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Soziale Aktivitäten und charismatische Persönlichkeiten (Teil 1)
In ihrem sozialen Engagement unabhängig von Volkszugehörigkeit, Geschlecht oder Rasse sind die christlichen Kirchen im 20. Jahrhundert zu einer unangefochtenen Authorität geworden. Soziale Aktivität ist in der Geschichte des christlichen Glaubens schon immer ein Markenzeichen von engagierten Christen gewesen - von der Arbeit der jungen Mönchsorden über die verschiedenen missionarischen Werke bis hin zum Wirken moderner Hilfswerke und Diakonie-Organisationen.
 
Soziale Fragen sind in den christlichen Kirchen und Gemeinschaften durchaus kontrovers diskutiert worden, etwa die Abschaffung der Sklaverei oder die Lebensperspektive der Arbeiter während der industriellen Revolution. Das Gebot Jesu, den "Nächsten wie sich selbst zu lieben" hat aber auch liberale und konservative Christen zusammengebracht. Nicht wenige Christen wie Oscar Romero haben ihr Leben verloren bei dem Versuch, die Lebensverhältnisse der Nächsten zu verbessern. Oft wurde allerdings über die Schwerpunkte der Hilfsaktivitäten kontrovers diskutiert. Sollte den Menschen zunächst das Evangelium Jesu gebracht werden, um die geistliche Basis für eine gesunde Gesellschaft zu schaffen? Oder muß zuerst praktisch geholfen werden und das Evangelium äußert sich (nur?) in dieser praktischen Hilfe? Es gehört zu den Schlüsselerlebnissen vieler Missionare, daß der christliche Glaube ohne die praktische Hilfe tot (vgl. Jakobus-Brief) und nicht vermittelbar ist.
 
Im Rahmen der Bevölkerungsexplosion fand sich die christliche Gemeinschaft weltweit vor enorme Herausforderungen gestellt. Armut, Krankheiten und wirtschaftliche Probleme sind in vielen Ländern der Erde bis heute beherrschendes Thema. So entsteht für jede Form christlicher Arbeit die Notwendigkeit, praktisch zu helfen. Die Nachhaltigkeit der Hilfe wird dabei schnell zu einem zentralen Thema - wie mündet das Wirken christlicher Organisation in langfristig stabile Entwicklungen der jeweiligen Gesellschaft. Die internationale Kooperation und Abstimmung wurde so für viele christliche Werke zu einem wichtigen Thema.
 
Christlicher Glaube und Politik war im Europa und Amerika der Nachkriegszeit ein wesentliches Thema, wenn es auch wenig offen diskutiert und als eigenständige Frage wahrgenommen wurde. In Amerika verteilten sich die Christen über alle politischen Parteien, und ähnliches ist in Europa zu beobachten. Hier entstand jedoch mit den christlich-demokratischen Parteien eine Bewegung, die nachhaltig christliche Elemente in das politische Leben einführte. Ihre wesentlichen Ziele waren es, die Gesellschaft so zu strukturieren, daß die Individuen, Familien und Gemeinschaften gegen Krieg und den Mißbrauch von Staatsmacht geschützt wurden und sich Freiheit bei maximalem Schutz vor ungehemmtem Kapitalismus entwickeln konnte. Soziale Systeme entstanden, welche den Einzelnen umfassend versorgten mit Kranken-, Arbeitslosen- und Rentenversicherung. Kritiker bemerken, daß die "christliche" Ausrichtung dieser Parteien schnell allgemeinem Konservatismus und manchmal einer Wirtschaftsorientierung gewichen ist und daß Christen in allen politischen Parteien, insbesondere auch in den sozialistischen Bewegungen, engagiert sind. Doch es bleibt festzuhalten, daß es den Christen der Nachkriegszeit gelang, wichtige Elemente ihres Glaubens in die politischen Strukturen und Entwicklungen einfließen zu lassen.
 
Immer ist der christliche Glaube mit besonders charistmatischen Einzelpersönlichkeiten identifiziert worden. Toyohiko Kagawa war ein japanischer Christ, der für seinen Glauben sehr bekannt wurde. Er bekehrte sich im Jugendalter zu Jesus Christus, woraufhin ihn seine Familie verstieß. Nach dem Besuch eines presbyteriansichen Colleges in Tokyo für drei Jahre widmete er sich der Arbeit unter den Armen in Japan. Für 14 Jahre lebte er in den Slums von Kobe, prangerte soziale Mißstände an und organisierte Gewerkschaften für Arbeiter und Bauern. Er war der Ansicht, der christliche Glaube sollte jeden Aspekt des Lebens verändern: "Das Christentum sollte Veränderung bringen für die Art, wie du dein Messer und deine Gabel hälst."
 
Mutter Teresa (1910-1997) war von albanischen Eltern in der Republik von Makedonien geboren worden als Agnes Gonxha Bojaxhiu. Sie trat dem Orden "Our Lady of Loreto" in Irland bei und wurde von diesem nach Indien gesandt, um dort zu lehren und diakonisch tätig zu sein. Eines Tages während einer Zugfahrt hörte sie die Stimme Gottes, ihr Leben den Armen zu widmen. So begann sie, sich um die Kranken und Vernachlässigten zu kümmern. In Calcutta entwickelte sich so eine Gemeinschaft von hingegebenen Missionaren, die weltberühmt werden sollte. Sie gründete eine neue Gemeinschaft, die "Gesandten der Barmherzigkeit" (Missionaries of Charity), welche schnell wuchs. "Wenn ein armer Mensch stirbt, möchte ich ihn in den Armen eines Menschen wissen, der ihn liebt. Ich möchte daß er jemandem in die Augen sehen kann, der für ihn da ist." (Mutter Teresa).
 
Roland Potthast für das Evangeliumsnetz. [Feedback per Email]



 

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