Ist Gesundheit wirklich alles?

Ärgert dich aber dein rechtes Auge, so reiß es aus und wirf's von dir. Es ist dir besser, daß eins deiner Glieder verderbe, und nicht der ganze Leib in die Hölle geworfen werde. Ärgert dich deine rechte Hand, so haue sie ab und wirf sie von dir. Es ist dir besser, daß eins deiner Glieder verderbe, und nicht der ganze Leib in die Hölle geworfen werde.

Matthäus 5, Verse 29 bis 30 (Luther 1912)


Hauptsache gesund! Gesundheit ist alles!

Wirklich?

Der Theologe und Arzt Manfred Lütz, hat sich in einem Artikel kritisch darüber ausgelassen, dass das religiöse Vakuum, das durch den Abfall vom christlichen Glauben entstanden ist, mehr und mehr durch eine Gesundheitsreligion gefüllt wird.

Er schreibt, dass jeder, noch so alberne Scherz über Jesus Christus toleriert wird, der Spaß aber sofort aufhört, wenn es um die Gesundheit geht.

Lütz findet im heutigen Gesundheitsrummel Parallelen zu den bisherigen christlichen Bräuchen. So gäbe es Wallfahrten zu Spezialisten, asketische Diätbewegungen, Fitnessstudios als Kapellen, in denen durch fromme Übungen die Gesundheit erhalten oder wiederhergestellt werden soll.

Es gäbe Missionskampagnen gegen das Rauchen und Trinken. Erweckungsbewegungen wie Stadtmarathons, Hunderte von Geboten, Ernährungssünden und ein stets schlechtes Gewissen.

Dazu salbungsvolle Reden und Schriften, Gesundheitspäpste, Irrlehren, die mit inbrünstiger Gläubigkeit geglaubt werden und die Scholastik der "Schulmedizin".

Das Auswandern der Religiosität in den Gesundheitsbereich, so Lütz, habe das Menschenbild unserer Gesellschaften zutiefst verändert, und das habe verheerende Folgen. Denn die Gesundheitsreligion hat inzwischen ihren eigenen Fundamentalismus entwickelt - die sogenannte "Ethik des Heilens". Und die "Ethik des Heilens" sei das Ende der Ethik.

Und warum ist das so?

Das wird sofort klar, wenn man bedenkt, dass nur noch der Gesunde zählt. Nicht aber der Kranke und Behinderte.

Verräterisch sind hier Begriffe die mit „gesund“ anfangen, oder bis zum Überdruss mit „Gesundheit“ verbunden werden. Denn demnach stört das Kranke und gehört ausgemerzt. Deshalb nur noch Vorbeugen und Abwehr von Krankheit, solange, bis es nur noch Gesunde gibt und gewährleistet ist, dass man gesund stirbt.

Es geht damit weiter, dass Ungeborene, die einen Mangel haben könnten, erst gar nicht zur Geburt zugelassen, sondern abgetrieben werden. Kommen sie trotzdem zur Welt, weil es an „rechtzeitiger Beratung“ mangelte, sind sie „Schadensfälle“ was zu „Haftpflichtansprüchen“ führen kann.

Risikobelastete Menschen stellt man am Besten erst gar nicht ein. Wünschenswert wären deshalb Genanalysen, um taugliches von untauglichem „Menschenmaterial“ unterscheiden zu können.

Jüngst wurde darüber nachgedacht, ob man "missratene" Säuglinge nicht auch noch nach der Geburt, als „nachgeburtliche Abtreibung“, entsorgen könnte. Der perversen Theorie nach sind Säuglinge, ebenso wie Föten, noch keine „Persönlichkeiten“, die, im moralischen Sinn, ein Recht auf Leben hätten.

Unheilbar Kranken sollte ein angenehmes und vorzeitiges Ableben ermöglicht werden, und vorzeitig aus dem Leben gerissene Gesunde sollten ihre Organe spenden, damit in Fällen, in denen es noch was zu retten gibt, geholfen werden kann.

Im Übrigen hat man immer gut und fit drauf zu sein und gesund zu leben, was nötigenfalls durch entsprechende Vorschriften zu regeln ist.

Ergänzend dazu überschlagen sich die Medien ständig mit Warnungen vor allen möglichen und unmöglichen, oftmals an den Haaren herbeigezogenen Gesundheitsgefahren, auf die eine auf Vollkasko getrimmte Gesundheitsgemeinde, offenbar gerne abfährt.

Eine Gesellschaft, die Gott leugnet und ganz auf das Diesseitige fixiert ist, kann gar nicht anders, als im irdischen Leben das Allerwichtigste zu sehen, für das kein Einsatz und kein Opfer groß genug sein kann, und gerade dadurch wird sie unmenschlich.

Hier sagt eine Spruchweisheit: „Wer sein Leben bzw. seine Gesundheit um jeden Preis erhalten will, dessen Leben, dessen Gesundheit, ist nicht jeden Preis wert!“

Das Wort Gottes lehrt uns hier nämlich etwas völlig anderes:

Krankheit ist etwas Natürliches und eine Folge der gefallenen Schöpfung, in der wir leben. Krankheit wird es deshalb immer geben, und selbst dann, wenn es gelänge alle Krankheiten zu besiegen, würden plötzlich ganz neue, bislang noch exotische Krankheiten, auftreten, die um ein Vielfaches schrecklicher wären, als das, was man bisher kannte.

Deshalb sind nicht Verhinderung und Heilung von Krankheit, um jeden Preis, das Wichtigste, sondern die seelisch geistige Gesundung, die im Glauben an Jesus Christus und im Heilwerden vor Gott, durch die Vergebung der Sünden, geschieht, damit wir für ewig gesund werden.

Aus biblischer Sicht kann uns sogar eine Krankheit fehlen. Eine Krankheit, die uns zur Besinnung bringt und umkehren lässt. An der wir wachsen und reifen und Glaubensfrüchte von besonders edler Art bringen können, von denen die Welt nichts ahnt.

Und wie viele Menschen mit Behinderungen und Krankheiten konnten durch ihr Glaubenszeugnis zum Segen werden oder durften, trotz Behinderung und Krankheit, Großes wirken, angefangen bei Paulus, der einen „Pfahl im Fleisch“ hatte!

Krankheit gehört zum Leben und Gott kann uns von der Krankheit heilen oder uns auch die Krankheit belassen. Aber in beiden Fällen gilt:

„Wir wissen aber, dass denen die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen die nach seinem Ratschluss berufen sind.“ Römer 8, 28

Daran lasst uns denken, das lasst uns bezeugen und danach lasst uns leben.


Jörgen Bauer