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Die Geheimnisse Gottes verstehen
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Die Evangelien, die vier ersten Bücher des neuen Testaments, des
zweiten Teiles der Bibel erzählen von Jesu Leben. Hier sind
Ereignisse berichtet, es sind aber auch viele Worte
und Reden Jesu wiedergegeben. Wir
wollen uns auf den Weg machen in den kommenden Tagen und
Wochen in diesen Reden Jesu zu stöbern und zu versuchen,
seine Worte mit ihrer Bedeutung für unser Leben heute
zu verstehen.
Heute geht es um die Geheimnisse Gottes. Wir lesen ein Gleichnis Jesu,
hören eine sehr weitgehende und allgemeine Aussage von ihm zu
Gleichnissen und ihrer Rolle und hören uns dann eine Auslegung
eines Gleichnisses an. Los gehts ...
"Als nun eine große Menge beieinander war und sie aus den Städten zu ihm eilten, redete er in
einem Gleichnis: 5 Es ging ein Sämann aus, zu säen seinen Samen. Und indem er säte, fiel
einiges auf den Weg und wurde zertreten, und die Vögel unter dem Himmel fraßen's auf.
6 Und einiges fiel auf den Fels; und als es aufging, verdorrte es, weil es keine Feuchtigkeit hatte.
7 Und einiges fiel mitten unter die Dornen; und die Dornen gingen mit auf und erstickten's.
8 Und einiges fiel auf gutes Land; und es ging auf und trug hundertfach Frucht. Als er das
sagte, rief er: Wer Ohren hat zu hören, der höre!
9 Es fragten ihn aber seine Jünger, was dies Gleichnis bedeute. 10 Er aber sprach: Euch ist's gegeben,
die Geheimnisse des Reiches Gottes zu verstehen, den andern aber in Gleichnissen, damit sie es nicht
sehen, auch wenn sie es sehen, und nicht verstehen, auch wenn sie es hören.
11 Das Gleichnis aber bedeutet dies: Der Same ist das Wort Gottes. 12 Die aber auf dem Weg, das
sind die, die es hören; danach kommt der Teufel und nimmt das Wort aus ihrem Herzen, damit sie
nicht glauben und selig werden. 13 Die aber auf dem Fels sind die: wenn sie es hören, nehmen
sie das Wort mit Freuden an. Doch sie haben keine Wurzel; eine Zeitlang glauben sie, und zu der
Zeit der Anfechtung fallen sie ab. 14 Was aber unter die Dornen fiel, sind die, die es hören
und gehen hin und ersticken unter den Sorgen, dem Reichtum und den Freuden des Lebens und
bringen keine Frucht. 15 Das aber auf dem guten Land sind die, die das Wort hören und behalten
in einem feinen, guten Herzen und bringen Frucht in Geduld.
(Lukas 8, 4ff)
Jesus erzählt hier zuerst von dem Sämann, der doch recht großzügig seinen Samen verteilt.
Da fällt Samen an die unterschiedlichsten Stellen, und nur an wenigen Stellen geht der
Same auf. Anderes wird zertreten, gefressen oder verdorrt mangels Feuchtigkeit oder wird
von den Dornen erstickt. Man fragt sich da schon, was genau Jesus denn mit diesen Dingen
meint. Das fragen die Jünger dann ja auch unmittelbar.
Jesu Antwort auf die Frage nach der Bedeutung seiner Worte ist verblüffend. Die Jünger
dürfen ihn verstehen - und mit ihm die "Geheimnisse des Reiches Gottes". Doch "die anderen"
dürfen nicht verstehen - es wird ganz gezielt in Gleichnissen und Bildern erzählt, damit
sie zwar hören, aber doch nicht verstehen.
In nicht wenigen Jahrhunderten unserer Geschichte gab es Geheimlehren, welche dem Menschen
Vorteile oder wahres Leben bringen sollten, und die nur von besonders eingeweihten Meistern
an ihre ausgewählten Schüler weitergegeben wurden. Ist damit das Evangelium und die Einsicht
in das Reich Gottes solch eine Geheimlehre. Das ist sicherlich nicht der Fall. Das Evangelium
von Jesus, der Menschen neu in ein kindliches Verhältnis zu Gott bringt, ist offen zugänglich
und für jeden Menschen ohne Schranken in Bildung, Reichtum oder Wissen erhältlich. Und
doch hat die Einsicht in Gottes Wege Grenzen. Nur die Jüngerschaft bei Jesus führt dazu,
daß wir die "Geheimnisse Gottes" verstehen. Nur wer mit ihm unterwegs ist, mit ihm redet und
mit ihm lebt, der kommt zum Verständnis. Und das, so sagt Jesus hier, ist sein und ist
Gottes Wille. Dann erst legt er das Gleichnis aus vom Samen, der auf vierfachen Boden
fällt.
Roland Potthast für das Evangeliumsnetz.
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