Die Evangelien, die vier ersten Bücher des neuen Testaments, des
zweiten Teiles der Bibel erzählen von Jesu Leben. Hier sind
Ereignisse berichtet, es sind aber auch viele Worte
und Reden Jesu wiedergegeben. Wir
wollen uns auf den Weg machen in den kommenden Tagen und
Wochen in diesen Reden Jesu zu stöbern und zu versuchen,
seine Worte mit ihrer Bedeutung für unser Leben heute
zu verstehen.
Heute begegnet uns ein sehr bekanntes Wort Jesu von der Feindesliebe.
Das Gebot der Feindesliebe (welches ja die Freundesliebe,
Familienliebe, Bekanntenliebe, Chef-Liebe, Angestellten-Liebe,
Geldgeber-Liebe und viele mehr umfaßt) ist eines der tiefliegendsten
und weitreichendsten, die Jesus gesprochen hat. Los gehts ...
"Aber ich sage euch, die ihr zuhört: Liebt eure Feinde; tut wohl denen, die euch hassen;
28 segnet, die euch verfluchen; bittet für die, die euch beleidigen. 29 Und wer dich auf die
eine Backe schlägt, dem biete die andere auch dar; und wer dir den Mantel nimmt, dem verweigere
auch den Rock nicht. 30 Wer dich bittet, dem gib; und wer dir das Deine nimmt, von dem fordere es
nicht zurück. 31 Und wie ihr wollt, daß euch die Leute tun sollen, so tut ihnen auch! 32 Und wenn
ihr die liebt, die euch lieben, welchen Dank habt ihr davon? Denn auch die Sünder lieben ihre
Freunde. 33 Und wenn ihr euren Wohltätern wohltut, welchen Dank habt ihr davon? Denn die Sünder
tun dasselbe auch. 34 Und wenn ihr denen leiht, von denen ihr etwas zu bekommen hofft,
welchen Dank habt ihr davon? Auch die Sünder leihen den Sündern, damit sie das Gleiche bekommen.
35 Vielmehr liebt eure Feinde; tut Gutes und leiht, wo ihr nichts dafür zu bekommen hofft.
So wird euer Lohn groß sein, und ihr werdet Kinder des Allerhöchsten sein; denn er ist gütig
gegen die Undankbaren und Bösen.
(Lukas 6, 27ff)
Lieben Sie IHRE Feinde? Meine erste Reaktion auf solche Worte ist es stets, mich
nach meinen Feinden zu fragen. Dabei komme ich dann weniger auf Menschen, die
mich zerstören wollen aus irgendwelchen Gründen. Solche Beispiele werden hier ja auch
von Jesus nicht gebracht. Es sind eher die kleinen aber um so wirksameren
Demütigungen des Alltags und des Berufs, die mir als "Feindschaft" erscheinen.
"Bittet für die, die euch beleidigen"! Wie viele Verletzungen geschehen willkürlich
oder unwillkürlich im Zusammenleben von Menschen. Dazu braucht man gar nicht
unbedingt in die große Politik zu gehen. Schon in der Schule, der Firma, dem Verein,
der Universität achten und verachten die Menschen einander und fügen sich so
täglich Wunden zu, die bei vielen kaum verheilen und unter einem Panzer von
Ignoranz und stiller oder offener Feindschaft versteckt werden. Gerade hier ist
das Jesus-Wort von der Feindesliebe eine Säule und Herausforderung, die heilen
und verändern kann.
Zum Abschluß soll aber auch der Hintergrund der Feindesliebe Jesu nicht unbeachtet
bleiben. Der Hintergrund dieser Feindesliebe ist die Feindesliebe Gottes, der uns
alle liebt und liebte, als wir noch seine Feinde waren. Gott ist "die Liebe" - ist
Zugewandheit und Diener in einer uns kaum verständlichen weitreichenden Weise. Darum
ist es aus dem tiefsten Herzen Gottes mitten in unseren Alltag hineingesprochen,
was Jesus mir und dir sagt: Liebet eure Feinde!
Roland Potthast für das Evangeliumsnetz.
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