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Die ökumenischen Bewegungen 1910 bis 1990
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Die missionarische Aktivität zum Beginn des 20. Jahrhunderts
war geprägt von einer vielzahl christlicher Kirchen, die
alle Menschen für die eigene Ausprägung des christlichen
Glaubens gewinnen wollten. Doch diese Konkurrenz nahm stark
ab. Etwa in den reformierten Kirchen wurde die Fruchtbarkeit
der Teilung hinterfragt und es gab Bestrebungen zur
Wiedervereinigung christlicher Kirchen. So kam es zum
Beginn der ökumenischen Bewegung. "Ökumenisch" heißt
soviel wie "universal" - allumfassend. Die zentrale Hoffnung
aller Ökumene ist es, daß eines Tages alle Christen in
einer einzigen christlichen Kirche gemeinsam leben.
Im Jahr 1910 trafen sich 1200 Deligierte aus 160 protestantischen
Missionsgesellschaften in Schottland zur Welt Missionskonferenz.
Hier wurde Einheit in der Vielfalt praktisch ausgelebt. Ähnliche
ökumenische Initiativen folgten, so etwa die Gründung der
"Live and Work"-Bewegung im Jahr 1927 und der "Faith and Order"-
Bewegung. Die beiden Bewegungen trafen sich 1948 in Amsterdam
und gründeten den World Council of Churches, den Weltrat der
Kirchen. Ziel war es, die Verbindungen zwischen den christlichen
Kirchen zu stärken und Vorurteile abzubauen. Der zweite Weltkrieg
war gerade drei Jahre vorüber und so ergab sich ein starker Impuls
in Richtung der Einheit der Kirchen.
Der Weltrat sollte und konnte jedoch keine verbindlichen
Entscheidungen für seine Mitglieder treffen, sondern nur gemeinsame
Aktivitäten anregen und sich Themen wie Armut, Gerechtigkeit,
Mildtätigkeit, Lehre, Liturgie und Politik widmen.
Die katholische Kirche ließ die ökumenischen Anfänge im
evangelischen Bereich zunächst unbeachtet. Man vertrat den
Standpunkt, daß alle reformierten und evangelischen Kirchen
sich vom Katholizismus gelöst hatten und dahin zurückkehren
sollten. Zwischen 1923 und 1927 traf sich eine Gruppe
von Katholiken und Anglikanern zu Gesprächen über eine
solche Wiedervereinigung in Malines in Belgien. Papst Pius XI
jedoch forderte die katholischen Teilnehmer zum Rückzug auf.
Im Jahr 1928 veröffentlichte er die Enzyklika "Mortalium Animos",
in welcher er sich dagegen wandte, die Wahrheit Gottes zum
Gegenstand von Verhandlungen zu machen. Er verdammte die
protestantischen Bewegungen als "falsches Christentum".
Erst 36 Jahre später, während des II. Vatikanischen Konzils,
sollten katholische Bischöfe protestantische Christen als
"getrennte Brüder" [im Glauben] bezeichnen.
Im Jahr 1959 ermutigte Papst Johannes XXIII. sowohl Katholiken
als auch Protestanten, sich zu treffen und für die Einheit
der Kirchen zu beten. Der Erfolg war zunächst gemischt, wenn
auch überall auf der Welt enge Arbeitsbeziehungen zwischen
katholischen und evangelischen Gemeinden entstanden.
Auch die orthodoxen Kirchen beteiligten sich an der
ökumenischen Diskussion und brachten ihre reiche Tradition
in die Gespräche ein. Im Jahr 1961 trat die russiche orthodoxe
Kirche in den Weltkirchenrat ein und viele weitere orthodoxe
Kirchen folgten. Der Fortschritt zur Einheit vollzog sich
äußerst langsam, weil die kleinsten Unterschiede zum Teil
am schwierigsten aufgelöst werden konnten und weil viele
historisch gewachsene Eigenheiten zu verarbeiten waren. Der
Papst dämpfte alle falschen Hoffnungen: "Die Teilungen der
Jahrhunderte können nicht in wenigen Dekaden weggewaschen
werden."
Religionstreffen.
Im Jahr 1986 trafen sich zum ersten mal in der Weltgeschichte
die meisten Führer der großen Weltreligionen zum gemeinsamen
Gebet. Der Papst hatte sie in die in die italienische Stadt
Assisi eingeladen um sich im Geist gegenseitiger Wertschätzung
und des Friedens zu treffen. "Entweder lernen wir, gemeinsam
in Frieden und Harmonie zu leben, oder wir entfernen und
voneinander und ruinieren uns und die anderen." Für viele
Christen evangelischer Kirchen waren diese Aktivitäten des
Papste jedoch schwierig einzuschätzen. Wurden die evangelischen
christlichen Kirchen auf die Ebene von Hinduisten, Buddhisten und
Moslems gestellt? So wurde das Wort "Ökumene" zum Streitwort und zum Teil
als Zeichen der Orientierungslosigkeit des Papstes und der katholischen
Kirche in Bezug auf ein originäres neutestamentlich-evangelisch
geprägtes Christentum gewertet.
In der französischen Stadt Taize hatte sich Mitte des 20.
Jahrhunderts eine klösterliche Gemeinschaft etabliert, die
jährlich Tausende von Besuchern anzog. Die Gemeinschaft war
gegründet von Bruder Roger (1915-...), einem schweizer
Mönch, der sich in Frankreich nach dem 2. Weltkrieg niedergelassen
hatte. Seine Gemeinschaft war ein offenes Zentrum der Ökumene.
Die Brüder erklärten die Bibel und beteten gemeinsam und mit
den Gästen. Einfache Gesänge wurden zum Markenzeichen der
Gemeinschaft, in welche alle einstimmen konnten. Papst Johannes
XXIII. bezeichnete Taize als "kleinen Frühling der Kirche".
Roland Potthast für das Evangeliumsnetz.
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