Falsche Brüder

Denn es hatten sich einige falsche Brüder mit eingedrängt und neben
eingeschlichen, um unsere Freiheit auszukundschaften, die wir in Christus
Jesus haben, und um uns zu knechten.

Galater 2, Vers 4


Es ging damals darum, dass in dem, von Jesus Christus gestifteten Neuen
Bund, die mosaischen Gesetze, wie Beschneidung, Speise- und Reinheits-
vorschriften, nicht nur nicht mehr gelten, sondern dass, darüber hinaus, das weitere Halten dieser Gesetze, von Christus trennt.

Und hier wären die Galater fast ins Straucheln gekommen, weil es "falsche
Brüder" gab, die von der Freiheit vom Gesetz, zu der Christus befreit hat,
nichts wussten oder wissen wollten und die Gemeinde dadurch verunsicherten,
in dem sie behaupteten, dass das Halten der mosaischen Gesetze weiterhin
heilsnotwendig ist.

Solche Leute hatten sich also eingeschlichen um herauszufinden, in welchem
Umfang die Gemeinde Jesu die mosaischen Gesetze missachtet, um danach
entsprechenden Druck auszuüben.

Aber Christus hat uns zur Freiheit befreit. Wir sollen uns nicht wieder das
Joch der Knechtschaft auflegen lassen (Galater 5,1). Ich denke, dass diese
Freiheit umfassend ist und nicht nur die mosaischen Gesetze umfasst,
sondern auch Gedanken- und Gewissensfreiheit mit einschließt, wobei diese
Freiheiten auch das Recht beinhaltet, etwas "Falsches" zu denken oder zu
sagen.

Wenn wir auch keine mosaischen Vorschriften mehr beachten müssen, könnte
es stattdessen aber so sein, dass "falsche Brüder" darauf achten, dass jeder
die "richtige Gesinnung" hat, bzw. das, was man jeweils darunter zu verstehen
hat, wobei Abweichler angeschwärzt werden.

Gesinnungsschnüffelei und Denunziantentum können allerdings gar nie in die,
vom Jesus Christus erlöste Gemeinde gehören. Evangelium und die Anpassung an die jeweilige Ideologie, die sich in einer, sich stets wandelnden, "politische Korrektheit" äußert, schließen einander aus! Allerdings hat diese
Anpasserei ein lange und ungute Tradition.

Ich fand es sehr befremdlich, was ich in der Tageszeitung, unter der Überschrift, "Neue Vorwürfe gegen Bischof", lesen musste:

Da hat doch der sächsische Landesbischof Carsten Rentzing, vor bald 30
Jahren, in einer rechtsnationalistischen Redaktionsgruppe für die Zeitschrift
"Fragmente" mitgearbeitet, die von 1989 bis 1992 bestand und sich an ein
"rechtsintellektuelles Publikum" richtete. Der EKD Ratsvorsitzende Bedford-
Strohm zeigte sich nach Bekanntwerden der neuen Vorwürfe - Bischof
Rentzing war schon bisher durch konservative Ansichten "aufgefallen" - schockiert: "Die Kirche muss sich eindeutig und laut vernehmbar gegen rechtsextremistische Einstellungen positionieren."

Offenbar werden abweichende Meinungen pauschal als "rechtsextrem"
eingeordnet.

1989 fiel nach der "friedlichen Revolution" die Mauer, und ich weiß nicht was
an dem Tun des Bischofs, außer eine "unkorrekte" Meinung zu vertreten, verwerflich sein könnte. Der Bischof will sein Amt niederlegen - was
zwischenzeitlich geschah - "um Schaden von seiner Kirche abzuwenden". Schaden setzt aber voraus, dass etwas vorhanden ist, was geschädigt werden kann. Und gibt es so etwas in der EKD überhaupt noch?

Wie es scheint, ist es von der DDR in die EKD, nur ein kurzer Weg. Mir liegen mittlerweile weitere Informationen vor, wonach die EKD in dieser Sache alles andere als ein gutes Bild abgibt. Weitere Kirchenaustritte sind nicht ausgeschlossen.


Jörgen Bauer