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Datum: Samstag, 11.04.2009
Bibelstelle: Markus 15, 24-32
Autor: Gabriele Goseberg (zeitmitgott@dmh-aidlingen.de)
Organisation: Diakonissenmutterhaus Aidlingen (http://www.diakonissenmutterhaus-aidlingen.net)
Thema: Wunde Punkte – Wendepunkte, Teil XI



Markus 15
24 Und da sie ihn gekreuziget hatten, teilten sie seine Kleider und warfen das Los darum, welcher was überkäme.
25 Und es war um die dritte Stunde, da sie ihn kreuzigten.
26 Und es war oben über ihn geschrieben, was man ihm schuld gab, nämlich: Ein König der Juden.
27 Und sie kreuzigten mit ihm zwei Mörder, einen zu seiner Rechten und einen zur Linken.
28 Da ward die Schrift erfüllet, die da sagt: Er ist unter die Übeltäter gerechnet.
29 Und die vorübergingen, lästerten ihn und schüttelten ihre Häupter und sprachen: Pfui dich, wie fein zerbrichst du den Tempel und bauest ihn in dreien Tagen!
30 Hilf dir nun selber und steig herab vom Kreuz!
31 Desselbigengleichen die Hohenpriester verspotteten ihn untereinander samt den Schriftgelehrten und sprachen: Er hat andern geholfen und kann sich selber nicht helfen.
32 Ist er Christus und König in Israel, so steige er nun vom Kreuze, daß wir sehen und glauben. Und die mit ihm gekreuzigt waren, schmäheten ihn auch.

»Nah am Kreuz und fern von Jesus«, so überschreibt ein Ausleger diesen
Textabschnitt, und schreibt dazu: »Stellen Sie sich die Szene vor. Die Soldaten hocken im Kreis auf der Erde, die Augen zu Boden gerichtet. Der Delinquent (Verbrecher) über ihnen ist vergessen. Sie würfeln um ein paar gebrauchte Kleidungsstücke. Ich habe mich gefragt, wie die Szene wohl auf Jesus gewirkt hat.« Während oben die Last und Sünde einer ganzen Menschheit getragen wird, findet unten der Kampf irdischer Güter ohne Gewinn für die Ewigkeit statt. Erstaunlich: Die Soldaten waren Augenzeugen des ungewöhnlichsten Ereignisses der gesamten Menschheitsgeschichte und merkten es nicht. Sie würfelten um den Besitz des Messias und vergaßen dabei ihn selbst. Der Evangelist Johannes lenkt in seinem Bericht den Blick ebenfalls hinüber zu den Soldaten, die unter dem Kreuz sind und ein »Würfelturnier« veranstalten (Joh. 19, 24). Der »Sieger« soll das Gewand von Jesus bekommen.

Man mag das als sehr geschmacklos empfinden. Andererseits ist anzunehmen,
dass die Vollstreckung von Todesurteilen für die Soldaten Routine war.

Trotzdem:
Diese Szene, dieses Würfelspiel, ist wichtig. Der Evangelist
Johannes fügt ein: »So erfüllte sich die Schrift.« (Vgl. Ps. 22, 19; Mark. 14,
49; Luk. 24, 44.) Jesus kannte deshalb – wie es seiner Gesinnung entsprach –
keinen Groll, keinen Ärger, keine Rache nach Bestrafung derjenigen, die ihn
misshandelten und missachteten. Ist dieser Bericht nur eine traurige
Geschichte von damals, die nichts mehr mit uns zu tun hat? »Auch wir sitzen
am Fuß des Kreuzes und spielen. Wir spielen darum, wer die meisten
Mitglieder hat. Oder den höchsten Status. Wir urteilen und verurteilen.
Konkurrenzdenken. Egoismus. Persönlicher Gewinn. Es ist alles da« (nach
M. Lucado). Auch wir können nah am Kreuz und fern vom Messias sein.



 

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