Klare Worte sind unverzichtbar!

Und sie legten das Buch des Gesetzes Gottes klar und verständlich aus, so dass man verstand, was gelesen worden war.

Nehemia 8, Vers 8


Was für eine schöne Aussage! So würde man sich das immer wünschen, dass das Wort Gottes klar und verständlich gesagt wird, so dass jeder genau weiß, was gemeint ist und wie er selbst dran ist. Aber wie selten ist es doch, dass ganz klar gesagt wird, was Sache ist.

Das war offensichtlich auch in früheren Zeiten noch nie anders, was wohl ein Grund dafür ist, dass dies hier besonders herausgestrichen wird. Woran liegt es nun, dass Gottes Wort, seine Gebote und das, was ER will, nicht klar gesagt wird?

Die Gründe hierfür sind vielfältig und seit alters her dieselben geblieben. Es kann daran liegen, dass man sich an den Erwartungen der Hörer bzw. an dem orientiert, von dem man meint, dass es die Hörer "hören wollen" bzw. diesen "zumuten kann". In diesem Fall wird man die Botschaft entsprechend "schönen", das heißt, "hinbiegen" und "anpassen".

Es kann auch daran liegen, dass die Dinge zwar klar gesagt werden, aber nur für den verstehbar sind, der die Zusammenhänge kennt. Der unbedarfte Hörer wird dann das "hören", was er "hören möchte" bzw. seinen eigenen Vorstellungen entgegenkommt.

In die gleiche Richtung gehen auch "geschraubte" mit Fremdwörtern
gespickte, akademisch hochgestochene Formulierungen. Gleiches gilt auch für ein phrasenhaftes "frommes Gesülze" in der "Sprache Kanaans".

Deshalb muss für alle verstehbar und nüchtern von Gott geredet werden. Im Grunde sollte das ganz einfach sein.

Aber es gehört schon was dazu das Wort Gottes so klar und deutlich zu sagen, dass jeder ganz genau versteht, was gemeint ist. Ohne Gebet, mit
der Bitte um Weisheit und um die Fülle des Geistes Gottes, wird es nicht gehen.

An einer solchen klaren Auslegung werden sich dann die Geister scheiden,
und viele werden dann nicht mehr kommen oder auch protestieren, weil sie nicht auf Gottes Wort hören wollen. Und vor dieser Konsequenz fürchtet
sich mancher, weshalb er sich lieber etwas vage ausdrückt, insbesondere wenn er selbst nicht ganz von dem überzeugt ist, was er zu verkünden hat.

Die aber das Wort unverfälscht hören wollen, werden zahlreicher und deshalb kann man bis heute beobachten, dass in die Gemeinden, wo klar gesagt wird, was Sache ist, die meisten Hörer kommen. Erst letztens war ich in einer Gemeinde, wo sonntags die Stühle nicht ausreichen und ständig Platz geschaffen werden muss, damit alle Besucher untergebracht werden können.

Es ist so, dass jeder, der aufrichtig und ehrlich zu sich selbst ist und nichts verdrängt, im Grunde seines Herzens genau spürt, dass das, was da als Wort Gottes verkündet wird, bei aller menschlichen Unzulänglichkeit der Verkünder, die Wahrheit, die reine Wahrheit und nichts als die Wahrheit ist.

Auch ein Grund dafür, dass wir nicht befürchten müssen, dass Gottes zeitlos gültiges Wort "untergeht". Es bricht sich immer wieder Bahn, auch ohne unser Zutun, und deshalb wird es auch einmal keine Entschuldigung für die geben, die sich nicht einladen und retten lassen wollten.

Man wird jetzt sagen können, dass damals, als Nehemia wirkte, die Situation eine andere war, als sie heute ist. Das ist schon richtig. Die Situation war aber nicht etwas deshalb anders, weil die Menschen damals "rückständig" waren, sondern weil die Juden, zu denen damals gepredigt wurde, die Katastrophe der babylonischen Gefangenschaft hinter sich hatten, aus der sie geläutert zurückkamen und damit offen für Gottes Wort waren.

Weil sie Gott auf vielerlei Art untreu wurden, ihre eigenen Wege gingen, auf falsche Propheten hörten, die dem Volk nach dem Munde redeten (heute nicht anders!) und diejenigen verachteten und verfolgten, die Gottes Wort klar und deutlich sagten (auch heute nicht anders!) und sich einfach nicht warnen lassen wollten, brach das Gericht Gottes über sie herein.

Hier ist, insbesondere auch im Hinblick "auf dieses unser Land und diese unsere Zeit", in der es manches gibt, was das Gericht Gottes bereits in sich trägt, zu fragen, ob es unbedingt immer erst zu Katastrophen kommen muss, bevor man zur Besinnung kommt.


Jörgen Bauer