Sind Eigenleistungen notwendig?

Sünder werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung, die durch Jesus Christus geschehen ist.

Römer 3, Vers 24

Schaffet, dass ihr selig werdet, mit Furcht und Zittern. Denn Gott ist's, der
in euch wirkt beides, das Wollen und das Vollbringen, nach seinem Wohlgefallen.

Philipper 2, Verse 12 und 13



Die biblischen Aussagen scheinen manchmal widersprüchlich, und es sind gerade diese Aussagen, die mir besonders gefallen. Nicht weil sie - wie von
den Spöttern behauptet, tatsächlich Widersprüche wären, sondern weil sie eingrenzen und abgrenzen und damit zu einem differenzierten Bild verhelfen.

Der scheinbare Widerspruch in den beiden Schriftstellen - die beide vom
Apostel Paulus stammen - liegt darin, dass es die Seligkeit einmal umsonst
gibt und dann doch wieder mit Furcht und Zittern, und wie es scheint, unter großen Anstrengungen, erworben werden muss.

Wie passt das nun zusammen?

Und da hat die Medaille tatsächlich zwei Seiten. Die erste Seite ist, dass die Voraussetzungen dafür, dass wir überhaupt selig werden können, bereits ohne unser Zutun, von Gott geschaffen wurden. Davon steht im Römerbrief geschrieben.

Um es im Gleichnis zu sagen: Gott hat für uns bereits ein Haus gebaut, in
das wir, ohne uns an den Baukosten beteiligen zu müssen und ohne Miete zahlen zu müssen, einziehen können. Gleiches gilt für die Rundumversorgung, die dort, ebenfalls kostenlos, geboten wird.

Die zweite Seite ist, dass wir dieses Angebot annehmen. Annehmen schließt ein Reagieren und damit ein Tun ein. Davon steht dann unter anderem auch
im Philipperbrief geschrieben.

Die Annahme des Angebots soll uns nicht lau und schläfrig, sondern aktiv werden lassen. Triebfeder für unser Tun soll die Freude über das großartige
Geschenk Gottes, in Gestalt des Hauses, inklusive der Rundumversorgung, sein.

Davon spricht das Neue Testament immer wieder bildhaft, in dem wir als
Gottes Hausgenossen bezeichnet werden oder dass Jesus von den Wohnungen spricht, die Er für uns bereitet und dazu kommen die Gleichnisse vom Hochzeitsmahl.

Ebenso steht auch von den Glaubensfrüchten geschrieben, ohne die es keine wirkliche Annahme des Angebots gibt.

Und hier kommt es dann bei manchem zu Furcht und Zittern, weil er sich
nicht sicher ist, ob er auch genug Glaubensfrüchte gebracht hat. Ob es
denn auch reicht zur ewigen Seligkeit.

Aber auch hier können wir getrost sein und brauchen in kein Leistungsdenken zu verfallen, denn es ist Gott selbst, der in uns zum Wollen das Vollbringen schafft, und das genau in dem Maß, wie Er sich das wünscht und wie es
unserer Kraft entspricht.

Es kommt auf unsere Bereitschaft an, und letztlich zeigt sich, dass alles unverdiente Gnade und ein Geheimnis des Glaubens ist, zu dem wir nicht dazutun können.

Wir können Gott immer nur bitten, dass Er unser Herz für Seinen Geist offen hält und uns willig zum Gehorsam gegenüber Seinem Anruf macht.


Jörgen Bauer