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Die gregorianischen Reformen 1046 - 1122 n.Chr.
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Anfang des 11. Jahrhunderts war die Kirche im Westen
an einem ihrer Tiefpunkte angelangt. Das Papsttum war
durch Korruption blockiert, und in dem Führungsvakuum
blühte Mißbrauch und lokaler Streit um die
Vormachtstellung überall in Westeuropa. Die Klöster
und Kirchen hatten traditionell das Recht, die
Führung ihrer Institutionen selbst einzusetzen.
Oft behandelten diese die Kirchen und das kirchliche
Land allerdings wie ihr eigenes Eigentum,
kauften und verkauften nach Taktik und Angebot.
Könige und Herrscher verliehen die entsprechenden
Titel und verlangten von den Kirchenführern
Loyalität. So war die Kirche hin und hergerissen
zwischen geistlichen Prinzipien und weltlicher
Macht.
Die Mönche von Cluny, die nur dem Papst unterstanden,
waren in der Lage, dem lokalen Einfluß zu widerstehen.
Doch sie waren nicht in der Lage, den Rest der
Kirche wieder zu einem Christus-gemäßen Leben zu
rufen. Doch ab 1046 gab es eine immer stärker werdende
reformerische Bewegung von Christen, welche sich gegen den
weltlich macht-politischen Einfluß auf die Kirche und
die Mißstände richtete. Es begann mit König Henri III,
der sich mit drei rivalisierenden Päpsten in Rom
konfrontiert sah. Henry entließ alle drei und
installierte stattdessen einen untadeligen deutschen
Bischof als Papst Leo IX (1049-54). Er reiste durch
Italien, Frankreich und Deutschland und versuchte,
die Kirche zu einem geistlichen Verhalten zurückzuführen.
Seine Nachfolger folgten ihm in einem ehrgeizigen
Reformprogramm.
An erster Stelle war das Ziel der Reformen, den Ankauf
und Verkauf von Kirchengebäuden zu stoppen. Ferner sollten
Bischöfe und Äbte von den Kirchenmitgliedern und Mönchen
gewählt werden, nicht von den lokalen Fürsten ernannt sein.
Auch wollte man den Klerus aus der weltlichen Gerichtsbarkeit
herausnehmen, um hier Nötigung zu unterbinden. Alles
in allem ging es um die Unabhängigkeit des Glaubens und
der Strukturen der christlichen Gemeinde. Darüber hinaus
versuchte man, das Zölibat wieder durchzusetzen. Es war
weithin üblich, daß der Klerus heiratete - und manchmal
wurden Kirchenbesitztümer wie Erbbesitz behandelt.
Die Reformen erreichten einen Höhepunkt
unter Papst Gregor VII (dem deutschen Kardinal Hildebrand),
der im Jahr 1073 sein Amt antrat. Er brachte den Anspruch
des Papsttums auf ein neues Niveau, indem er forderte, daß
niemand auf Erden das Gerichtsrecht über das Papsttum
habe, während die Päpste sogar Könige und Kaiser entlassen
konnten. Kaiser Henry IV kümmerte sich nicht um diesen
Anspruch und entließ 1076 den Erzbischof von Mailand, um
seinen eigenen Kandidaten einzusetzen. Er wurde daraufhin
von Gregor exkommuniziert. Als eine Reihe der Baronen
von Henry die Rebellion ankündigten, wurde der Kaiser
bei eisigen Temperaturen im Januar 1077 gezwungen,
Gregor in Canossa (Gang nach Canossa)
in den Apenninen aufzusuchen, im Schnee
vor ihm niederzuknien und um Vergebung zu bitten.
Der Investiturstreit war damit allerdings noch nicht
beendet. Henry IV eroberte Rom und zwang Gregor ins Exil,
wo er 1085 starb. Überliefert ist seine Aussage auf dem
Todesbett: ''Ich habe die Gerechtigkeit geliebt und die
Ungerechtigkeit gehaßt - darum sterbe ich im Exil.''
Der Streit wurde im Jahr 1122 auf dem Konkordat von
Worms mit einem Kompromiß beigelegt. Die Bischöfe
sollten ordentlich vom Klerus gewählt werden, doch in
Anwesenheit des Kaisers. Er durfte sie nicht einsetzen,
doch sie sollten ihm huldigen. Die Gregorianischen
Reformen ließen die Kirche in einer wesentlich stärkeren
Position als zuvor.
Während die Päpste und Kaiser sich um die Strukturen
und Herrschaft stritten, vollzog sich in der Kirche
eine bemerkenswerte spirituelle Erneuerung.
Bisher waren die benediktinischen Mönche im Westen
Europas führend gewesen. Doch Cluny hatte einiges
von seinem Glanz und seiner Anziehungskraft der
ursprünglichen Einfachheit verloren. So entstanden
bis zum Jahr 1200 acht weitere klösterliche Orden.
Der erste war der Karthäuser Orden (Carthusians),
das Kloster wurde 1084 in Grenoble, Frankreich,
gegründet. Die Ordnungen waren allerdings so
einschränkend und strikt, daß die Wirkung beschränkt
war. Die Karthäuser lebten fast wie Einsiedler
und trafen sich nur für Gottesdienste und die
Mahlzeiten.
Das populärste neue Kloster jener Zeit war das
Zisterzienserkoster (Cistercians), welches 1098
gegründet wurde. Eine kleine Gruppe von Mönchen
gründeten das Kloster in Citeaux in Burgund,
Ost-Frankreich. Die Neugründung hatte einige
Anfangsschwierigkeiten, bis der junge
Bernhard von Clairvaux in den Orden
eintrat. Seitdem verbreitete es sich in
Windeseile über Europa. Die Zisterzienser
gründeten abgeschiedene Klöster und gaben sich
der Entbehrung und harter Arbeit hin. Die Mönche
waren oft auch Priester und entstammten den
höheren Klassen. Es wurden Laien-Brüder
zugelassen, die an der Arbeit und dem Gebet
teilnahmen.
Roland Potthast für das Evangeliumsnetz.
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