Manchmal unbequem: Gehorsam!

Als gehorsame Kinder gebt euch nicht den Begierden hin, denen ihr früher in der Zeit eurer Unwissenheit dientet;

1. Petrus 1, Vers 14



Das Wort "Gehorsam" löst bei mir immer eine innere Abwehr aus, weshalb ich es nicht gerne gebrauche.

Aber woran liegt das?

Wenn ich darüber nachdenke, kommt das daher, dass man von Kindheit an gehorsam zu sein hatte. Man hatte zu tun, was die Eltern sagten oder angeordnet wurde, und das ohne Widerrede und ohne nach dem "Warum" zu fragen.

Das wurde immer als eine hilflos machende, das Ego kränkende Bevormundung
empfunden, die Widerwillen erregte.

Deshalb tat man nicht immer das, was die Eltern sagten oder was angeordnet war. Die Eltern zeigten sich in vielen Dingen großzügig, aber man war auch hier unter Aufsicht und Bevormundung, weshalb es bis heute so ist, dass es viele nicht erwarten können, endlich das Erwachsenenalter zu erreichen.

Bei der Bundeswehr war es dann ganz ähnlich, weshalb man sich dort gleich
"heimisch" fühlen konnte. Es war für alles gesorgt, man hatte zu tun, was
befohlen wurde und es galt, "dass ein Befehl zu befolgen und nicht zu diskutieren ist".

Wahrscheinlich rührt von daher auch die Aufsässigkeit der 68er, die Ablehnung jeder Autorität und die antiautoritäre Erziehung, womit dann dass eine Extrem ins andere verkehrt wurde. Und man kann nur hoffen, dass Randalen,
so wie jetzt in Stuttgart, nicht zur Regel werden.

Weil Anordnungen von Vorgesetzten und amtlichen Stellen immer das Ego
angreifen und deshalb zum Widerstand reizen, ist es üblich geworden, Anordnungen aller Art, höflich und als Bitten zu formulieren. Das ging schon
so weit, dass man sich als amtliche Stelle dafür entschuldigte, dass man genötigt ist, diesen oder jenen Betrag verlangen zu müssen

Aber wie ist das nun mit dem Gehorsam Gott gegenüber?

Von Natur aus neigt der Mensch, der niemanden über sich haben will, auch hier dazu, nicht nach Gott zu fragen, sondern zu tun, was er für richtig hält, und was ihn von Gott trennt.

Im Laufe des Lebens sieht man ein, dass es gar nicht anders geht, als dass einer, der den Überblick und die Verantwortung hat, etwas anordnet, was die
anderen tun müssen, und dass das überhaupt nichts Demütigendes ist, gegen das man sich stellen müsste.

Aber gilt das auch gegenüber Gott?

Hier ist das nochmal anders. Gehorsam heißt hier, nicht widerwillig, sondern
freudig und gern und aus innerer Überzeugung Gottes Geboten zu folgen, weil
man weiß, dass sie gut für einen selbst sind, weshalb man sich mit den Geboten Gottes identifizieren kann. Gottes Wille soll so, mehr und mehr, auch
zu unserem Willen werden.

Mit dem "Gehorsam", der eine innere Abwehr auslöst, hat das dann nichts mehr zu tun. Es kommt auch hier zu einer Umwertung: Was unter Menschen als Freiheit verkauft wird, belastet und macht unfrei, während das Tun nach Gottes Ordnungen frei macht.

Dazu ein "praktischer Fall":

Ich hatte mich mal negativ über einen Nichtanwesenden ausgelassen. Daraufhin fragte mich mein Gesprächspartner: "Fühlst Du Dich jetzt erleichtert oder belastet?" Um ehrlich zu sein, ich fühlte mich nicht erleichtert, sondern belastet. Denn das Achte Gebot lautet: "Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten." Man soll vielmehr gut von ihm reden. Man spürt genau, dass man etwas falsch gemacht hat, was unterschwellig Unwohlsein
auslöst.

Wir wollen Gott bitten, dass ER uns so lenkt und leitet, dass wir IHM gehorsam
sind und dass wir da, wo es nötig ist, eine gesunde Autorität ausstrahlen, der
man vertraut und gerne folgt. Im Übrigen sagen Gottes Ordnungen, dass
wir auch der Obrigkeit, als Gottes Dienerin auf Erden, Gehorsam schulden.


Jörgen Bauer