Bürger zweier Welten!

Seht, ich habe euch Macht gegeben, zu treten auf Schlangen und Skorpione, und Macht über alle Gewalt des Feindes; und nichts wird euch schaden.

Lukas 10, Vers 19

Als nun Paulus einen Haufen Reisig zusammenraffte und aufs Feuer legte, fuhr wegen der Hitze eine Schlange heraus und biss sich an seiner Hand fest.
Als aber die Leute das Tier an seiner Hand hängen sahen, sprachen sie untereinander: Dieser Mensch muss ein Mörder sein, den die Göttin der Rache nicht leben lässt, obgleich er dem Meer entkommen ist.
Er aber schlenkerte das Tier ins Feuer und es widerfuhr ihm nichts Übles.
Sie aber warteten, dass er anschwellen oder plötzlich tot umfallen würde. Als sie nun lange gewartet hatten und sahen, dass ihm nichts Schlimmes widerfuhr, änderten sie ihre Meinung und sprachen: Er ist ein Gott.

Apostelgeschichte 28, Verse 3 bis 6



Das scheint widersprüchlich:

Auf der einen Seite sind die Boten und Jünger Jesu bis heute den Angriffen des Feindes ausgeliefert und müssen mitunter schlimme Dinge über sich ergehen lassen, die zeigen, dass sie nicht unverletztlich und schon gar nicht unsterblich sind.

Auf der anderen Seite haben sie aber auch Macht über alle Gewalt des Feindes, die ihnen nichts anhaben kann.

Aber ähneln sie darin nicht auch ihrem Herrn? Trotz seines Leidens und Sterbens erwies ER sich als der Sieger, dem
alle Gewalt des Feindes am Ende nichts anhaben konnte.

Der scheinbare Widerspruch löst sich auf, wenn wir davon absehen, unsere körperliche Unversehrtheit und unser Wohlbefinden in dieser Welt zum Maßstab zu machen.

Der Blickwinkel verändert sich, wenn wir uns als Bürger zweier Welten wahrnehmen, einmal als den sichtbaren Menschen in dieser Welt und einmal als den inneren und unsichtbaren Menschen der zur Welt Gottes gehört.

Der Verfall des äußeren Menschen verändert dann nichts an unserer persönlichen Existenz, die durch das ewige Leben gekennzeichnet ist, und der biologische Tod ist dann lediglich
das vollständige Hinüberwechseln in die unsichtbare Welt
Gottes.

Es liegt dann in Gottes Hand wie lange ER uns sichtbar in
dieser Welt wirken lässt und uns dabei unbeschadet auf Skorpione und Schlangen treten lässt, oder ob ein solcher
Vorfall zum Tod des äußerlichen Menschen führt, wobei
der unsichtbare Mensch, von Jesus selbst, durch das Tor
des Todes, zu IHM, in die Herrlichkeit des ewigen Lebens
geleitet wird.

So blieb der Biss der Schlange, bei der Ankunft auf der Insel Malta, für Paulus ohne Folgen, nicht aber die Hinrichtung in
Rom, die er, der Überlieferung nach, in Rom erleiden musste.

Paulus wusste davon, dass insoweit alles in Gottes Hand liegt. weshalb er an die Korinther schreiben konnte:

Darum werden wir nicht müde; sondern wenn auch unser
äußerer Mensch verfällt, so wird doch der innere von Tag
zu Tag erneuert. Denn unsre Trübsal, die zeitlich und leicht
ist, schafft eine ewige und über alle Maßen gewichtige Herrlichkeit, uns, die wir nicht sehen auf das Sichtbare,
sondern auf das Unsichtbare. Denn was sichtbar ist, das ist zeitlich; was aber unsichtbar ist, das ist ewig.

2. Korinther 4, Verse 16 bis 18


Es gehört aber ein erhebliches Wachstum im Glauben dazu,
bis man dieses wirklich annehmen und verinnerlichen kann,
und davon bin ich noch weit entfernt.

Wir können Gott aber bitten, dass ER uns hier wachsen lässt, aber auch bewahrt und unseren Glauben nicht auf die Probe stellt. Wir können aber eines tun: Uns, solange wir nicht
selbst bedroht sind, für die Christen einzusetzen, die wegen
ihres Glaubens bedrängt werden und ständig
Schlimmes befürchten müssen.


Jörgen Bauer