Oft stehen wir alleine

Oft stehen wir alleine

Das Auge sagte eines Tages: "Ich sehe hinter diesen Tälern im blauen Dunst einen Berg. Ist er nicht wunderschön?"

Das Ohr lauschte und sagte nach einer Weile: "Wo ist ein Berg, ich höre keinen?"
Darauf sagte die Hand: "Ich versuche vergeblich, ihn zu begreifen. Ich finde keinen Berg."

Die Nase sagte: "Ich rieche nichts. Da ist kein Berg."
Da wandte sich das Auge in eine andere Richtung. Die anderen diskutierten weiter über diese merkwürdige Täuschung und kamen zu dem Schluss: "Mit dem Auge stimmt etwas nicht."




Quelle: Kahlil Gibran, Das Auge, aus: Kahlil Gibran, Der Narr. Lebensweisheit in Parabeln, Walter Verlag, Olten/Freiburg i.Br. 1981.