Dr. Martin Luther - Christlicher Wegweiser für jeden Tag

Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus. - Du sollst nicht begehren seines Weibes, Knecht, Magd, Vieh, oder was sein ist.
2. Mose 20, 17; 2. Mose 5, 21


In diesen zwei Geboten wird verboten, selbst der Zunder und, die unüberwindliche Begierlichkeit, die in unserer Natur steckt, ja selbst die Wurzel der bösen Gedanken. Daß also im sechsten und siebenten Gebot des Herzens Verwilligung, Zeichen der GIieder, Worte des Mundes und Werke des bösen Leibes verboten wird; hier aber auch selbst die ersten Regungen, zugleich nebst dem Zunder und Wurzel, als deren Ursprung. Denn wir müssen also rein werden, ehe wir in das Himmelreich kommen, daß auch keine böse Regung, noch die Wurzel,die zum Bösen neigt, mehr in uns sei, sondern eine vollkommene Gesundheit des Leibes und der Seele, daß wir von allen Lastern rein sein. Das doch in diesem Leben nicht geschieht. und steht auch nicht in unserer Gewalt. Denn wer mag sich rühmen, daß er ein reines Herz habe? Wer mag auslöschen das grimmige Feuer der bösen Lust, das also tief in unsern Gliedern steckt, daß auch der heilige Paulus (Röm. 7) klagt wider dies Gesetz der Glieder und Gesetz der Sünden? Wir zähmen unsere Ohren, Augen und alle Sinne von innen und von außen, daß die Sünde in uns nicht herrsche, aber die böse Lust mag niemand dämpfen. Darum sind dies zwei Gebote, die, von keinem Menschen, wie heilig er ist, einigermaßen mögen erfüllt werden. Die Frommen erfüllen alle andern Gebote, denn sie dämpfen die bösen Werke, Worte und Verwilligung; aber hier in diesen zwei Geboten bleiben sie verdammt und arme Sünder, dieweil sie nichts von diesen Geboten erfüllen, da ihnen eingewurzelt ist die böse Lust des Fleisches und der Geiz zu andern Dingen. Und also sündigen sie alle, und mangeln des Ruhm's Gottes. (Röm. 3, 23)