Mit dem Ende des 18. Jahrhunderts rückte die Mission, der Auftrag Jesu, alle
Menschen zu seinen Nachfolgern zu machen, neu in den Mittelpunkt des Interesses
der christlichen Kirchen. Im 19. Jahrhundert vervielfachte sich die Zahl
der Missionare und es wurde eine große Zahl von Missionsgesellschaften
gegründet. Nordamerika war daran ebenso beteiligt wie die meisten euroäischen
Länder.
Einer der großen Führer der Missionsbewegung war William Carey (1761-1834).
Er kam aus einer armen Familie in Norhamptonshire in England und wurde mit 14
Schuhmacher. Doch in privater Initiative lernte er noch als Teenager 6 Sprachen
zu sprechen. Er war am Aufbau der "English Baptist Missionary Society" beteiligt
und einer der ersten Missionare nach Indien. Dort war er gemeinsam mit anderen
Missionaren an dem Aufbau von mehr als 120 Schulen beteiligt. Die Bibel wurde
in mehr als 40 der 1500 Sprachen Indiens übersetzt. Carey gründete ein
medizinisches Zentrum, ein Seminar und unterstützte erfolgreich soziale
Reformen, setzte sich insbesondere für Frauen ein.
1795 wurde die London Missionary Society gegründet, 1799 die Church
Missionary Society, welche Missionare nach Ozeanien, China, Indien, Afrika
und den mittleren Osten sandte. In der regel gründeten sie Missionsstationen
als christliche Zentren, die aus einer Kirche, einer Schule und einem
Krankenhaus bestanden. Die meisten dieser Missionen waren zunächst
protestantisch, doch unter dem Pontifikat von Gregor XVI (1831-46) kam
es auch im katholischen Bereich zu einer neuen Bereitschaft zur Mission.
Die Könige von Spanien und Portugal wollten über diese Missionare die
Kontrolle behalten, doch Gregor umging dies durch die Einsetzung
von apostolischen Vikaren (Bischöfe), die kein spezielles Gebiet unter
sich hatten und dem Papst direkt verantwortlich waren. Er setzte 195
solcher missionarische Bischöfe ein, verdammte die Sklaverei und
den Sklavenhandel, setzte sich für eingebore Priester und Bischöfe
ein und kämpfte mit den neuen Regierungen in Latein Amerika um das
Recht, Bischöfe einzusetzen.
Was waren die Gründe für die Explosion der europäischen Missionen? Den
Hintergrund bildete die weitreichende Seefahrt, bei der europäische
Pioniere die meisten Kontinente per Schiff erreicht und dort Kolonien
gegründet hatten. Eroberer wie Captain James Cook waren zu Helden in
Europa geworden. Die Europäer lasen und erzählten sich von den
entfernten Ländern und ihren Reichtümern und dachten auch an die
Menschen, die dort lebten und noch nie von Jesus Christus gehört hatten.
Eine Explosion des Handels führte zu regelmäßigen Schiffspassagen
von England, Holland, Spanien etc in die Kolonien. Die Erweckungen und
gleichzeitigen Verfolgungen in Europa führten zu einer spirituellen
Atmosphäre, so daß nicht wenig sich für die Mission öffneten. Gleichzeitig
wurde diese Mission durch die Ausdehnung der europäischen Macht in nicht
wenigem kompromittiert. Das Christentum wurde von vielen mit europäischem
Handel und der europäischen Zivilisation gleichgesetzt. Es wurde
so zur Religion der Unterdrücker, auch wenn viele Missionare sich
der Ausbeutung der eingeborenen Menschen durch die Kolonialisten widersetzten.
Die Geschichten von hingegebenen Missionaren, die mit den Widrigkeiten
und Schwierigkeiten ferner Länder zu kämpfen hatten, inspirierten viele
junge Leute, auf "das Missionsfeld" zu gehen. Ein berühmtes Beispiel
ist das Tagebuch von Allen Gardiner, der 1850 in der
südamerikanischen Kälte verhungerte. Er schrieb kurz vor seinem Tode:
"Arm und schwach wie wir sind ... fühlen und wissen wir dass Gott hier
ist. Schlafend oder wachend bin ich, jenseits jeder Ausdrucksmöglichkeit,
voller Glück." Solche Zeugnisse der Aufopferung ermutigten viele
Herzen und gaben ihnen neuen Glaubenseifer.
 
Roland Potthast für das Evangeliumsnetz.
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