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Die Aufgaben des Hohepriesters (Hebräer 5:1-2)
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Ich vermute, dass viele von uns mit dem Hohepriester nicht so viel anfangen können. Der Titel und
die Aufgabe des Hohepriesters sind uns fremd, weil wir in einer ganz anderen Welt leben. Ich bin
mir als evangelischer Christ nicht sicher, ob man die Rolle des Papstes mit der des Hohepriesters
vergleichen kann. Der Hohepriester war eine spezifisch jüdische Berufung. Die Aufgaben (z.B. das
Opfern der Tiere) des Hohepriesters jedenfalls entziehen sich unserem Verständnis.
Dennoch ist es wichtig, dass wir ein paar Dinge versehen, denn indem wir die Aufgabe und das
Wirken eines Hohepriesters verstehen, verstehen wir auch mehr von Jesus und Seiner Rolle als ewiger
und wahrer Hohepriester. Das deutet jedenfalls der Autor des Hebräerbriefes an. Lesen wir den heutigen
Text und sehen, was dabei herauskommt.
Die Aufgabe eines Hohen Priesters ist es, andere Menschen vor Gott zu vertreten. Er bringt Gott ihre Gaben und die Opfer für ihre Sünden dar. Er ist nachsichtig mit den Menschen, auch wenn sie unwissend sind und vom richtigen Weg abkommen, denn er ist denselben Schwächen unterworfen wie sie.
Hebräer 5:1-2
Nachdem der Autor das Thema des Hohepriesters im vergangenen Kapitel wieder aufgegriffen hat, entwickelt er es nun weiter. Er schildert die Aufgabe des Hohepriesters für das jüdische Volk. Im Alten Testament hat Gott einen Menschen zum Hohepriester berufen. Und ganz wie es hier im ersten Vers geschrieben steht, ist die Aufgabe des Hohepriesters, die Juden vor Gott zu vertreten. Er ist quasi eine Art Mittelsmann. Eine Hauptaufgabe der Priester generell ist das Darbringen von Opfern. Im Alten Testament war es so, dass für begangene Sünden Opfer gebracht werden konnten.
Es gibt Brandopfer, Sündopfer, Dankopfer, Speisopfer und Schwingopfer. Es war so eine Art Freikauf von Schuld durch verschiedene Opfergaben. Der Grund für diese Opferrituale ist recht simpel. Gott hat als Strafe für die Sünde den Tod ausgesprochen. Anstatt aber sofort das Leben der Menschen zu fordern, hat Gott den Priesterkult installiert. Über die Priester durften Tiere stellvertretend für die Menschen geopfert werden. Das bedeutet natürlich, dass die Priester ein besonders heiliges Leben leben sollten. Es gibt einige Anweisungen im Alten Testament, die sich intensiv damit auseinandersetzen, was den Priester erlaubt ist und wie sie sich verhalten sollen.
Die meisten Aussagen über die Priester finden sich im 3. und 4. Buch Mose. Der Hohepriester ist der oberste Priester der Israeliten. Er wird aber vor dem Bau des Tempels nur sporadisch erwähnt. Im Tempel hat das so genannte Allerheiligste eine besondere Bedeutung. Das Allerheiligste war der Raum im Tempel, in dem die Bundeslade stand. Einmal im Jahr kam Gottes Gegenwart in diesen Raum und nur ein Mensch durfte dann in diesem Raum anwesend sein. Das war der Hohepriester. Weil der Hohepriester eine solch wichtige Funktion hat, ist es notwendig, dass er auch ein besonderes Gespür und Mitgefühl für die Menschen hat.
Schließlich tritt er vor Gott für sie ein. Genau das macht der zweite Vers deutlich. Er ist nachsichtig mit den Menschen, weil er genau um die Schwächen der Menschen weiß. Es ist zentral, dass er immer das Wohl der Menschen im Sinn hat und nicht über sie urteilt, auch wenn sie vom richtigen Weg abkommen. Es ist sein Ziel, den Menschen dabei zu helfen, zu Gott zurückzufinden. Und er tritt vor Gott für diese Menschen ein. So hat sich Gott jedenfalls den Hohepriester vorgestellt. Und es ist nicht überraschend, dass der Autor des Briefes diese Vorstellung nimmt und sie auf Jesus anwendet. Aber das wird in den kommenden Kapiteln noch ausgedeutet.
Claas Kaeseler für das Evangeliumsnetz.
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