Unsere Zeitlichkeit!

Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf das wir klug werden.

Psalm 90, Vers 12


In jungen Jahren denkt man an die Zukunft und entwickelt Pläne und
Vorstellungen hinsichtlich des weiteren Lebensweges.

Wenn man älter wird geschieht das Gegenteil. Es kommen die Erinnerungen.
Man erinnert sich an vieles was gewesen ist, ohne aber unzufrieden zu
sein, weil man meint, im Leben etwas verpasst zu haben oder auf irgend
eine Weise zu kurz gekommen zu sein.

Mir fallen allerdings immer wieder Dinge ein, wo ich meine mich falsch verhalten
zu haben, weil ich es auch anders hätte machen können. Aber damit stehe ich
sicher nicht allein.

Das sind aber Dinge mit denen ich leben kann. Schlimm muss es sein, wenn
jemand durch sein Verhalten böse Dinge zu verantworten hat, und ich glaube,
dass da mancher uber manches nicht hinwegkommt.

Und da dürfen wir froh und dankbar sein, dass wir auch unser Versagen
Gott hinlegen und um Vergebung bitten dürfen. Und Gott vergibt gern,
wenn wir ehrlich bereuen und Schäden, soweit es uns mögllch ist, wieder gut
machen.

Mein Menschenbild hat sich altersbedingt gewandelt. Ich sehe mehr und mehr in allen Menschen, auch in den für mich "Unmöglichen", Gottes Ebenbilder, in denen Gott jeweils einen Teil Seines Wesens verwiklicht hat.

Dabei sehe ich auch, dass jedem Menschen eine ganz bestimmte Lebenspanne
gegeben ist und wir alle sterblich sind. Deshalb auch der heutige Vers am
Anfang der Andacht. Bei jedem Menschen kommt mir die Frage, wieviel
Zeit ihm noch gegeben ist. Egal ob er jung oder alt ist, und wie schnell
werden aus jungen, alte Menschen.

Ich kann dann auch besser verstehen, dass der eine oder andere gar nicht anders kann, als so zu agieren und zu reagieren, wie es es tut, auch wenn das bei mir auf den ersten Blick Umut und Ablehnung bewirken kann.

Im Wort Gottes wird die menschliche Natur treffend beschrieben. Und deshalb
hält es uns auch zur Nächstenliebe an und dazu, dass wir uns einander annehmen und einander vergeben.

Gott will, dass wir verständnisvoll und friedlich miteinander umgehen, was
auch gilt, wenn Dinge oder Verhaltensweisen beanstandet werden müssen.
Nächstenliebe ist nur dann eine Schwäche, wenn man alles durchgehen lässt
und damit Fehlverhalten fördert und stärkt.

Das Miteinander ist eine lebenslange Aufgabe, bei der man nie auslernt und
die wir nur in glaubensmäßiger Verbindung mit Gott und unserern Herrn Jesus
Christus auf die Reihe bringen.

Jörgen Bauer