Dr. Martin Luther: Christlicher Wegweiser für jeden Tag

So sind wir ja mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod, auf daß, gleichwie Christus ist auferweckt von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, also sollen auch wir in einem neuen Leben wandeln.
Römer 6, 4


Es stellen sich leider viele so, als möchten sie bleiben wie zuvor in der alten Haut und leben, wie sie gelüstet, und machen also die herrliche Taufe sich nur zu einem Schanddeckel, als wären sie darum berufen zum Reiche der Gnaden, daß sie Macht haben sollten zu tu, was sie wollten und gleichwohl darauf sich verlassen, daß Gott gnädig sei, und sich also beschönen: Ich bin ein gebrechlicher Mensch; Gott wird uns wohl zugute halten und vergeben. Nein, nicht also, lieber Bruder, den Weg habe ich dir nicht gewiesen, daß die Taufe soll Freiheit geben zu Sünden, sondern das Blut umgekehrt: Darum sind dir die Sünden erlassen und bist zu Gnaden gekommen, daß du nun ein anderes Leben führest und von Sünden lässest. Es reimt sich nicht miteinander, getauft sein und in Sünden bleiben. Es kann dir nicht helfen, daß du getauft bist, weil (= wenn) du deine Taufe nicht ehrst noch rein hältst, und magst wohl ein Christ heißen, aber hast gewiß Christum fahren lassen und hast nicht mehr als den Namen und Schein des Christentums, damit du dich selbst betrügst.