Wirken, solange es Tag ist!

Wir müssen die Werke dessen wirken, der mich gesandt hat, solange es Tag ist; es kommt die Nacht, da niemand wirken kann.

Johannes 9, Vers 4



Das ist eine merkwürdige Aussage. Was ist mit Tag, was ist mit Nacht
gemeint? Jesus sagt, dass wir mit IHM zusammen wirken müssen, wobei der
Zeitpunkt kommt, ab dem nicht mehr gewirkt werden kann, weil die Nacht eingetreten ist. Wie soll man sich das vorstellen? Sollten wir nicht immer und
jederzeit für das Evangelium und den Glauben eintreten können?

Hier müssen wir bedenken, dass nicht wir es sind, die Glauben wirken können,
sondern dass es Gott ist, der Herzen und Türen für das Wort öffnen muss.
Wir können uns nur von IHM in Dienst nehmen lassen, damit ER durch uns
hindurchwirkt. Mehr können wir nicht.

Im Neuen Testament lesen wir zum Beispiel, dass der Herr der Lydia das Herz
auftat, und sie auf das achtete was von Paulus geredet wurde (Apg. 16.14),
und Paulus schreibt, dass ihm eine Tür aufgetan wurde (1. Ko 16.9). Es gibt
verschiedene Stellen, wo es um das Auftun von Türen geht, und im Sendschreiben an die Gemeinde in Philadelphia sagt Jesus, dass ER es ist, der auf- und zuschließt und dass daran niemand etwas ändern kann.

Manch einem, der sich vergeblich bemüht, jemanden zum Glauben zu bringen, mag es ein Trost sein, dass es nicht an ihm liegt, wenn sein Wirken vergeblich ist. Glaube ist nicht machbar, sondern muss geschenkt werden.

Wir können uns allenfalls zeigen lassen, wohin uns Gott senden will und uns
zeigen lassen, wo gerade Türen offen sind, was wir dann nützen sollen.

Es wird aber die Nacht eintreten, ab der sich keine Türen und keine Herzen mehr für das Evangelium öffnen. Das kann die Nacht einer antichristlichen Herrschaft oder auch Gericht Gottes sein. Es kann auch sein, dass die Christen, durch Tod oder Entrückung, von der Erde hinweggenommen werden. Wir wissen es nicht.

Auch kann Jesus, wie wir aus dem Sendschreiben an die Gemeinde in Ephesus wissen (Offenbarung 2), selbst den Leuchter des Wortes Gottes wegstoßen, wenn sich die Gemeinde als lau erweist.

Die Vorstellung, dass das Licht des Christentums nicht mehr leuchtet, die Sonne gewissermaßen ihren Schein verliert, ist schrecklich. Der Herr Jesus Christus wird die Seinen zwar bewahren, aber es läuft nichts mehr, sie können nichts mehr bewirken. Die Dunkelheit der Gottesferne hat alles erfasst.

Uns wird nur soviel gesagt, dass wir die Zeit auskaufen sollen, in der das Evangelium noch verkündet werden kann, weil Gott noch Herzen und Türen auftut. Das ist Gnadenzeit von der wir nicht wissen, wie lange sie noch währt.


Jörgen Bauer