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Die katholische (Gegen-)Reformation im 16. Jahrhundert II
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Während zum Beginn des 16. Jahrhunderts die neuen Orden der Theatiner,
Barnabiter und Jesuiten innerhalb der katholischen Kirche rasch wuchsen,
gelang es auch einigen der alten Mönchsorden, sich zu reformieren und
neue Kraft zu entfalten. Im Jahr 1524 gab Papst Clement VIII für einen
Zweig der Franziskaner die Erlaubnis, separate reformierte Häuser zu
eröffnen. So entstanden die Kapuziner, die nach ihrer besonderen
Kapuze benannt wurden. Bis heute sind diese Christen weltweit bekannt
als Evangelisten, Prediger und Bekenner Christi.
Spanien wurde um 1540 überschwemmt von dem neuen Reichtum, den die
Kolonien in Nord- und Südamerika brachten. Hier waren Kirche und Staat
eng verbunden und die protestantische Reformation wurde von der
Inquisition mit brutaler Gewalt verhindert. Doch inmitten dieses Klimas
der Repression lebte eine innerkatholische Spiritualität auf, die sich
an Personen wie Theresa von Avila und John vom Kreuz orientierte.
John vom Kreuz (1542-91) und Theresa von Avila (1515-82)
sind zwei der bekanntesten Mystiker der katholischen Geschichte. Sie
suchten ein kontemplatives Leben, welches voll und ganz in der Hingabe
an Gott aufgeht. Persönliche Leidenschaft in der Verwirklichung des
Glaubens war etwas, das die katholische Kirche brauchte und aufsog.
John und Theresa schrieben über ihre mystischen bzw. spirituellen
Erfahrungen in Gedichten und Büchern. Sie unterstützten Kirchenreformen,
indem sie sich für konsequente und strenge Regeln in den
Karmeliter Klostern einsetzten. 1562 gründete Theresa in Avila einen
Konvent für Karmeliternonnen, der die entschärften Regeln der Karmeliter durch
eine einfache und strenge Regel
Unter Papst Paul III (1534-49) kamen die spirituellen Reformen der
Klöster und Orden oben in der Kirchenhierarchie an. Er ordnete viele
positive Veränderungen an, berief Reformen in das Kollegium
der Kardinäle und setzte eine päpstliche Reform-Kommission ein.
Im Jahr 1542 berief Paul III ein allgemeines Konzil ein, das im
Jahr 1545 schließlich in dem Konzil von Trent in Norditalien
realisiert wurde. Die Diskussionen zogen sich bis 1563 hin und
berührten Themen wie die Rechtfertigung (wann wird ein Mensch von
Gott angenommen und von seiner Schuld befreit?), die Einsetzung
und Pflichten von Bischöfen und katholischer Lehre. In der ersten
Phase wurden die Lehren von Luther, Calvin und Zwingli verstoßen
und das Glaubensbekenntnis von Nicea bestätigt. Auch die Theologie
der sieben Sakramente wurde hier bekräftigt.
In der letzten Phase
wurden viele der mittelalterlichen theologischen Ideen und Praktiken
verteidigt, unter anderem das Zölibat (Ehelosigkeit) für den Klerus
und die Existenz des Purgatoriums (Fegefeuers), in dem Sünder nach
dem Tode von ihren Sünden gereinigt werden, um dann in den Himmel
einzugehen. Es wurde der Glaube an den freien Willen des Menschen
bestätigt entgegen der lutherischen Lehre von der Gebundenheit
des Willens (kann ein Mensch das Gute tun?). Man bestand darauf,
daß Liebe und Hoffnung ebenso wichtig sind für die Rettung eines
Menschen wie der Glaube. Kirchliche Mißstände wie der Ankauf und
Verkauf von Kirchenbüros wurden beseitigt, der Pluralismus
wurde abgelehnt. Rom wurde als Zentrum der katholischen (=allgemeinen)
Kirche bestätigt. Die Ergebnisse des Konzils wurden schließlich in
Dekreten, Seminaren und Kanons verbreitet und zur Ausbildung von
Priestern und Theologen genutzt. Damit war für 400 Jahre bis zum
zweiten vatikanischen Konzil 1960 die theologisch Grundlinie für
die katholische Kirche und ihr Verhältnis zu den evangelischen
Kirchen vorgezeichnet.
In ganz Europa veränderten sich im 16. Jahrhundert die Gottesdienst
durch die Reformer evangelischer und katholischer Prägung. In den
protestantischen Kirchen wurden die Liturgien (Gottesdienstordnungen)
einfacher und die Predigt des Evangeliums rückte in den Mittelpunkt.
Die farbenprächtigen Kleider wurden aufgegeben ebenso wie die
lateinische Sprache zugunsten der lokalen Sprachen und einfacher
schwarzer Roben analog zu den Professorenkleidern der Universitäten.
Die Kirchen der Protestanten wurden von Bildern befreit, um sich ganz
auf das Wort Gottes im neuen Testament zu konzentrieren. Die
Psalmen wurden als Beweis gesehen, daß Gott Musik in den Gottesdiensten
schätze und praktiziert, wobei Calvin nur eine einfache vokale
Realisierung zuließ. Der Altar wurde u.a. von Zwingli, der nicht an
die reale Gegenwart Christi in Brot und Wein der Eucharistie glaubte,
zu einem simplen Tisch degradiert. Ganz anders die katholische
Entwicklung. Die barocke Kunst und die mannigfaltigen Formen der
Renaissance wurden genutzt, um den Zielen der Kirche zu dienen
und dem Glauben Ausdruck zu verleihen. Die beeindruckenden Ornamente
wurden genutzt, um zu beeindrucken und die Gefühle der Gläubigen
auf Gottes Größe und Schönheit zu lenken, die ihren Widerschein
in den Kirchengebäuden fand. Die Verehrung von Maria und den
Heiligen wurde intensiviert. Kommunion und Beichte wurden häufiger
und regelmäßig abgelegt, Prozessionen und Andachten waren populär.
Bei all dem blieben die orthodoxen Kirchen des Ostens fast
unbeeinflußt von dem Tumult des Westens und ihr Gottesdienst
behielt die überlieferte Form.
Roland Potthast für das Evangeliumsnetz.
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