Zwei Minuten Schweigen

Zwei Minuten Schweigen

Als der Frühschoppen-Höfer in seiner Ein-Mann-Talkshow ("Auf den ersten Blick", Mai 1978, 23 Uhr) einem jungen Mann gegenüber saß, wurde nach wenigen Minuten klar: Noch nie wurde der clevere Talkmaster von einem Gast so sachte an die Hand genommen!

Der Gast bat höflich, aber bestimmt, Wasser statt WEin zu trinken; doch etwas aggressiver zu fragen, nicht so pingelig zu sein! Ja und dann kam es heraus: Der junge Mann war Lanhans, der einst langhaarige berüchtigte APO-Student, der Ende der 60er Jahre zusammen mit Fritz Teufel die deutschen Richter verhöhnt hatte und dann im Knast verschwunden war.

Dieser einstige Revolutionär der jungen Linken hatte zurückgefunden zu sich selbst; hatte wieder Sinn im Leben entdeckt; war zu der Überzeugung gekommen, dass es gut war, "dass wir damals nicht siegten".
Der einstige Umstürzler führte das Gespräch und der "weise alte Mann von Rundfunk und Fernsehen" hörte zu.

Ganz am Schluss bat Langhans um zwei Minuten gemeinsamen Schweigens. 120 Sekunden lang: Schweigen - in einer Live-Sendung!
"Weil Schweigen die wichtigste Voraussetzung zu dem so wichtigen Gespräch mit sich selbst sei", meinte Langhans, der "bekehrte" Stundentenführer.



(Aus Peter Block, Gut ist, was verrottet, Kritische Texte, Kreuz Verlag, Stuttgart, Rechte beim Autor.)