Kein leeres Stroh dreschen!

Dort schrien die einen dies, die anderen das, und die Versammlung war
in Verwirrung, und die meisten wussten nicht, warum sie zusammen-
gekommen waren.

Apostelgeschichte 19, Vers 32


Auf die Frage, wie eine Sitzung war, konnte der ehemalige Bundespräsident,
Johannes Rau, antworten: "Apostelgeschichte 19, Vers 32". Merken
sollte man sich "1932", um diesen Vers für eine "passende Antwort" parat
zu haben.

Der Abschnitt, in dem dieser Vers steht, hat die Überschrift "Der Aufruhr
des Demetrius". Auslöser waren, "wie immer", die Christen, hier Paulus,
der sich kritisch zur Verehrung von Kultbildern äußerte.

Im Ephesus, wo sich diese Geschichte zutrug, stellte der Goldschmied
Demetrius silberne Nachbildungen des Tempels der Diana her, an denen
nicht nur er, sondern der gesamte angeschlossene Gewerbezweig, gut
verdienten.

Die christliche Missionsarbeit war deshalb für manche existenziell bedrohlich, was den glühenden Zorn der Handwerkergilde auslöste, die sich im örtlichen Theater zu einer Protestversammlung einfanden, bei der es hoch her ging.

Hinsichlich menschlicher Verhaltensweisen besteht auch hier kein Unterschied zu den heutigen Verhältnissen, wobei dem Goldschmied nicht kurzschließend
christenfeindlichens Verhalten unterstellt werden soll. Diesem war das Christetum egal, wenn, ja wenn es nicht sein Geschäft verhageln würde.

Es geht darum, dass man immer auf Widerstand stößt, wenn man etwas tut,
was anderen total gegen den Strich gehen muss, und dabei sind christliche
Aktivitäten nur eine von vielen Möglichkeiten, mit denen man andere in
Bedrängnis bringen und deren Unmut hervorrufen kann.

Die Frage ist, welche Konsequenzen daraus für das Missionieren zu ziehen
sind. Bestimmt nicht die, dass man vor lauter Bedenken und der Befürchtung
anderen "auf den Geist zu gehen", so ausgewogen spricht, dass am Ende
überhaupt nichts gesagt wird. Das ist leider eine beliebte Methode, die ständig
praktiziert wird.

Als Christen müssen wir ein klares Bekenntnis haben und dürfen keine Angst
davor haben, uns unbeliebt zu machen. Denn es ist nicht unsere Aufgabe,
uns beliebt zu machen, sondern Jesus Christus zu verkünden.

Aber wie vorgehen?

Es brächte nichts mit frommen Sprüchen um sich zu werfen, Druck auszuüben
und Angst vor der Hölle zu machen. Die Christenheit wuchs dadurch, dass die
Christen ein anderes Verhalten zeigten, was anziehend wirkte.

Paulus gibt uns hier einen guten Rat:

Eure Rede sei allezeit freundlich und mit Salz gewürzt, dass ihr wisst, wie ihr
einem jeden antworten sollt. Kolosser 4, Vers 6


Jörgen Bauer