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Soziale Aktivitäten und charismatische Persönlichkeiten (Teil 2)
In 1967 erschien eine Enzyklika des Papstes, in der er die entwickelten Staaten zur Hilfe für die Armen, insbesondere die weniger entwickelten Staaten des Südens, drängte. Er wandte sich auch gegen Strukturen, welche Unterdrückung zementieren und den armen Staaten keine Chance lassen. Im Jahr 1968 erklärten die lateinamerikanischen Bischöfe die Armen zu ihrer ersten Priorität. So wollten sie die Aufmerksamkeit der Welt auf eine Gruppe lenken, die wuchs und doch immer mehr an den Rand gedrängt wurde. Nicht wenige Christen wurden inspiriert, gegen die Armut und Unterentwicklung vorzugehen. Getröstet wurden die Streiter für die Armen durch die Geschichte des Volkes Israel, welches so viele Schwierigkeiten durchzustehen hatten, bevor sie das versprochene Land betreten konnten.
 
Als ein Zweig christlichen Denkens etablierte sich die Befreiungstheologie (Liberation Theology). Theologen ermutigten die Armen, selbst zu handeln. Sie verkündeten Gottes befreiendes Wirken in der Weltgeschichte in einer sozial-politischen Auslegung. Manchmal wurde dabei sogar die Gewalt als Mittel zum (sozialen) Frieden nicht ausgeschlossen oder explizit gefordert. 1971 erschien die einflußreiche Arbeit "A Theology of Liberation" des peruanischen Priesters Gustavo Gutierrez. "Ohne Gerechtigkeit und Recht wird das Reich Gottes nicht verwirklicht werden ..." schrieb Leonardo Boff, brasizilianischer Befreiungstheologe. Überall in Latein Amerika entstanden Gemeinschaften, wo die Armen sich gegenseitig halfen. Kritiker der Bewegung argumentierten, sie sei mehr vom Marxismus als von der Bibel beeinflußt. Insbesondere das starke Engagment von Priestern bei politischen Reformen war vielen konservativen Kräften der katholischen Kirche unerwünscht. Papst Johannes Paul II begegnete den Reformkräften vorsichtig und wandte sich gegen die marxistischen Elemente ihrer Theologie, doch er unterstützte vehement das Ziel, den Armen eine Chance zu geben.
 
Papst Johannes Paul II besuchte sein Heimatland Polen zu verschiedenen Gelegenheiten und unterstützte so die dortige Opposition. Auf diese Weise trug er deutlich zum politischen Umbruch und zur überwindung der sozialistischen Diktatur in Polen bei.
 
In den USA war Martin Luther King (1929-1968) eine der herausragendsten Persönlichkeiten. Er führte die Menschenrechtsbewegung in ihrem Kampf für die Überwindung der Rassendiskriminierung in den USA und darüber hinaus. Luthers Botschaft positionierte sich auf dem Hintergrund von Pazifismus, Idealismus und Gerechtigkeit - mit Quellen in der Bibel ebenso wie bei Mahatma Gandi. Martin Luther King war Sohn eines Pastors, studierte am Morehouse College, Crozer Theological Seminary und der University of Bosten. Er wurde 1954 Pastor der Drexler Avenue Baptist Church in Montgomery, Alabama. Sein Weg als Reformer nahm seinen Anfang mit dem Bus Boykott in den Jahren 1955 und 1956, durch den die Rassentrennung im Transportsystem der Stadt überwunden wurde. Bis dahin hatten Schwarze ihre Sitze Weißen überlassen müssen.
 
King war 1957 unter den Gründern der Southern Christian Leadership Conference und wurde bald zu einem Symbol der Menschenrechtsbewegung. Er spielte eine zentrale Rolle bei dem Marsch auf Washington 1963, wo er die bekannte Rede "I have a dream" hielt. Im Jahr 1964 erhielt er den Friedensnobelpreis für seine umfangreichen Aktivitäten, die Rassentrennung in Amerika zu überwinden. Im Jahr 1968 wurde Martin Luther King von einem Gegner seiner Ideen in Memphis, Tennesee, erschossen.
 
Eine Fülle sozialer Aktivitäten prägte die Kirche des 20. Jahrhunderts. In verschiedenen Staaten entstanden Organisationen für die Betreuung von Gefangenen, so etwa die "Chuck Colson's Prison Fellowship", die Gefangenen rund um die Welt die befreiende Botschaft Jesu bringen und als Ansprechpartner dienen wollen. Der Schutz jener, die noch nicht für sich selbst sprechen können, hat zu Bewegungen für den Schutz des ungeborenen Lebens geführt, etwa zur "Pro-Life" Bewegung in den USA.
 
Herausragende Beispiele für christliche Standhaftigkeit wurden etwa durch Jaime Cardinal Sin und Laszlo Tokes gegeben. Cardinal Sin war Erzbischof von Manila und wandte sich gegen die korrupten Regime von Ferdinand Marcos und Fidel Ramos auf den Philippinen der 80er Jahre. Laszlo Tokes war ein protestantischer Pastor in Timisoara, Rumänien, der während der brutalen Herrschaft des Diktator s Ceaucescu das Evangelium von Jesus predigte. Im Jahr 1989, als die Geheimpolizei Tokes festnehmen wollte, gingen tausende zu seiner Unterstützung auf die Straßen.
 
Roland Potthast für das Evangeliumsnetz. [Feedback per Email]



 

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