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Billy Graham und die neuen Evangelikalen ab 1947
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Das Wort "evangelikal" ist ebenso wie die eher deutsche
Form "evangelisch" vom griechischen Wort "euangelion"
(lateinisiert "evangelium") abgeleitet und bedeutet
"gute Nachrichten". Die weltweite evangelikale
Bewegung des 20. Jahrhunderts wird gekennzeichnet
durch eine Betonung des Bibelstudiums, missionarischer
Aktivitäten und der Konzentration auf zentrale Lehren
des christlichen Glaubens.
Die Bewegung nimmt
klassisch-orthodoxe Positionen in Bezug auf die Person
Jesu Christi ein und bekennt ihn als Sohn Gottes und
Heiland bzw. Erlöser. Die Bibel wird als inspiriertes
Wort Gottes verstanden, die Macht und Möglichkeiten
Gottes in und über seine Schöpfung werden herausgestellt
und das Wiederkommen Jesu wird wie im neuen Testament
angekündigt erwartet. Evangelikale Christen gibt es in
vielen Kirchen, so in Form der "landeskirchlichen
Gemeinschaft/Stadtmissionen" in den deutschen lutherischen und
reformierten Kirchen. In der Regel sehen sich die
Evangelikalen berufen, der Welt das Evangelium von
Jesus Christus zu predigen und die Botschaft seiner
Erlösung bekannt zu machen.
Manchmal wird die evangelikale Bewegung als Teil
des modernen Protestantismus gesehen, der sich aus
den Erweckungen des 17. und 18. Jahrhunderts entwickelt
hat. Doch in gewissem Sinne sind die Evangelikalen
Teil der alten Traditionen der großen Kirchen. Die
Rückbesinnung auf die Bibel und die Kraft der dort
geschriebenen Worte ist zentrales Moment der
Kirchengeschichte, von den apostolischen Vätern
über die klösterlichen und mittelalterlichen
Reformbewegungen bis hin zur Reformation und den
großen Erweckungen des 19. Jahrhunderts.
Im frühen 20. Jahrhundert gerieten die Evangelikalen
in manchen Punkten in die Defensive. Die moderne
Wissenschaft bereitete nicht geringe Herausforderungen,
Skeptizismus und Zynismus führten teils zu offener
Feindschaft zwischen evangelikalen und liberalen
Theologen. Die liberale Theologie und der Fundamentalismus
(siehe amerikanische Bewegungen) polarisierten die
evangelisch-protestantischen Kirchen.
Nach dem 2. Weltkrieg entwickelte sich die moderne
evangelikale Bewegung in England, Deutschland und
vor allem in den USA rasant. Die amerikanischen
Evangelikalen gründeten eine Reihe einflußreicher
Organisationen, so etwa die "National Association
of Evangelicals", die "National Evangelical
Anglican Congress" und die "Conference of Confessing
Fellowship", ferner das "Fuller Theological Seminary"
im Jahr 1947 und die Zeitschrift "Christianity Today"
im Jahr 1956.
Der erste President des
Gordon-Conwell Theological Seminary, Harold J. Ockenga,
formte 1947 den Begriff "die neuen Evangelikalen", um
die Vitalität und Jugendlichkeit der Bewegung zu
kennzeichnen. Theologen unterschieden die Evangelikalen
von den Fundamentalisten indem sie auf den engen
Horizont und die anti-intellektuelle Stimmung der
Fundamentalisten hinwiesen, die nicht mit dem alten
und neuen Testament in Einklang zu bringen sei. Die
Evangelikalen sind in der Regel offen für ökumenische
Gemeinschaft mit anderen Christen, wobei sie ihren
biblisch orientierten Überzeugungen treu bleiben.
Seit dem zweiten Weltkrieg sind eine Fülle von Organisationen
und Aktivitäten mit evangelikalem Hintergrund
entstanden und haben die weltweite Christenheit
geprägt. In Afrika wird heute bis zu einem Drittel der
Bevölkerung zu den charismatischen und evangelikalen
Gruppen gerechnet, wenn auch die Durchmischung mit
anderen religiösen Elementen in vielem stark bleibt.
Kein Einzelner hat die evangelikale Bewegung mehr
geprägt und beeinflußt als Billy Graham. Im
Jahr 1949 veranstaltete er eine Reihe von Zeltveranstaltungen,
die ein großes Presse-Echo fanden und von großen
Teilnehmerzahlen geprägt waren. So wurde Billy Graham
schnell eine der bekanntesten Persönlichkeiten der
Erde. Im Jahr 1997 hatte er zu über 210 Millionen
Menschen in 185 Ländern gesprochen - und hunderte
von Millionen per Fernsehen und Radio erreicht.
In Afrika wurden der Bischof Festo Kivengere aus
Uganda und der südafrikanische Evangelist Michael Cassidy
Symbole der Bewegung. Sie gründeten die "African Enterprise",
die erste original afrikanische Missionsgesellschaft, welche
sich zum Ziel setzte, die Städte Afrikas mit dem Wort Gottes
und der helfenden Tat zu erreichen. In England setzte sich
John Stott intensiv mit unterschiedlichen Bewegungen
auseinander und wurde Symbol des Dialoges von evangelikalem
Glauben und säkularen Bewegungen auf intellektueller Basis.
Der Evangelist Luis Palau predigte zu Hunderttausenden
von spanisch-sprechenden Menschen - so nahmen über 500.000
Menschen bei einer Evangelisation in Guatemala Stadt im
Jahr 1982 teil. Im Jahr 1974 und 1989 gab es große
Konferenzen über Welt-Evangelisation, die erste in Lausann
in der Schweiz, die zweite in Manila. Die Konferenzen hatten
tausende von Teilnehmern aus über 150 Ländern und symbolisierten
die vitale Kraft des Evangeliums und der an ihm orientierten
Bewegungen der Christenheit.
Roland Potthast für das Evangeliumsnetz.
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