mit ihm die ganze Schöpfung. Nirgends ein Entrinnen, nirgends ein Trost, weder innen noch außen, alles klagt an. Da heult er: ›Ich bin vor deinen Augen verstoßen‹ (Ps. 31,23)! Da wagt er nicht mehr zu sagen: ›Ach Herr, strafe mich nicht in deinem Zorn‹ (Ps. 6,2)! In solchen Augenblicken vermag die Seele – wie schrecklich – nicht mehr zu glauben, dass sie jemals erlöst werde, sie fühlt nur eins: noch ist die Qual nicht vollendet. Da bleibt nichts anderes übrig als der nackte Schrei nach Hilfe, ein schreckliches Seufzen, das nicht weiß, wo Hilfe zu finden ist« (nach H. Lamparter). Wer so in die Tiefe muss, ist dem Anfechtungsleiden von Jesus ganz nahe gerückt. Welche Qual war es für den Gottessohn, die Sünde der ganzen Welt auf sich geworfen zu sehen und für einen Augenblick die Gottverlassenheit zu durchleiden: »Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?« Jesus hat rückwirkend die Not Hemans mitgetragen und aller, die in ähnlicher Weise durch das Tal des Todesschattens gehen müssen. (Lies Ps. 22,2.3.11-16.20-27; 23,1-6)





 

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