Dr. Martin Luther: Christlicher Wegweiser für jeden Tag

Ich weiß, er wird befehlen seinen Kindern und seinem Hause nach ihm, daß sie des Herrn Wege halten und tun, was recht und gut ist, auf daß der Herr auf Abraham kommen lasse, was er ihm verheißen hat.
Mose 18, 19


Das sollen die Eheleute wissen, daß sie Gott, der Christenheit aller Welt, ihnen selbst und ihren Kindern kein besseres Werk und Nutzen schaffen mögen, als daß sie ihre Kinder wohl aufziehen. Denn dasselbe ist ihre gerichtetste Straße gen Himmel; sie mögen auch den Himmel nicht näher und besser erlangen als mit diesem Werk. Aber wieder ist die Hölle nicht leichter verdient als an seinen eigenen Kindern; die Eltern mögen auch kein schädlicheres Werk tun, als daß sie ihre Kinder versäumen, sie lassen fluchen, schwören, schandbare Worte und Lieder lernen und nach ihrem Willen leben. Wie denn etliche sie selbst reizen mit übrigem Schmuck und Förderung zu der Welt, daß sie nur der Welt wohl gefallen, hoch steigen und reich werden, allezeit mehr sorgen, wie sie den Leib als die Seele genugsam versehen. Es ist auch kein größerer Schaden der Christenheit als der Kinder Versäumnis; denn soll man der Christenheit wieder helfen, so muß man fürwahr an den Kindern anfangen, wie vor Zeiten geschah. Die falsche Naturliebe verblendet die Eltern, daß sie das Fleisch ihrer Kinder mehr achten als die Seelen Kinder sind ein köstlicher, ewiger Schatz, der den Eltern von Gott zu verwahren befohlen ist, daß ihn der Teufel, die Welt und das Fleisch nicht stehlen und umbringen, und wird am Tode und Jüngsten Tage gefordert werden mit scharfer Rechnung.