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Die Aufklärung beginnt - die Zeit seit 1648
Die Reformer des 16. und 17. Jahrhunderts hatten ein Ziel, daß sie mit allen Reformern der Kirchengeschichte vereint. Sie wollten die Menschen von den Verwirrungen mancher kirchlichen Praktiken befreien und sie näher zu Gott bringen, näher zu Jesus Christus, dem Heiland, Retter und Erlöser. Dabei wurde heftig gerungen um die Freiheit, den eigenen Glauben zu bekennen, die Kirche zu kritisieren und den Weg Gottes zu suchen. Auf diesem Hintergrund entstand nach der Beendigung der blutigen Konflikte um Macht und Glauben eine Zeit der Vergewisserung und Kritik genau dieses überlieferten Glaubens. Wo Kritik und Suche nach der Wahrheit möglich wurde, da konnte der Glaube eines jeden in Frage gestellt werden, da mußte neu nach dem gesucht werden, was verläßlich und vernünftig ist. Es ist eine innere Logik, die auf die Zeit der Reformation und Glaubenskämpfe die Aufklärung folgen läßt.
 
Die Aufklärung entfaltet ihre Kräfte erst im 18. Jahrhundert in voller Blüte. Doch schon in der Zeit nach dem 30jährigen Krieg wurden die Grundlagen gelegt, auf dem diese Entwicklung möglich war. Anders als in der Zeit vor der Reformation gab es jetzt wieder Denker, welche Wissen nicht auf der Basis der christlichen Überlieferung suchten, sondern die ein säkulares (weltliches) System der Welterklärung aufbauten. Die Rolle Gottes und die Rolle der Kirche wurde damit wesentlich verändert für das Denken und für das gesellschaftliche Leben.
 
Es gab zwei wichtige philosophische Schulen, welche die europäische Entwicklung beeinflussen sollten. In England waren dies die Empiristen, die alle Dinge auf der Basis jener Informationen erklärten, die wir durch unsere Sinne empfangen. In Deutschland und Frankreich versuchten die Rationalisten die Welt als eine Art Mathematik zu behandeln, in der alles von grundlegenden Prinzipien mit Hilfe der Vernunft abgeleitet werden konnte. Führende Empiristen waren John Locke (1632-1704), Georg Berkeley (1685-1753) und David Hume (1711-76). Hume führte den Empirismus in voller Konsequenz aus und zeigte, daß die Hinterfragung von Erfahrungen letztlich zum Skeptizismus führt. Die Kritik der Erfahrung beeinflußte viele seiner Zeitgenossen stark und führte u.a. zu Zweifel an den übernatürlichen Aspekten des christlichen Glaubens und der christlichen Überlieferung.
 
Rationalisten waren etwa Rene Descartes (1596-1650), Baruch Spinoza (1632-77) und Gottfried Leibnitz (1646-1716). Die Entwicklung mündet schließlich Jahre später in der Kritik der reinen Vernunft von Immanuel Kant (1724-1804), der mit Hilfe seiner Kritik von Erfahrung und Denken den Rationalismus und den Empirismus wieder zusammenführt. Durch die Kritik des Denkens selbst schafft Kant den bis heute in der Regel unbezweifelten Konsens in der intellektuellen Welt, daß Gott nicht beweisbar ist. Es ist interessant zu beobachten, daß die Begründer der beiden Schulen Christen waren - Descartes, Locke und Berkeley glaubten der christlichen Lehre. Aber viele weitere Denker entwickelten die Theorien ohne oder in Feindschaft gegenüber dem Christentum. Locke sah sich als Christ, vertrat jedoch eher "deistische" Ansichten, dazu mehr im folgenden Abschnitt.
 
Einer der bekanntesten frühen Aufklärer war Francis Bacon (1561-1626). Bacon war ein hingegebener Christ, der sein Leben der wissenschaftlichen Untersuchung der Natur widmete. Er war der Überzeugung, daß induktives Denken, welches seine Schlußfolgerungen aus einer Fülle verschiedener Beobachtungen nimmt, die einzige verläßliche Basis sei, um etwas über die Natur und die Welt um uns her zu wissen. Die Basis für Denken und Wissen löst sich mit Bacon von der Überlieferung - sei es philosophische Tradition oder christliche Lehre - hin zu einer naturwissenschaftlich geprägten Erkenntnistheorie. Bacon beeinflußte damit stark den frisch aufkeimenden Empirismus.
 
Roland Potthast für das Evangeliumsnetz. [Feedback per Email]



 

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