Am Ende des zweiten Jahrhunderts nach Christus hatte sich
die christliche Kirche über das ganze römische Reich
ausgebreitet. Einen kleinen Eindruck über die Dimensionen
der Kirche verschafft uns z.B. ein Brief des Bishofs
von Rom, der ca 250 n.Chr. schreibt, dass seine Kirche
"46 Priester, 7 Diakone und 7 Sub-Diakone, 42 Messdiener,
52 Exorzisten, Vorleser und Türsteher, mehr als 1500
Witwen und Bettler" habe, die "versorgt werden durch
die Gnade und Liebe Gottes".
Das Verständnis der Kirche für die Geheimnisse Gottes
wurde nach und nach durch eine Reihe interner
Debatten klarer. Eine der größten Herausforderungen
dabei war die Frage nach der Inkarnation,
der Menschwerdung Gottes in Jesus.
Die Bibel lehrt, daß Gott einer ist,
und daß Vater, Sohn und heiliger Geist Gott sind. Sie
lehrt auch, daß Jesus Christus ein Mensch ist, und daß
er Gott ist. Wie diese Paradoxien aufgelöst werden
können, wird nicht dargelegt. So war die frühe Kirchengeschichte
durch jahrhundertelange Versuche geprägt, ein angemessenes
Vokabular und ein gutes Verständnis dieser Zusammenhänge
zu erlangen.
Die orthodoxe Beschreibung der Geheimnisse Christi wurde
schliesslich in den großen Konzilien des vierten und
fünften Jahrhunderts festgehalten. Davor gab es eine
Reihe von Versuchen, die Zusammenhänge zu beschreiben,
die entweder die Menschlichkeit Jesu außer acht ließen
bei dem Versuch, seine Göttlichkeit herauszustellen,
oder welche die Göttlichkeit Jesu vernachlässigten, wenn
sie ihm als Mensch begegneten.
Eine der Irrlehren jener Zeit war der Monarchianismus,
eine Schule, die etwa 190 n.Chr. in Rom begann. Der Name bezieht
sich auf den Inhalt der Lehre, welche die Einheit Jesu
mit Gott, dem Vater, also die göttliche Monarchie, in
den Vordergrund rückt. Eine andere Schule der Monarchisten
versuchte als Reaktion, Jesus als Menschen
zu sehen und ihn geringer als Gott einzuordnen. Theodotus von
Byzans wurde 190 aus der Kirche von Rom ausgeschlossen, weil
er Jesus als bloßen Menschen lehrte, in dem Gott besonders
gegenwärtig war. Die Lehre war damit nicht am Ende. Der
Bishof von Antiochien, Paul von Samosata, wurde 268 aus
seiner Kirche ausgeschlossen, weil er lehrte, Jesus war
nur ein Mensch, der von göttlicher Substanz (gr. ousia)
durchflossen wurde. Andere versuchten die Göttlichkeit
Jesu zu retten, indem sie ihn so eng mit dem Vater verschmolzen,
daß seine eigenständige Persönlichkeit verloren ging. Diese
Schule des Monarchianismus wurde als Modalismus
bekannt, weil sie lehrte, daß Vater, Sohn und heiliger
Geist und andere Moden desselben Gottes waren.
Es gab jedoch weitere wichtige Grundfragen. Wie sollte man
mit denjenigen Christen verfahren, die unter Androhung von
Gewalt vom Glauben abgefallen waren, jedoch in die Gemeinde
zurückkehren wollten.
Eine Debatte zwischen zwei römischen Presbytern, Hippolytus
und Callistus, und dem Bishof von Rom, Callistus, führte zu
ersten Konflikten um den Papst, den Bishof von Rom. Eine
Gruppe von Anhängern wählte Hippolytus zum Bishof gegen
Callistus - er wurde der erste "Anti-Papst" ca. 217 n.Chr.
Die Spaltung setzte sich bei den Nachfolgern Urban und
Pontianus fort und wurde erst 235 aufgelöst, als Hippolytus und
Pontianus zurücktraten. Beide wurden dann allerdings bald
als Märtyrer hingerichtet.
Im frühen dritten Jahrhundert kam die Theologie zu neuen
Höhen durch die sogenannten Alexandrinischen Väter.
Alexandria beherbergte eine der größten Bibliotheken der
Welt mit mehr als einer halben Millionen Bänden, und war eines
der intellektuellen Zentren der Welt. Mitte des zweiten
Jahrhunderts gab es in Alexandria eine große christliche
Schule. Ab 190 n.Chr. leitete Clement von Alexandria (150-215 n.Chr.)
diese Schule für Glaubensanfänger. Er war in der griechischen
Philosophie zu hause und schuf eine umfassende christliche
Theorie von einer Tiefe und Reife, welche den heidnischen
Philosophien in nichts nachstand. Clement sah Christus als
den Logos, den großen Lehrer der Welt.
Nach Clement lehrte ein weiterer großer christlicher Theologe
in Alexandria: Origen (185-254). Origen lehrte über 28 Jahre
und wurde legendär für seine Lehre. Origen schrieb über 2000
Arbeiten und Bücher. Der Zeitgenosse Jerome schrieb: "Wer
kann jemals all das lesen, was Origen geschrieben hat."
Roland Potthast für das Evangeliumsnetz.
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