Eigentum Gottes sein

Dass wir sein Eigentum würden zum Lob seiner Herrlichkeit.

Epheser 1, Vers 14




Im heutigen Vers, von dem ich nur den letzten Halbsatz eingestellt habe, geht es noch um mehr, was ich hier aber unerwähnt lasse. Der gesamte Vers läuft darauf hinaus, Gottes Eigentum zu werden, weshalb es mir heute nur um den Begriff des "Eigentums" geht.

Denn hier könnten Fragen auftauchen.

Denkt man an die Leibeigenschaft, hat jemandes Eigentum zu sein, etwas Befremdliches an sich. Jemandes Eigentum zu sein, so wie man eine Sache
besitzt, wird deshalb völlig zu Recht als "unmöglich" und "unzumutbar" empfunden.

Bei uns kommt noch die „Selbstbestimmungs-Ideologie“ hinzu. Die alte wie neue Parole, "Wir sind frei und niemandes Knechte", wird deshalb besonders ernst genommen. "Ich bestimme selbst und mache was ich will, und keiner schreibt mir etwas vor", heißt die trotzige Parole.

Auch wenn es bei uns keine Leibeigenschaft mehr gibt, reagiert man doch allergisch auf alles, was nach "Fremdbestimmung" aussieht. Und Gottes Eigentum zu werden, kann da schon gar nicht infrage kommen.

Aber wie sehen die Tatsachen aus? Gehören wir uns wirklich selbst? Haben wir uns selbst geschaffen und ins Leben gerufen? Wurden wir gefragt, ob wir geboren werden wollen? Und wie sieht das, umgekehrt, mit Krankheit und Tod aus?

Haben wir uns unsere Begabungen und Talente selbst gegeben? Sind wir nicht vielmehr Geschöpfe, die unkalkulierbaren Einflüssen und Kräften ausgesetzt und im Grunde ohnmächtig sind? Von den Zwängen denen wir in dieser Welt ausgesetzt sind, erst gar nicht zu reden.

Bedenkt man dies, wird klar, dass das Gerede von der "Selbstbestimmung" eine hohle Phrase ist. In seiner Güte lässt uns Gott aber tatsächlich viel Freiheit und behandelt uns nicht wie Leibeigene. Wir sind, so gesehen, zur Freiheit berufen, auch wenn wir, als natürliche Menschen, nicht wirklich frei sind, weil wir unter der Knechtschaft der Sünde stehen, was Vergänglichkeit und Tod bedeutet.

Zu Gottes Eigentum zu werden bedeutet deshalb etwas völlig anderes. Das ist keine Versklavung, sondern bedeutet, dem Schönen, Guten, Vollkommenen, Beglückenden, Erbaulichen, zutiefst Befriedigenden anzugehören und von diesem allem durchdrungen zu werden. Mit anderen Worten: Das ist wirkliche Freiheit und nicht das, was viele darunter verstehen.

Gottes Eigentum zu sein, bedeutet zudem, Teil seines Reiches zu sein und teilzuhaben an dem Schutz und den Privilegien die ER zu vergeben hat. Das heißt soviel wie die Bürgerrechte seines Reiches zu genießen.

Wenn jemand Hand an uns legen und für sich vereinnahmen will, geht das nicht mehr, weil wir bereits Gottes Eigentum sind und sich ein Widersacher damit direkt mit Gott anlegt. Und am Ende hat sogar der Tod keine Macht mehr über uns.

Es ist wie mit einem Diplomatenausweis. Wenn fremde Mächte den Botschafter oder sein Personal bedrängen oder festhalten wollen, reicht es aus, auf den Sonderstatus zu verweisen. Ganz ähnlich ist das bei Christen, die wirklich Gottes Eigentum sind. Über sie hat der Widersacher keine Macht mehr.

Gottes Eigentum zu sein hat auch etwas mit einem Liebesverhältnis zu tun. Auch Liebende machen sich gegenseitig zum Geschenk, was mit Worten wie "für immer der, oder die, Deine", gesagt wird. Und gute Freunde schließen Briefe mit Worten wie, "es grüßt Dich Dein..." Und auch Gott macht sich uns, wie wir seinem Wort entnehmen können, zum Geschenk.

Warum sollten wir dann Gott gegenüber "Bedenken" haben?


Jörgen Bauer