Mit den Augen Gorres sehen!

Aber der HERR sprach zu Samuel: Sieh nicht an sein Aussehen und
seinen hohen Wuchs; ich habe ihn verworfen. Denn nicht sieht der
HERR auf das, worauf ein Mensch sieht. Ein Mensch sieht, was vor
Augen ist; der HERR aber sieht das Herz an.

1. Samuel 16, Vers 7




„Der erste Eindruck ist der Beste“, sagt ein geflügeltes Wort. Bei Bewer-
bungsgesprächen sind angeblich die ersten 10 Sekunden entscheidend,
und „die Liebe auf den ersten Blick“ ist sprichwörtlich.

Aus Erfahrung wissen wir, dass an all diesen Dingen etwas dran ist. Jeder
wird bestätigen können, dass jeder Mensch, mit dem man in Kontakt kommt,
sofort einen bestimmten Eindruck hinterlässt.

So ist uns der eine mehr und der andere weniger sympathisch. Der eine
scheint intelligent und der andere weniger intelligent zu sein usw., und
manchmal tippen wir, aufgrund des äußeren Eindrucks, auch auf den Beruf
und die Lebensumstände des Betreffenden.

Und oft liegen wir mit unseren Vorurteilen nicht einmal falsch, weil auch ein
„Vorurteil“, trotz des diesem anhängenden negativen Beigeschmacks, ein
Urteil ist, das man nicht einfach ignorieren sollte. Allerdings sollte man prü-
fen, ob es sich tatsächlich so, wie vermutet, verhält.

Samuel wird das ganz ähnlich erlebt haben, als er im Auftrag Gottes, aus
den Söhnen Isais, den von Gott erwählten Nachfolger für den von Gott ver-
worfenen König Saul salben sollte.

Samuel sah zuerst den Eliab, der, wie man vermuten kann, eine stattliche
Erscheinung war. Aber der war von Gott ebenso wenig erwählt, wie all die
anderen Söhne die Samuel von Isai vorgestellt wurden. Gott hatte den Da-
vid erwählt, mit dem niemand ernsthaft gerechnet hätte, weshalb dieser
extra vom Feld geholt werden musste.

Gott urteilt und bewertet also ganz und überraschend anders als wir Men-
schen. Das ist eine der Lehren, die aus diesem Bibelabschnitt zu ziehen ist,
und für uns gilt, unsererseits die Konsequenzen daraus zu ziehen.

Die können so aussehen, dass wir nicht vorschnell urteilen, sondern uns
näher mit einem Menschen befassen, bevor wir uns ein Bild von ihm machen.
Und das gilt sowohl im positiven, als auch im negativen Sinn. Denn auch
Menschen mit unlauteren Absichten können einen sehr guten Eindruck
machen.

Der christliche Glaube kann uns hier zu Nüchternheit und Klarheit verhelfen,
um Menschen unvoreingenommen und mit Liebe zu begegnen und bei denen,
die uns vielleicht nicht so liegen, daran zu denken, dass diese möglicherweise
Fähigkeiten, Begabungen und vielleicht sogar Berufungen haben, die wir auf-
grund unserer Voreingenommenheit nicht sehen.

Und wenn einer wirklich ein „schräger Vogel“ ist, darauf zu sehen, was Gott
aus ihm noch machen kann. Denn mancher „schräge“ oder „komische Vogel“
hat sich schon zu seinem Vorteil gemausert und mancher wurde sogar zu
einem entschiedenen Bekenner des Glaubens an Jesus Christus.

Bitten wir Gott, dass ER uns dazu verhilft, unsere Mitmenschen mit Seinen
zu sehen.


Jörgen Bauer