Die Kirche wird nicht untergehen

Die Kirche wird nicht untergehen


Die Welt war endlich geeinigt unter einem Weltpräsidenten. Alle Religionen sind ausgerottet, es gibt auch fast keine Christen mehr, nur noch ein paar Getreue um den letzten Papst.
Gegen ihn ist ein Steckbrief erlassen. Er reist ganz bescheiden mit einem Köfferchen, als Vertreter getarnt, durch die Welt. In einem schäbigen Hotel der Hauptstadt des Weltreiches erkennt ihn der Portier, der ihn anzeigt.
Er wird verhaftet.

Nun sitzt er vor dem Weltpräsidenten, der ihn zunächst mit guten Worten beschwört, von seinem dummen Aberglauben abzulassen. Der Papst schüttelt den Kopf, er kann nicht anders.
Der Weltpräsident droht, tobt, alles zwecklos, der Papst bleibt stark.

Da zieht der Weltpräsident aus der Schublade seines Schreibtisches einen Revolver und erschießt eigenhändig diesen letzten Gegner.
Wie diese armselige Gestalt des letzten Papstes nun daliegt und der Herr Weltpräsident seinen Revolver wieder zurücklegt, wird er nachdenklich, schaut den Toten an und sagt dann: "Am Ende hatte dieser Mann doch recht. Nicht ich, sondern Jesus ist der Herr der Welt."
Und dann schreibt der Dichter: In dieser Minute wurde der erste neue Gläubige geboren.


(Graham Greene, Der Tod des letzten Papstes, verkürzt in Alois Stiefvater, Einstiege für die Predigt, Herder-Verlag, Freiburg 1976, S.64f)