Gedanken zum Ewigkeitssonntag

Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug
werden.

Psalm 90, Vers 12


Dass wir sterben müssen, wissen wir. Das muss man uns nicht sagen.
Aber was wissen wir nicht alles, ohne dass es uns besonders berühren
würde? Erst dann, wenn es soweit und vielleicht schon zu spät ist,
kommt das Erschrecken.

Deshalb die Bitte an Gott, dass ER uns rechtzeitig bewusst macht,
was Sterben bedeutet, damit wir vorbereitet sind, wenn es soweit ist.

Dem Psalmisten ist daran gelegen, bei all seinem Tun immer seine
Endlichkeit und damit die Vorläufigkeit seiner Unternehmungen im
Blick zu haben, damit er Wichtiges von Unwichtigem, vorletzte von
letzten Dingen zu unterscheiden lernt.

Und klug ist er dann, wenn er die Dinge an ihrem Ewigkeitswert misst.

Es gibt Berichte, auch über Gläubige, die im Angesicht ihres bevorste-
henden Sterbens, auf ihr Leben zurückblickten und dabei jede Menge
Versäumnisse entdeckten, ja sogar meinten am Leben vorbei gelebt
zu haben und ihrer eigentlichen Berufung nicht gerecht geworden zu
sein.

Dieser Eindruck ist sicher nicht falsch, weil wir, als geborene Sünder,
allesamt nicht unserer eigentlichen Berufung entsprechend leben, die
wir, infolge unserer Verkehrtheit, auch gar nicht erkennen. Denn unse-
re eigentliche Berufung wäre, zur Verherrlichung Gottes zu leben.

Erst wenn es ans Sterben geht, verändert sich der Blickwinkel, und da
tritt das, was wirklich wichtig gewesen wäre, besonders deutlich her-
vor. Aber nun kann nichts mehr nachgeholt oder gutgemacht werden.

Und so werden wir mit leeren Händen vor Gott stehen. Etwas, was
selbst ein Martin Luther am Ende seines Lebens bewusst wurde.

Wie gut, wenn man auch noch in dieser Lage auf Jesus blicken und
seine Vergebung in Anspruch nehmen kann, um als begnadigter Sün-
der angenommen zu werden.

Und da wir auch ganz plötzlich aus dem Leben gerissen werden kön-
nen, sollen wir allzeit bereit sein und allezeit in der Verbindung zum
Herrn und aus der Vergebung leben.

Dem Psalmisten geht es um die Klugheit, die darin besteht, während
seines Lebens immer wieder zu fragen, was dann noch und damit wirk-
lich zählt, wenn er sein Leben von dessen Ende her betrachtet.

Und da ist eines ganz sicher: Weder Geld noch Gut, weder Ehre noch
Ansehen noch zu erwartende ehrende Nachrufe oder Gedenktafeln ha-
ben dann noch einen Wert.

Was allein zählt, sind die Schätze, die wir im Himmel gesammelt ha-
ben. Das sind die Früchte, die aus unserem Glauben erwachsen sind.

Das ist, dass wir Gott über alle Dinge geliebt, gefürchtet und vertraut
und unsere Nächsten, so wie uns selbst, geliebt und danach getan
haben.

Zwar kann Gott auch noch in den letzten Augenblicken eine rettende
Umkehr schenken. Aber darauf sollten wir nicht spekulieren.


Wenn ich einmal soll scheiden,
so scheide nicht von mir;
wenn ich den Tod soll leiden,
so tritt du dann herfür;
wenn mir am allerbängsten
wird um das Herze sein,
so reiß mich aus den Ängsten
kraft deiner Angst und Pein.

Erscheine mir zum Schilde,
zum Trost in meinem Tod
und lass mich sehn dein Bilde
in deiner Kreuzesnot.
Da will ich nach dir blicken,
da will ich glaubensvoll
dich fest an mein Herz drücken.
Wer so stirbt, der stirbt wohl.

Paul Gerhardt 1607 - 1676


Jörgen Bauer