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Die Welt-Christenheit zum Jahrtausendwechsel I
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Zum Beginn des dritten Jahrtausends sind die
christlichen Kirchen und einzelnen Christen vor
viele Herausforderungen und gleichzeitig vielfältige
Möglichkeiten gestellt.
Auf der einen Seite wachsen
die christlichen Kirchen auf globaler Ebene weiterhin
beträchtlich. Mehr als ein Drittel der Weltbevölkerung
ist "christlich" bzw. Mitglied einer christlichen
Kirche. Rundfunk und Zeitschriftenwesen bringen die
christliche Botschaft bis in die abgelegendsten
Teile der Erde. Nicht wenige soziale und spirituelle
Dienste und Werke blühen. Die Bibel ist in eine
Vielzahl von Sprachen übersetzt und jährlich kommen
weitere der über 2000 bekannten Sprachen hinzu, Millionen
von Exemplaren des neuen Testaments sind auf der
Erde verbreitet.
Doch viele "Christen" sind "biblische Analphabeten".
Sie haben wenn überhaupt nur ein sehr grobes
Verständnis der Wurzeln ihres Glaubens und der
zentralen Inhalte. Aktive Jüngerschaft in enger
Gemeinschaft mit dem auferstandenen Jesus durch den
heiligen Geist - das neutestamentliche Verständnis von
Christentum - leben nur ein Teil der weltweiten
Christen.
Auf der anderen Seite blühen verschiedenste Gruppen
und Bewegungen mit extremen Lehrmeinungen über die
Inhalte des christlichen Glaubens. Die Zerrissenheit
der christlichen Kirchen bringt Schwierigkeiten
für die Mitglieder selbst und macht es vielen Menschen
schwer, die erlösende Botschaft von Jesus zu glauben.
Zu wenig spiegeln die "Christen" diese Botschaft in
ihrem Verhalten wieder.
Die Wachstumsrate der Kirchen ist auch sehr ungleich
verteilt. In Afrika, Teile Latein Amerikas
und Asiens wächst die Zahl der an Jesus glaubenden
Menschen in einer erstaunlichen Weise. Doch in Europa,
der einstigen Bastion des christlichen Glaubens,
vollzieht sich eine ganz andere Entwicklung.
Europa. Obwohl die Mehrzahl der Europäer sich
"Christen" nennen, sank der Kirchenbesuch in der
zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts dramatisch. Heute
geht nicht mehr als ein Zehntel der Bevölkerung
regelmäßig zur Kirche. Die Lehren der Kirchen über
moralische Fragen werden in vielen Dingen hinterfragt
und in der Praxis umgangen, so zu Themen wie Heirat
und Scheidung, Homosexualität, künstliche Geburtenkontrolle
und Euthanasie. Immigration aus muslimisch bzw. nicht-christlich
geprägten Ländern wie der Türkei (Deutschland), Nordafrika (Frankreich)
oder Indien (England)
hat die Verteilung der religiösen Überzeugungen
stark verändert. Bei der im Jahr 2003 verabschiedeten
Verfassung Europas werden die christlichen Wurzeln
des Kontinents nicht erwähnt.
Russland. Im Konstrast zur Entwicklung in
Europa hat de christliche Glaube nach dem Fall des
Kommunismus in Russland eine bemerkenswerte
Wiedergeburt erlebt. Im Jahr 1989 versprach
Mikhail Gorbachev dem Papst Johannes Paul II, die
Verfolgung der Christen in Russland zu beenden. Im
Jahr 1990 wurde ein Gesetz verabschiedet, das den
christlichen Gemeinden ihr Eigentum wieder zusprach.
Millionen von Bibeln wurden in der ehemaligen
Sovietunion verteilt, und verschiedenste christliche
Werke verbreiten das Evangelium in Russland.
Gegen diese Entwicklungen arbeitete allerdings die
orthodoxe Kirche, die ihr im 20. Jahrhundert entstandenes
Monopol auf den christlichen Glauben gefährdet sah.
So kam es im Jahr 2003 zu einem Bruch mit dem
Vatikan, der kurz zuvor fünf katholische Diözesen
in Russland wieder eingerichtet hatte.
USA. Die meisten Amerikaner proklamieren
den christlichen Glauben als den ihren. Über 40%
der Amerikaner besuchen Sonntags einen christlichen
Gottesdienst.
Doch es gibt
eine Reihe von weitreichenden Auseinandersetzungen.
Eine Katastrophe für die katholische
Kirche war der Mißbrauch von Kindern durch paedophile
Priester, der 2002/2003 aufgedeckt wurde.
Christen streiten sich über die Todesstrafe. Das
öffentliche Leben verbietet durch die staatlich
festgesetzte Trennung von Staat und Religion den
Unterricht im christlichen Glauben. Doch trotz all
dieser Schwierigkeiten bleibt die christlichen Kirche
in Amerika vital und aktiv.
Die Christen in den USA
sind weiterhin die mit Abstand größte Geldquelle für
evangelistische und diakonische Dienste rund um den
ganzen Globus. Bekannte Organisationen sind die
Männerbewegung der "Promise Keepers", die
"Athletes in Action", die Jugend-Evangelisationsbewegung
"Youth with a Mission" (Jugend mit einer Mission),
"Focus on the Family", das Hilfswerk "World Vision"
und unzählige weitere. Unzählige kleine Kirchen versuchen,
das christliche Leben in die Tat umzusetzen und das
Gemeindeleben attraktiv und ansprechend zu gestalten.
Erweckung in den eigenen Reihen ist beständiges Thema
und unzählige Programme und Aktionen finden Sommer
wie Winter statt. Kulturell ist es in den USA üblich,
auch über Glaubensfragen zu reden und so ist es
dem Einzelnen leichter als im verweltlichten Europa,
mit Bekannten, Familie und Freunden über den
christlichen Glauben an Jesus ins Gespräch zu kommen.
Roland Potthast für das Evangeliumsnetz.
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