Umkehr ist, solange wir leben, immer möglich!

Wenn wir aber unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht. dass
er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Ungerechtigkeit.

1. Johannes 1, Vers 9



Als kritischer, politisch engagierter Journalist, Essayist, Satiriker und Polemiker war Heinrich Heine ebenso bewundert wie gefürchtet. Zeit seines Lebens ein streitbarer Mann der Aufklärung, der mit dem christlichen Glauben nicht nur nichts am Hut hatte, sondern stattdessen lästerliche Verse und Gedichte schrieb.

Gegen Ende seines Lebens kam es zu einem Umdenken und er schreibt:

"Seit ich selber der Barmherzigkeit Gottes bedürftig bin, habe ich allen meinen Feinden Amnestie erteilt. Gedichte, die nur halbwegs Anzüglichkeiten gegen Gott enthielten, habe ich mit ängstlichem Eifer den Flammen überliefert. Es ist
besser dass die Verse brennen, als der Versemacher."

Daraufhin schrieb er folgendes Gedicht:

Zerschlagen ist die alte Leier
am Felsen, welcher Christus heißt,
die Leier, die zu böser Feier
bewegt ward von dem bösen Feind.
Die Leier, die zum Aufruhr klang,
die Zweifel, Spott und Abfall sang.
O Herr, o Herr, ich knie nieder,
vergib, vergib mir meine Lieder.

Der Kirche ist in ihrem Glauben
manch Spottlied frevelhaft erschallt.
Es sollte Zucht und Ordnung rauben
mit weicher Töne Truggewalt.
Die freche Rotte triumphiert,
ich hab ihr manches zugeführt.
O Herr, ich schlag die Augen nieder,
vergib, vergib mir meine Lieder.

Und als des Märzens Stürme kamen
bis zum November trüb und wild,
da hab ich wilden Aufruhr-Samen
in süße Lieder eingehüllt.
So manches Herz hab ich betört,
des ewgen Lebens Glück zerstört.
Gebeugten Hauptes sink ich nieder,
o Herr vergib mir meine Lieder.

Obwohl wir nicht wissen, inwieweit er die Wahrheit des Evangeliums vollumfänglich erkannt und Jesus Christus als seinen ganz persönlichen Herrn und Heiland angenommen hat oder ob er lediglich zum Glauben, im religiösen Sinn, an den Gott der Bibel gekommen ist - hier müssen wir das Urteil Gott überlassen - zeigt sich auch hier, dass auch der ungläubige Mensch eine Ahnung von Gott und eine Sehnsucht nach Gott hat, an dem sich bis heute
der Anknüpfungspunkt für Gespräche über den Glauben ergibt.

Wir wollen Gott bitten, dass ER uns die Situation erkennen lässt, an dem ein Gespräch über den Glauben angebracht und notwendig ist.


Jörgen Bauer