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Vorläufer der Reformation: Kempis, Hus, Wycliffe im 14./15. Jahrhundert
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Im 14. Jahrhundert war das Papsttum in Avignon und Rom
gespalten und in vielem dekadent. Hinzu kam die immer
weiter ausufernde Kirchenbürokratie, die beträchtliche
finanzielle Summen verschlang. Es wurde Usus, auf
vielfältige Weise diese Summen einzutreiben - so entstand
ein durch und durch korruptes System, bei dem sich
zum Teil der neue Klerus in die Ämter einkaufen mußte
oder konnte. Zwei Drittel der finanziellen Mittel des
Papstes in Avignon wurde dafür verwandt, die kirchlichen
Besitztümer in Italien zu verteidigen.
Der Zustand der Kirchenleitung blieb nicht ohne Kritik
und ohne Gegenbewegungen. In England inspirierte John
Wycliffe (1330-84) eine Laienbewegung, die Lollarden,
die sehr feindlich gegenüber der gesamten Kirchenhierarchie
eingestellt waren. John Wycliffe lebte fast 200 Jahre
vor der Reformation. Seine Überzeugungen waren jedoch denen
von Luther, Calvin und anderen Reformern nahe. Später
sollte er der Morgenstern der Reformation genannt
werden.
Wycliffe kritisierte Mißbrauch und falsche Lehren in der
Kirche. Im Jahr 1382 übersetzte er die Bibel ins Englische -
die erste europäische Übersetzung seit 1000 Jahren. Die
Lollarden predigten in ganz England und initiierten eine
spirituelle Revolution. Doch die Bewegung lebte nur
kurz. Wycliffe wurde von seinem Lehrstuhl in Oxford
entfernt. 44 Jahre nach seinem Tod wurden seine Gebeine
auf Anweisung
des Papstes exhumiert und verbrannt. Es gab eine heftige
Verfolgung gegenüber seinen Nachfolgern und Lehren. Erst
mit Luther und der Reformation würde dieser evangelische
Glaube wieder zum Durchbruch kommen. Der Name Wycliffs
sollte 1942 von einer Organisation übernommen werden, die
Bibelübersetzungen weltweit unterstützt und anfertigt,
von den 'Wycliffe Bibelübersetzern'.
In Deutschland und den Niederlanden lehrten und Predigten
Gerhard Groot (um 1384) und sein Schüler
Thomas von Kempen (1380-1471). Sie wurden von
nicht wenigen Bischöfen und Synoden unterstützt in ihrem
Ziel, das Evangelium und die ganze Bibel zu lehren
in Einfachheit und Verständlichkeit. Thomas von Kempen
war Author der wirkungsmächtigen Schrift 'De imitatione Christi'
(von der Nachfolge Christi), die viele Menschen zu einem
Leben im christlichen Glauben motiviert hat.
In Tschechien lebte und wirkte der Reformer
Jan Hus (1369 - 1415). Es kam zum Konflikt mit
der Kirchenhierarchie, da Jan Hus der Kirche vorwarf,
von der Bibel abzuweichen und falschen Lehren zu folgen.
Hus war dabei stark von Wycliffe beeinflußt. 1408
wurde Hus das Predigen verboten und die Ausübung der
priesterlichen Funktionen wurde ihm versagt. Im Jahr
1410 wurde Hus verbannt. Daraufhin brachen Unruhen
aus und Volksdemonstrationen ermöglichten es Hus, trotz
des Verbots seine Predigten fortzusetzen. 1413 schrieb
er sein Hauptwerk 'de ecclesia' (Über die Kirche).
Im Jahr 1414 wurde Hus aufgefordert, sich auf dem Konstanzer
Konzil zu verteidigen. Dabei hatte ihm König Siegmund
freies Geleit versprochen. Auf dem Konzil wurde er gleich
bei seiner Ankunft festgenommen, zum
Widerruf und zur Anerkennung der Authorität der Kirche
aufgefordert und da er sich weiterte, verurteilt und
auf dem Scheiterhaufen verbrannt.
Roland Potthast für das Evangeliumsnetz.
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