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Chronologische Bibellese

Datum: Freitag, 04.01.2008
Bibelstelle: Hiob 1-5
Autor: Hellmut Hentschel (Hoffnung@msoe.org)
Organisation: Hoffnung für die Zukunft (http://www.msoe.org)
Thema: Gutes und Böses von Gott annehmen



In unserer chronologischen Bibellese beginnt heute der Exkurs ins Buch Hiob. Wann genau Hiob gelebt hat, ist nicht genau bekannt. Sicher ist, dass sein Leben in die Zeit der Patriarchen fällt, die wir später noch genauer betrachten werden. Hiob ist in der Bibel das erste der Bücher der Weisheit. Obwohl Hiob sich selbst nicht als Autor des Buches zu erkennen gibt, wissen wir doch, dass Hesekiel (Hes 14,14.20) uns Jakobus (Jak 5,11) sicher gewesen sind, dass Hiob eine historische Persönlichkeit gewesen ist.

Der wichtigste Aspekt des Buches Hiob ist das Problem des Leidens. Ab Vers 2,11 tauchen dann ominöse Freunde Hiobs auf, die ihn von seiner Schuld und seiner gerechten Strafe überzeugen wollen, anstatt ihn wirklich zu trösten.

Hand aufs Herz: Haben wir niemals daran gedacht, wenn wir selbst oder jemand aus unserem Umfeld schwer krank wurde, dass dies nicht der Hinweis auf eine Strafe für eine Verfehlung wäre?

Durch das Lesen des Buches Hiob werden wir lernen, dass JEDER Gläubige in eine Glaubenskrise geraten kann. Je mehr aber ein Mensch von Gott abhängig ist, umso mehr Hilfe wird dieser Mensch auch bei IHM finden.


Hiob 1
1 Es war ein Mann im Lande Uz, sein Name war Hiob. Und dieser Mann war rechtschaffen und redlich und gottesfürchtig und mied das Böse.
2 Ihm wurden sieben Söhne und drei Töchter geboren.
3 Und sein Besitz bestand aus siebentausend Schafen und dreitausend Kamelen und fünfhundert Gespannen Rinder und fünfhundert Eselinnen, und [sein] Gesinde war sehr zahlreich, so dass dieser Mann grösser war als alle Söhne des Ostens.
4 Nun pflegten seine Söhne hinzugehen und Gastmahl zu halten - der Reihe nach im Haus eines jeden. [Dazu] sandten sie hin und luden ihre drei Schwestern ein, mit ihnen zu essen und zu trinken.
5 Und es geschah, wenn die Tage des Gastmahls reihumgegangen waren, da sandte Hiob hin und heiligte sie: Früh am Morgen stand er auf und opferte Brandopfer nach ihrer aller Zahl. Denn Hiob sagte [sich]: Vielleicht haben meine Söhne gesündigt und in ihrem Herzen Gott geflucht. So machte es Hiob all die Tage [nach den Gastmählern].
6 Und es geschah eines Tages, da kamen die Söhne Gottes, um sich vor dem HERRN einzufinden. Und auch der Satan kam in ihrer Mitte.
7 Und der HERR sprach zum Satan: Woher kommst du? Und der Satan antwortete dem HERRN und sagte: Vom Durchstreifen der Erde und vom Umherwandern auf ihr.
8 Und der HERR sprach zum Satan: Hast du acht gehabt auf meinen Knecht Hiob? Denn es gibt keinen wie ihn auf Erden - ein Mann, so rechtschaffen und redlich, der Gott fürchtet und das Böse meidet!
9 Und der Satan antwortete dem HERRN und sagte: Ist Hiob [etwa] umsonst so gottesfürchtig?
10 Hast du selbst nicht ihn und sein Haus und alles, was er hat, rings umhegt? Das Werk seiner Hände hast du gesegnet, und sein Besitz hat sich im Land ausgebreitet.
11 Strecke jedoch nur einmal deine Hand aus und taste alles an, was er hat, ob er dir nicht ins Angesicht flucht!
12 Da sprach der HERR zum Satan: Siehe, alles, was er hat, ist in deiner Hand. Nur gegen ihn [selbst] strecke deine Hand nicht aus! Und der Satan ging vom Angesicht des HERRN fort.
13 Und es geschah eines Tages, als seine Söhne und seine Töchter im Haus ihres erstgeborenen Bruders assen und Wein tranken,
14 da kam ein Bote zu Hiob und sagte: Die Rinder waren gerade beim Pflügen, und die Eselinnen weideten neben ihnen,
15 da fielen Sabäer ein und nahmen sie weg und die Knechte erschlugen sie mit der Schärfe des Schwertes. Ich aber bin entkommen, nur ich allein, um es dir zu berichten.
16 Noch redete der, da kam ein anderer und sagte: Feuer Gottes fiel vom Himmel, brannte unter den Schafen und den Knechten und verzehrte sie. Ich aber bin entkommen, nur ich allein, um es dir zu berichten.
17 Noch redete der, da kam ein anderer und sagte: [Die] Chaldäer hatten drei Abteilungen aufgestellt und sind über die Kamele hergefallen und haben sie weggenommen, und die Knechte haben sie mit der Schärfe des Schwertes erschlagen. Ich aber bin entkommen, nur ich allein, um es dir zu berichten.
18 Während der [noch] redete, da kam ein anderer und sagte: Deine Söhne und deine Töchter assen und tranken Wein im Haus ihres erstgeborenen Bruders.
19 Und siehe, ein starker Wind kam von jenseits der Wüste her und stiess an die vier Ecken des Hauses. Da fiel es auf die jungen Leute, und sie starben. Ich aber bin entkommen, nur ich allein, um es dir zu berichten. -
20 Da stand Hiob auf und zerriss sein Obergewand und schor sein Haupt; und er fiel auf die Erde und betete an.
21 Und er sagte: Nackt bin ich aus meiner Mutter Leib gekommen, und nackt kehre ich dahin zurück. Der HERR hat gegeben, und der HERR hat genommen, der Name des HERRN sei gepriesen!
22 Bei alldem sündigte Hiob nicht und legte Gott nichts Anstössiges zur Last.

Hiob 2
1 Und es geschah eines Tages, da kamen die Söhne Gottes, um sich vor dem HERRN einzufinden. Und auch der Satan kam in ihrer Mitte, um sich vor dem HERRN einzufinden.
2 Und der HERR sprach zum Satan: Von woher kommst du? Und der Satan antwortete dem HERRN und sagte: Vom Durchstreifen der Erde und vom Umherwandern auf ihr.
3 Und der HERR sprach zum Satan: Hast du acht gehabt auf meinen Knecht Hiob? Denn es gibt keinen wie ihn auf Erden, - ein Mann, so rechtschaffen und redlich, der Gott fürchtet und das Böse meidet! Und noch hält er fest an seiner Rechtschaffenheit. Und dabei hattest du mich gegen ihn aufgereizt, ihn ohne Grund zu verschlingen.
4 Da antwortete der Satan dem HERRN und sagte: Haut für Haut! Alles, was der Mensch hat, gibt er für sein Leben.
5 Strecke jedoch nur einmal deine Hand aus und taste sein Gebein und sein Fleisch an, ob er dir nicht ins Angesicht flucht!
6 Da sprach der HERR zum Satan: Siehe, er ist in deiner Hand. Nur schone sein Leben!
7 Und der Satan ging vom Angesicht des HERRN fort und schlug Hiob mit bösen Geschwüren, von seiner Fusssohle bis zu seinem Scheitel.
8 Und er nahm eine Tonscherbe, um sich damit zu schaben, während er mitten in der Asche sass.
9 Da sagte seine Frau zu ihm: Hältst du noch fest an deiner Vollkommenheit? Fluche Gott und stirb!
10 Er aber sagte zu ihr: Wie eine der Törinnen redet, so redest auch du. Das Gute nehmen wir von Gott an, da sollten wir das Böse nicht auch annehmen? Bei alldem sündigte Hiob nicht mit seinen Lippen.
11 Es hatten nun die drei Freunde Hiobs von all diesem Unglück gehört, das über ihn gekommen war. Da kamen sie, jeder aus seinem Ort: Elifas, der Temaniter, und Bildad, der Schuchiter, und Zofar, der Naamatiter. Und sie verabredeten sich miteinander hinzugehen, um ihm ihre Teilnahme zu bekunden und ihn zu trösten.
12 Als sie aber von fern ihre Augen erhoben, erkannten sie ihn nicht [mehr]. Da erhoben sie ihre Stimme und weinten, und sie zerrissen ein jeder sein Obergewand und streuten Staub himmelwärts auf ihre Häupter.
13 Und sie sassen bei ihm auf der Erde sieben Tage und sieben Nächte lang. Und keiner redete ein Wort zu ihm, denn sie sahen, dass der Schmerz sehr gross war.

Hiob 3
1 Danach öffnete Hiob seinen Mund und verfluchte seinen Tag.
2 Und Hiob begann und sagte:
3 Vergehen soll der Tag, an dem ich geboren wurde, und die Nacht, die sprach: Ein Junge wurde empfangen!
4 Dieser Tag sei Finsternis! Gott in der Höhe soll nicht nach ihm fragen, und kein Licht soll über ihm glänzen!
5 Dunkel und Finsternis sollen ihn für sich fordern, Regenwolken sollen sich über ihm lagern, Verfinsterungen des Tages ihn erschrecken!
6 Diese Nacht - Dunkelheit ergreife sie! Sie freue sich nicht unter den Tagen des Jahres, in die Zahl der Monate komme sie nicht!
7 Siehe, diese Nacht sei unfruchtbar, kein Jubel soll in sie hineinkommen!
8 Es sollen sie die verwünschen, die den Tag verfluchen, die fähig sind, den Leviatan zu reizen!
9 Verfinstert seien die Sterne ihrer Dämmerung; sie hoffe auf Licht, und da sei keines; und sie schaue nicht die Wimpern der Morgenröte!
10 Denn sie hat die Pforte meines Mutterschosses nicht verschlossen und Unheil nicht vor meinen Augen verborgen.
11 Warum starb ich nicht von Mutterleib an, verschied ich nicht, als ich aus dem Schoss hervorkam?
12 Weshalb kamen Knie mir entgegen und wozu Brüste, dass ich sog?
13 Denn dann läge ich [jetzt] da und wäre still. Ich schliefe - dann hätte ich Ruhe -
14 mit Königen und Ratgebern der Erde, die sich Trümmerstätten erbauten,
15 oder mit Obersten, die Gold hatten, die ihre Häuser mit Silber füllten.
16 Oder wie eine verscharrte Fehlgeburt wäre ich nicht da, wie Kinder, die das Licht nie erblickt haben.
17 Dort lassen die Gottlosen ab vom Toben, und dort ruhen die, deren Kraft erschöpft ist.
18 Sorglos sind [dort] die Gefangenen allesamt, sie hören nicht mehr die Stimme des Treibers.
19 Klein und Gross sind dort gleich, und der Knecht ist frei von seinem Herrn.
20 Warum gibt er dem Mühseligen Licht und Leben den Verbitterten
21 - [denen], die auf den Tod warten, und er ist nicht da, und die nach ihm graben mehr als nach verborgenen Schätzen,
22 die sich bis zum Jubel freuen würden, Wonne hätten, wenn sie das Grab fänden -,
23 dem Mann, dem sein Weg verborgen ist und den Gott von allen Seiten eingeschlossen hat?
24 Denn [noch] vor meinem Brot kommt mein Seufzen, und wie Wasser ergiesst sich mein Schreien.
25 Denn ich fürchtete einen Schrecken, und er traf mich, und wovor mir bangte, das kam über mich.
26 Ich hatte [noch] keine Ruhe und hatte [noch] keinen Frieden, und ich konnte [noch] nicht ausruhen - da kam ein Toben.

Hiob 4
1 Und Elifas von Teman antwortete und sagte:
2 Wenn man ein Wort an dich versucht, wird es dich ermüden? Aber Worte zurückhalten, wer könnte das?
3 Siehe, du hast viele zurechtgebracht, und ermattete Hände hast du gestärkt.
4 Den Stürzenden richteten deine Worte auf, und wankende Knie hast du stark gemacht.
5 Doch nun kommt es an dich, und es ermüdet dich; es trifft dich, und du bist bestürzt.
6 Ist nicht deine [Gottes]furcht deine Zuversicht, die Vollkommenheit deiner Wege deine Hoffnung?
7 Bedenke doch: Wer ist [je] als Unschuldiger umgekommen, und wo sind Rechtschaffene vertilgt worden?
8 So wie ich es gesehen habe: Die Unheil pflügen und Mühsal säen, die ernten es.
9 Vom Odem Gottes kommen sie um, und vom Hauch seiner Nase vergehen sie.
10 Das Brüllen des Löwen und die Stimme des Junglöwen [sind verstummt], und die Zähne der jungen Löwen sind ausgebrochen.
11 Der Löwe kommt um aus Mangel an Beute, und die Jungen der Löwin werden zerstreut.
12 Ein Wort stahl sich zu mir, und mein Ohr vernahm ein Geflüster davon.
13 In beunruhigenden Gedanken, [wie sie] aus Nachtgesichten [entstehen], wenn tiefer Schlaf auf Menschen fällt,
14 kam Schrecken und Zittern über mich, und durchschauerte alle meine Gebeine.
15 Und ein Hauch fuhr an meinem Gesicht vorbei, das Haar an meinem Leib sträubte sich.
16 Da stand jemand, und ich erkannte sein Aussehen nicht, eine Gestalt war vor meinen Augen, ein leises Wehen und eine Stimme hörte ich:
17 Sollte ein Mensch gerechter sein als Gott oder ein Mann reiner als sein Schöpfer?
18 Siehe, [selbst] seinen Knechten vertraut er nicht, und seinen Engeln legt er Irrtum zur Last:
19 wieviel mehr denen, die in Lehmhäusern wohnen [und] deren Grund im Staub ist! Wie Motten werden sie zertreten.
20 Vom Morgen bis zum Abend werden sie zerschmettert. Ohne einen Namen kommen sie um auf ewig.
21 Nicht wahr? Wird ihr Zeltstrick an ihnen losgerissen, so sterben sie, und [zwar] nicht in Weisheit.

Hiob 5
1 Ruf doch, ob da einer ist, der dir antwortet! Und an wen von den Heiligen willst du dich wenden?
2 Denn den Toren bringt der Gram um, und den Einfältigen tötet der Eifer.
3 Ich, ich sah einen Narren Wurzel schlagen, und sogleich verwünschte ich seine Wohnung.
4 Fern vom Heil bleiben seine Kinder, und sie werden im Tor zertreten, und kein Retter ist da.
5 Seine Ernte verzehrt der Hungrige, und selbst aus den Dornhecken holt er sie weg; und nach ihrem Vermögen schnappen Durstige.
6 Denn nicht kommt aus dem Staub Unheil hervor, und aus der Erde sprosst nicht Mühsal;
7 sondern der Mensch ist zur Mühsal geboren, wie die Funken nach oben fliegen.
8 Ich jedoch würde Gott suchen und meine Sache vor Gott darlegen,
9 der Grosses und Unerforschliches tut, Wunder bis zur Unzahl,
10 der Regen gibt auf die Fläche der Erde und Wasser sendet auf die Fläche des Feldes,
11 um Niedrige in die Höhe zu bringen; und Trauernde gewinnen hohes Glück.
12 Er vereitelt die Anschläge der Klugen, und ihre Hände wirken keinen Erfolg.
13 Er fängt die Weisen in ihrer Klugheit, und der Rat der Hinterlistigen überstürzt sich.
14 Am Tag stossen sie auf Finsternis, und am Mittag tasten sie umher wie in der Nacht.
15 Und er rettet vor dem Schwert, vor ihrem Mund und vor der Hand des Starken den Armen.
16 So wird dem Geringen Hoffnung, und die Schlechtigkeit schliesst ihren Mund.
17 Siehe, glücklich ist der Mensch, den Gott zurechtweist! So verwirf [denn] nicht die Züchtigung des Allmächtigen!
18 Denn er bereitet Schmerz und verbindet, er zerschlägt, und seine Hände heilen.
19 In sechs Nöten wird er dich retten, und in sieben wird dich nichts Böses antasten.
20 In Hungersnot kauft er dich los vom Tod und im Krieg von der Gewalt des Schwertes.
21 Vor der Geissel der Zunge wirst du geborgen sein, und du wirst dich nicht fürchten vor der Verwüstung, wenn sie kommt.
22 Über Verwüstung und Hunger wirst du lachen, und vor dem [Raub]wild der Erde wirst du dich nicht fürchten.
23 Denn dein Bund wird mit den Steinen des Feldes sein, und das [Raub]wild des Feldes wird Frieden mit dir haben.
24 Und du wirst erkennen, dass dein Zelt in Frieden ist. Und schaust du nach deiner Wohnung, so wirst du nichts vermissen.
25 Und du wirst erkennen, dass deine Nachkommen zahlreich sein werden und deine Sprösslinge wie das Kraut der Erde.
26 Du wirst in Rüstigkeit ins Grab kommen, wie die Garben eingebracht werden zu ihrer Zeit.
27 Siehe, dies haben wir erforscht, so ist es. Höre es doch, und merke du es dir!



 

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