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Die charismatische Bewegung
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Die ursprünge der modernen charismatischen Bewegung
liegen in der Pfingstbewegung Anfang des 20. Jahrhunderts.
Deren Wurzeln wiederum reichen in die Heiligungsbewegungen
des 19. Jahrhunderts hinein. Um 1907 erfuhren kleine
Gruppen von Christen in den USA in neuer und besonderer Weise
die im neuen Testament beschriebenen "Gaben des heiligen Geistes"
(Charismen). Dazu gehört das Reden in fremden Sprachen
(Zungenrede), Prophetie und Heilung. Nachdem die Bewegung
zunächst von den größeren Konfessionen ausgegrenzt
wurden, bildete sie ihre eigenen Kirchen und wuchsen
schnell.
Seit etwa 1960 machten auch viele Christen der
großen Konfessionen charismatische Erfahrungen ähnlicher
Art wie die der Pfingstbewegung und so entstand eine
weit breitere "charismatische Bewegung", die alle
großen Kirchen erfaßte. Ein charakteristisches Element
der charismatischen Bewegung ist die Betonung von
enthusiastischer hingegebener und oft spontaner
Anbetung und Lobpreis. Die Ausübung der Geistesgaben
wird als sehr wichtig angesehen. Ferner sind die
Charismatiker bekannt für ihre konsequente biblisch
orientierte Moral, die weitgehende Verbreitung des
Evangeliums und eine ganzheitliche Jüngerschaft.
Das stärkste Wachstum der Bewegung begann nach dem
2. Weltkrieg. Im Jahr 1947 wurde die erste Weltkonferenz
der Pfingsbewegung in Zürich in der Schweiz abgehalten.
Im Jahr 1948 wurde die "Full Gospel Business Men"
Organisation gegründet, welche zur Anerkennung
der Bewegung in den USA beitrug.
Leiter von Gemeinden aus lutherischem Hintergrund,
Baptisten, Presbyterianer, Anglikaner und Mennoniten
führten in um 1960/70 charismatische Elemente in
ihre Gemeinden ein. Heute sind die Charismatiker (inklusive
der Pfingstler) eine der
größten Gruppen innerhalb der protestantischen
Kirchen. Darüber hinaus bezeichnen sich über 50
Millionen Katholiken als "charismatische Gläubige"
der katholischen "charismatischen Erneuerung".
In den evangelischen Kirchen Deutschlands sind die
Charismatiker in der "Geistlichen Gemeindeerneuerung"
(GGE) engagiert.
Die charismatische Bewegung ist in Lateinamerika
besonders erfolgreich gewesen. Hier zählen
75-80% der Evangelikalen zu den Charismatikern/Pfingstlern.
Charismatische Gemeinden florieren in Afrika, Asien und auch in Europa
einschließlich der ehemaligen Soviet Union. Kirchen
der charismatischen Bewegung sind u.a. die "Pentacostal
Holiness Church", die "Church of God in Christ", die
"Assemblies of God", die "International Church of the
Foursquare Gospel", die "Open Bible Standard Church", die
"Elim", "Ichthus" und "Apostolic Churches" und die
"Church of God". Viele charismatische Gemeinden sind
jedoch unabhängig von speziellen Gemeindebünden und
verstehen sich einfach als christliche Gemeinde charismatischer
Ausprägung.
Das ganze Ausmaß der charismatischen Bewegung wurde
etwa auf der Missionskonferenz 1991 in Brighton, England,
deutlich. Die Konferenz berichtete von rund 390 Millionen
charimatischen Christen in über 100 Nationen. Bis
zum Jahr 1998 hatte die Bewegung etwa 500 Millionen
Teilnehmer und war der am schnellsten wachsende Teil
der weltweiten Christenheit. Charismatische Kirchen sind
heute so stark in den Entwicklungsländern, daß sich die
Missionssituation verändert. Heute senden die Länder
Afrikas, Asiens und Lateinamerikas Missionare nach
Europa, um den Menschen das Evangelium von Jesus zu
erklären.
Rein äußerlich werden charismatische Christen oft durch
die Gebetshaltung mit erhobenen Händen charakterisiert,
die sich an einer Reihe alttestamentlicher Traditionen
orientiert. Den Charismatikern geht es jedoch zuerst um
die geistliche Erneuerung des Menschen durch den Geist
Gottes, der in Geist und Herz eines sich für die Herrschaft
Jesu Christ öffnenden Menschen Wohnung nimmt
und ihn zum Glauben an Jesus und zur Jüngerschaft befähigt. Es
geht ferner darum, den Geist Gottes als lebendige und
tägliche Kraft zu erfahren, die den Menschen tröstet und
ausrüstet.
Roland Potthast für das Evangeliumsnetz.
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