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Der Durchbruch zur Staatsreligion im römischen Reich ab 313 n.Chr.
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Wenige Christen, die im dritten Jahrhundert n.Chr. unter
Verfolgung, Folter und Exekution zu leiden hatten, konnten
sich vorstellen, daß schon 100 Jahre später die
heidnischen Tempel geschlossen würden und das Christentum
die offizielle Religion des römischen Reiches würde.
Aber genau diese Entwicklung geschah.
Kaiser Konstantin (306-37 n.Chr.)
war der Sohn des toleranten Kaisers Chlorus und
seiner christlichen Frau. Er wurde Nachfolger seines Vaters
als Kaiser des Weströmischen Reiches, neben Maxentius, der
die Macht über die Stadt Rom besaß. Im Jahr 312 schlug
Konstantin Maxentius in der Schlacht an der Brücke von
Milvian, außerhalb von Rom. Dieser Sieg sollte einen entscheidenden
Umbruch in der Geschichte des Christentums darstellen.
Kurz vor der Schlacht von Milvian hatte Konstantin einen Traum,
in dem ihm ein Kreuz aus Licht erschien zusammen mit den
lateinischen Worten: "in diesem Zeichen wirst du siegen".
Konstantin ließ daraufhin das christliche Kreuz allen Soldaten
auf die Schilde malen. Nachdem Konstantin Rom als siegreicher
Kaiser eingenommen hatte, beendete er offiziell die Verfolgung
des Christentums. Im Jahr 313 schloß er einen Vertrag mit
Licinius, dem oströmischen Kaiser, das "Edikt von Mailand".
In diesem wird im gesamten Reich die Religionsfreiheit ausgerufen
und das Eigentum von Christen wird wieder hergestellt.
Die beiden Kaiser überwarfen sich jedoch bald und Licinius,
selbst kein Christ, kehrte zur Christenverfolgung zurück. Es
kam zur gewaltsamen Auseinandersetzung zwischen Konstantin und
Licinius, bei welcher der politische Konflikt unter dem
Mantel eines Religionskrieges geführt wurde. Konstantin
gewann schließlich die Schlacht gegen Licinius bei
Chrysopolis im Jahr 324.
Konstantin reformierte das römische Reich und die nun offizielle
christliche Kirche. Er räumte Bishöfen den Rank von Senatoren
ein. In der Theorie wurden Staat und Kirche zu einer Einheit,
wenn auch in der Praxis viele Konflikte und Diskussionen ausgetragen
wurden. Konstantin gab den Kirchen vielerlei Geschenke, Eigentum,
Land, Kirchen und Basiliken. So wurde der Petersdom in Rom gebaut.
Konstantin erklärte den Sonntag zum allgemeinen Ruhetag,
wodurch die wöchentlichen Feiern des Mithras ersetzt wurden.
Er finanzierte Kopien von Bibeln und setzte christliche Ideen
in Gesetze um, welche den Schutz von Kindern, Sklaven und
Gefangenen zum Inhalt hatten.
Der Versuch, Ost und West zusammenzuführen gipfelte in der
Wahl von Roma Nova, auch Konstantinopel oder heute Istanbul auf
dem Gebiet der antiken Stadt Byzantium (daher der Name
'byzantinisches Reich') zur Hauptstadt des römischen Reiches.
Die Entwicklung zur Staatsreligion wurde während der Herrschaft
von Kaiser Julian 361 unterbrochen. Aber nachdem Julian schon
nach zwei Jahren in einer Schlacht starb, wurde der neue Bann
von seinem Nachfolger Jovian (363 n.Chr.) aufgehoben und die
christliche Kirche kam erneut in den Genuß eines einflußreichen
Patrons. Im Jahr 379 wurde Flavius Theodosius (379-95) Kaiser
des oströmischen Reiches. Unter ihm wurde 380 das Christentum
zur vorgeschriebenen Religion. Jede Praxis heidnischer
Anbetung wurde verboten und die christliche apostolische Religion
wurde zur Staatsreligion ernannt. Das ausgehende vierte Jahrhundert
wurde geprägt von weitreichender christlicher Lehre im gesamten
römischen Reich. In den Sprachen Griechisch und Latein wurden
die Inhalte des Glaubens von Missionaren und Lehrern bekannt
gemacht.
Über diese Entwicklung zur Staatsreligion,
über Religionsfreiheit und Gewalt, werden wir noch nachzudenken
haben. Ist es im Sinne Jesu Christi, daß hier die Entscheidung
zum Glauben an Gott von der staatlichen Autorität dem Einzelnen
entzogen wurde? Ist es Christentum, in einer sogenannten 'christlichen'
Gesellschaft zu leben? Was macht eigentlich einen Menschen zum
Christen - die 'christliche' Geburt? Wohl kaum. Und weitere Fragen
sind wesentlich: Kann die richtige Lehre verordnet werden?
Die Entwicklung des vierten Jahrhunderts ist für das Christentum
als lebendigen Glauben nicht unproblematisch und hat seine
Auswirkungen bis heute.
Roland Potthast für das Evangeliumsnetz.
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