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Datum: Dienstag, 13.01.2009
Bibelstelle: Markus 9, 16-27
Autor: Gabriele Goseberg (zeitmitgott@dmh-aidlingen.de)
Organisation: Diakonissenmutterhaus Aidlingen (http://www.diakonissenmutterhaus-aidlingen.net)
Thema: Der hilflose Vater I



Markus 9
16 Und er fragte sie: Worüber streitet ihr mit ihnen?
17 Und einer aus der Volksmenge antwortete ihm: Lehrer, ich habe meinen Sohn zu dir gebracht, der einen stummen Geist hat;
18 und wo er ihn auch ergreift, zerrt er ihn zu Boden, und er schäumt und knirscht mit den Zähnen und wird starr. Und ich sagte deinen Jüngern, dass sie ihn austreiben möchten, und sie konnten es nicht.
19 Er aber antwortete ihnen und spricht: O ungläubiges Geschlecht! Bis wann soll ich bei euch sein? Bis wann soll ich euch ertragen? Bringt ihn zu mir!
20 Und sie brachten ihn zu ihm. Und als der Geist ihn sah, zerrte er ihn sogleich; und er fiel zur Erde, wälzte sich und schäumte.
21 Und er fragte seinen Vater: Wie lange ist es her, dass ihm dies geschehen ist? Er aber sagte: Von Kindheit an;
22 und oft hat er ihn bald ins Feuer, bald ins Wasser geworfen, um ihn umzubringen, aber wenn du etwas kannst, so habe Erbarmen mit uns und hilf uns!
23 Jesus aber sprach zu ihm: `Wenn du das kannst? Dem Glaubenden ist alles möglich.
24 Sogleich schrie der Vater des Kindes und sagte: Ich glaube. Hilf meinem Unglauben!
25 Als aber Jesus sah, dass eine Volksmenge zusammenläuft, bedrohte er den unreinen Geist und sprach zu ihm: Du stummer und tauber Geist, ich gebiete dir: fahre von ihm aus, und fahre nicht mehr in ihn hinein!
26 Und er schrie und zerrte [ihn] heftig und fuhr aus; und er wurde wie tot, so dass die meisten sagten: Er ist gestorben.
27 Jesus aber nahm ihn bei der Hand, richtete ihn auf, und er stand auf.

Wir lesen Markus 9, 14-22 und Lukas 9, 38. Stellen wir uns diesen Vater vor!
Sein einziger Sohn litt seit seiner Kindheit unter lebensbedrohlichen Symptomen.
Ein böser Geist hatte ihn stumm gemacht. Er quälte und schwächte
den Jungen derartig, dass der Vater verzweifelt war. Die Hoffnungslosigkeit
spitzte sich noch dadurch zu, dass die Jünger von Jesus nicht helfen konnten.
Dabei hatte der Herr sie mit Vollmacht ausgerüstet (Mark. 3, 14. 15; 6,
7). Jetzt aber sind sie in einen mächtigen Streit mit einigen Schriftgelehrten
verwickelt – bis Jesus das Wort ergreift. Er nimmt sich der verfahrenen
Situation an.

Die streitenden Jünger konnten dem Besessenen nicht helfen. Der Herr
übergeht dieses Unvermögen nicht. Aber statt sogleich selber zur Tat zu
schreiten, führt er mit seinen Jüngern ein aufklärendes Gespräch. Er weicht
dem Konflikt nicht aus, sondern stellt in die Verantwortung: »Worüber streitet
ihr mit ihnen?« Der Herr will es genau wissen und gibt ihnen die Gelegenheit,
sich zu äußern; sie aber schweigen – hilflos, verlegen, beschämt.
Die Antwort kommt erstaunlicherweise aus der Volksmenge. Der Vater des
Besessenen schildert Jesus die Situation. Doch statt unvermittelt zu helfen,
deckt der Herr zuerst den geistlichen Schaden seiner Jünger auf: »Ihr Ungläubigen!

Wie lange muss ich noch bei euch sein, bis ihr endlich glaubt?

Wie lange muss ich euch noch ertragen?« In diesen Worten kommen
Erschütterung, Schmerz und Traurigkeit des Herrn zum Ausdruck. (Vgl. Luk.
24, 25.) Lasst euch doch nicht von eurer Ohnmacht gefangen nehmen! Setzt
doch dem menschlichen Unvermögen das Vermögen Gottes entgegen!
Der Vater des Jungen möchte dieses Vertrauen wagen. Er wendet sich Jesus
zu und vertraut sich dem Herrn im Gespräch an. Und doch hegt der Mann
noch leise Zweifel: »Wenn du etwas kannst . . . !« Natürlich kann Jesus, aber
er will nicht am Bittenden vorbei handeln, sondern ihn durch seinen Glauben
am wunderbaren Handeln Gottes beteiligen. »Dem Glaubenden ist alles
möglich.« Das beginnt der Mann zu begreifen und macht seinem Herzen
Luft: »Ich glaube!« Aber ich bin arm und schwach, darum »hilf meinem
Unglauben«. So ehrlich dürfen wir werden. Wir wissen, dass Jesus alles vermag.
Wir glauben daran und stoßen dennoch an unsere Grenzen. Das ist gut
so; denn unser Glaube ist nicht Menschenwerk, sondern Gottes Werk. Ihm,
unserem treuen Herrn, dürfen wir uns immer wieder im Gebet anvertrauen.

(Lies Matth. 21, 22; Mark. 11, 22-24; Luk. 11, 9-13.)


 

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