Müssen uns wirklich alle Dinge zum Besten dienen?

Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen, die nach seinem Ratschluss berufen sind.

Römer 8, Vers 28


Wie die gestrigen Verse wirft auch der heutige Vers Fragen auf. Ist es wirklich so einfach, dass uns, wenn wir im Glauben stehen, alle Dinge zum Besten dienen müssen? Hat man da nicht schon von ganz anderen Dingen gehört?
Von Katastrophen, von denen auch Kinder Gottes nicht verschont blieben?

Mir fällt hier eine Familie aus einem Nachbarort ein, die durch eine Folge von
Unglücksfällen schwer und existenziell bedrohlich getroffen wurde. Die Unglücksfälle wären an sich verkraftbar gewesen, wenn man entsprechend
versichert gewesen wäre.

Das war man aber nicht, weil das, nach Ansicht der Familie, "mangelndes Gottvertrauen" gewesen wäre. Wenn Gott dann aber, trotz Gottvertrauen,
nicht vor Unglück bewahrt, stürzt dies in tiefe Glaubenskrisen. Persönlich
meine ich, dass man Gott nicht versuchen soll, und das könnte der Fall sein, wenn man, im Vertrauen auf Gott, ohne Not, die Versicherungsprämien spart.

Dass uns alle Dinge zum Besten dienen, heißt auch hier nicht, dass immer alles erwartungsgemäß und gut läuft, sondern dass wir auch schwere Niederlagen einstecken und Verluste hinnehmen müssen - am Ende aber
sagen können, dass dies zu unserem Vorteil war, weil wir dadurch gereift
und im Glauben gewachsen sind und dadurch Frucht für die Ewigkeit gewirkt wurde.

Dem Weltmenschen scheint eine solche Logik total unsinnig, ja geradezu "krank". Aber Gottes Logik und Gottes Maßstäbe sind den unseren diametral entgegengesetzt. Wir sollten Gott jeden Tag bitten, dass Er uns den Blick für seine Wirklichkeit weitet, damit wir ein Stückweit über den Dingen stehen können.

Während meiner Berufstätigkeit gehörte es auch mal zu meinen Aufgaben
totkranke Versicherte zuhause zu besuchen und zu beraten. Und da konnte
ich deutlich zwei Gruppen von Menschen unterscheiden:

Die einen sagten, dass sie ihre Krankheit schwer belasten, sie das aber ertragen könnten, weil sie sich in Gottes Hand wüssten.

Und da gab es die anderen, die Weltmenschen, die schier ausflippten und die
nach jedem, noch so unsinnigen Strohhalm griffen. Um sich nicht dem Vorwurf, "nicht wirklich alles getan zu haben", auszusetzen, hat die Krankenkasse damals die unsinnigsten Therapien bezahlt. Natürlich ohne Erfolg.

Ähnliches kann man auch bei Beerdigungen beobachten. Die einen sind gefasst. Die anderen drehen schier durch. "Was einer ist, was einer war, beim Sterben wird es klar." Diese Spruchweisheit bezieht sich auch auf das familiäre Umfeld.

Mein Religionslehrer sagte immer, "unser Glaube ist nur ein schwaches Flämmchen, dass jeder Windstoß ausblasen kann". Ich denke, dass es so ist
und dass es Gott ist, der uns im Glauben erhält. Aber es liegt auch an uns,
ob wir im Glauben erhalten werden wollen, der uns über die Dinge erhebt und eine überaus große Belohnung hat.

In allen Wechselfällen des Lebens und in allen Bedrängnissen gilt: Wir sind in
Gottes Hand und Er führt alles herrlich hinaus, auch wenn es anfangs ganz
anders scheint. Das sollten wir uns täglich bewusst machen.


Jörgen Bauer