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07.09. Billy Graham und die neuen Evangelikalen ab 1947

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Billy Graham und die neuen Evangelikalen ab 1947
Das Wort "evangelikal" ist ebenso wie die eher deutsche Form "evangelisch" vom griechischen Wort "euangelion" (lateinisiert "evangelium") abgeleitet und bedeutet "gute Nachrichten". Die weltweite evangelikale Bewegung des 20. Jahrhunderts wird gekennzeichnet durch eine Betonung des Bibelstudiums, missionarischer Aktivitäten und der Konzentration auf zentrale Lehren des christlichen Glaubens.
 
Die Bewegung nimmt klassisch-orthodoxe Positionen in Bezug auf die Person Jesu Christi ein und bekennt ihn als Sohn Gottes und Heiland bzw. Erlöser. Die Bibel wird als inspiriertes Wort Gottes verstanden, die Macht und Möglichkeiten Gottes in und über seine Schöpfung werden herausgestellt und das Wiederkommen Jesu wird wie im neuen Testament angekündigt erwartet. Evangelikale Christen gibt es in vielen Kirchen, so in Form der "landeskirchlichen Gemeinschaft/Stadtmissionen" in den deutschen lutherischen und reformierten Kirchen. In der Regel sehen sich die Evangelikalen berufen, der Welt das Evangelium von Jesus Christus zu predigen und die Botschaft seiner Erlösung bekannt zu machen.
 
Manchmal wird die evangelikale Bewegung als Teil des modernen Protestantismus gesehen, der sich aus den Erweckungen des 17. und 18. Jahrhunderts entwickelt hat. Doch in gewissem Sinne sind die Evangelikalen Teil der alten Traditionen der großen Kirchen. Die Rückbesinnung auf die Bibel und die Kraft der dort geschriebenen Worte ist zentrales Moment der Kirchengeschichte, von den apostolischen Vätern über die klösterlichen und mittelalterlichen Reformbewegungen bis hin zur Reformation und den großen Erweckungen des 19. Jahrhunderts.
 
Im frühen 20. Jahrhundert gerieten die Evangelikalen in manchen Punkten in die Defensive. Die moderne Wissenschaft bereitete nicht geringe Herausforderungen, Skeptizismus und Zynismus führten teils zu offener Feindschaft zwischen evangelikalen und liberalen Theologen. Die liberale Theologie und der Fundamentalismus (siehe amerikanische Bewegungen) polarisierten die evangelisch-protestantischen Kirchen.
 
Nach dem 2. Weltkrieg entwickelte sich die moderne evangelikale Bewegung in England, Deutschland und vor allem in den USA rasant. Die amerikanischen Evangelikalen gründeten eine Reihe einflußreicher Organisationen, so etwa die "National Association of Evangelicals", die "National Evangelical Anglican Congress" und die "Conference of Confessing Fellowship", ferner das "Fuller Theological Seminary" im Jahr 1947 und die Zeitschrift "Christianity Today" im Jahr 1956.
 
Der erste President des Gordon-Conwell Theological Seminary, Harold J. Ockenga, formte 1947 den Begriff "die neuen Evangelikalen", um die Vitalität und Jugendlichkeit der Bewegung zu kennzeichnen. Theologen unterschieden die Evangelikalen von den Fundamentalisten indem sie auf den engen Horizont und die anti-intellektuelle Stimmung der Fundamentalisten hinwiesen, die nicht mit dem alten und neuen Testament in Einklang zu bringen sei. Die Evangelikalen sind in der Regel offen für ökumenische Gemeinschaft mit anderen Christen, wobei sie ihren biblisch orientierten Überzeugungen treu bleiben. Seit dem zweiten Weltkrieg sind eine Fülle von Organisationen und Aktivitäten mit evangelikalem Hintergrund entstanden und haben die weltweite Christenheit geprägt. In Afrika wird heute bis zu einem Drittel der Bevölkerung zu den charismatischen und evangelikalen Gruppen gerechnet, wenn auch die Durchmischung mit anderen religiösen Elementen in vielem stark bleibt.
 
Kein Einzelner hat die evangelikale Bewegung mehr geprägt und beeinflußt als Billy Graham. Im Jahr 1949 veranstaltete er eine Reihe von Zeltveranstaltungen, die ein großes Presse-Echo fanden und von großen Teilnehmerzahlen geprägt waren. So wurde Billy Graham schnell eine der bekanntesten Persönlichkeiten der Erde. Im Jahr 1997 hatte er zu über 210 Millionen Menschen in 185 Ländern gesprochen - und hunderte von Millionen per Fernsehen und Radio erreicht.
 
In Afrika wurden der Bischof Festo Kivengere aus Uganda und der südafrikanische Evangelist Michael Cassidy Symbole der Bewegung. Sie gründeten die "African Enterprise", die erste original afrikanische Missionsgesellschaft, welche sich zum Ziel setzte, die Städte Afrikas mit dem Wort Gottes und der helfenden Tat zu erreichen. In England setzte sich John Stott intensiv mit unterschiedlichen Bewegungen auseinander und wurde Symbol des Dialoges von evangelikalem Glauben und säkularen Bewegungen auf intellektueller Basis. Der Evangelist Luis Palau predigte zu Hunderttausenden von spanisch-sprechenden Menschen - so nahmen über 500.000 Menschen bei einer Evangelisation in Guatemala Stadt im Jahr 1982 teil. Im Jahr 1974 und 1989 gab es große Konferenzen über Welt-Evangelisation, die erste in Lausann in der Schweiz, die zweite in Manila. Die Konferenzen hatten tausende von Teilnehmern aus über 150 Ländern und symbolisierten die vitale Kraft des Evangeliums und der an ihm orientierten Bewegungen der Christenheit.
 
Roland Potthast für das Evangeliumsnetz. [Feedback per Email]



 

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