Seinwollen wir Gott - Die Ur- oder Erbsünde

Da sprach die Schlange zur Frau: Ihr werdet keineswegs des Todes sterben,
sondern Gott weiß: an dem Tage, da ihr davon esst, werden eure Augen aufgetan, und ihr werdet sein wie Gott und wissen, was gut und böse ist.

1. Mose 3, Verse 4 und 5


Ein guter Bekannter erregte sich dieser Tage: Da habe doch ein katholischer
Pfarrer tatsächlich gesagt, dass der Mensch der Stellvertreter Gottes auf Erden
sei, und das sei doch eine Unverschämtheit, grenzenlose Überheblichkeit und Vermessenheit.

Ich musste ihm dann sagen, dass der katholische Pfarrer, der das gesagt hat,
völlig richtig lag. Der Mensch ist nach biblischer Aussage tatsächlich der
Stellvertreter Gottes auf Erden. Geht man vom hebräischen Urtext aus, dann ist der Mensch das Standbild Gottes, das Image Gottes, in der Schöpfung.

Der springende Punkt ist allerdings der, dass Stellvertreter Gottes auf Erden zu sein, keineswegs bedeutet, gottgleich zu sein. Um es auf irdische Verhältnisse zu übertragen: Ein Handlungsbevollmächtigter, ein Prokurist, ein Geschäftsführer, Vorstandsvorsitzender usw. ist nicht identisch mit dem Eigentümer.

Wenn sich der Bevollmächtigte nicht bewährt oder gar gegen den Eigentümer revoltiert und versucht sich an dessen Stelle zu setzen will, kann er sehr schnell entmachtet und aus seinem Amt entfernt werden.

So muss man sich das auch mit dem Sündenfall vorstellen. Der Mensch sollte die Schöpfung, als weiser Regent, gestalten und verwalten. Das tat er aber nicht, sondern erlag der Versuchung wie Gott sein zu wollen und damit rebellierte er gegen Gott.

Dadurch kam es zur Trennung von Gott, als der Lebensquelle, und zur Vertreibung aus dem Paradies, mit der Folge, dass der Mensch, und mit ihm
die ihm anvertraute Schöpfung, unter die Knechtschaft der Vergänglichkeit geriet.

Seither ist der Mensch alles andere als ein weiser Regent, der vernünftig über die Schöpfung herrscht. Er tut vielmehr das gerade Gegenteil, in dem er die
Schöpfung - einschließlich seiner Mitmenschen - unterjocht und ausplündert.

Gleichzeitig spürt er, dass mit der Welt etwas nicht stimmt. Er fragt aber nicht nach Gott, sondern entwickelt stattdessen alle möglichen Religionen und Weltverbesserungsideologien, mit denen er die Sache noch schlimmer macht.

Auch im persönlichen Leben fragt er nicht nach Gott, sondern tut das, von dem er meint, dass es zur Erfüllung seiner Wünsche beiträgt, wodurch er sich weiter von Gott entfernt. Dabei neigt er dazu, die zu verfolgen, die ihn auf seine fundamentalen Fehleinschätzungen und auf den lebendigen Gott hinweisen.

Von einem solchen Menschen zu sagen, dass er Stellvertreter Gottes sei, wäre tatsächlich eine Vermessenheit.

Trotzdem ist der Mensch weiterhin Ebenbild und Gegenüber Gottes.
Gott hat den Menschen nicht fallengelassen und auch seinen ursprünglichen
Auftrag, die Schöpfung zu verwalten, nicht zurückgezogen. Gott lässt dem Menschen weiterhin weitgehend freie Hand.

Allerdings - und das musste ich dem Bekannten sagen - ist der gefallene Mensch, der wie Gott sein will und sich entsprechend verhält, in dem er nicht
nach Gott fragt, sondern tut, was er für richtig hält - dem Gericht Gottes
verfallen. Gott wird ihn fragen, wie er mit dem ihm anvertrauten Gut und Gottes Gaben umgegangen ist.

Und da können wir alle nicht vor dem Gericht Gottes bestehen, wenn Gott in seiner Liebe zu den gefallenen Sündern nicht einen Weg zur Rettung aus dem
Gericht gefunden hätte, denn Gott möchte, dass die Menschheit zu IHM
zurückfindet und der ursprüngliche heile Zustand wiederhergestellt wird.
Aber dazu muss zuvor der Sündenschaden geheilt werden.

Der Retter heißt Jesus Christus, der das Gericht Gottes auf sich gezogen hat,
damit wir frei ausgehen. Jesus Christus ist es, der den Sündenschaden heilt. Dieses Heilsangebot gilt allen Menschen, und an uns liegt es, dieses anzunehmen.


Jörgen Bauer


Anmerkung:

Ich habe gerade einen Bericht gelesen, wie ein junger Christ durch ein falsches
Schriftverständnis vom Glauben abgefallen ist. Deshalb ganz allgemein der
Hinweis, dass alle Sprache bildhaft ist, wobei die biblische Urgeschichte sehr
gerafft ist und sich nur auf das, für unseren Glauben Wesentliche beschränkt.
Ich selbst habe keine Probleme mit der biblischen Urgeschichte. Dazu käme
es aber, wenn man versuchen würde biblische Aussagen 1:1 mit dem
jeweiligen naturwissenschaftlichen Weltbild, das einem ständigen Wandel
unterliegt, zu synchronisieren. Jeder Glaube, der an ein bestimmtes
Weltbild gebunden ist, bricht mit diesem zusammen, sobald es zu neuen
Erkenntnissen kommt. Deshalb bedarf es einer gewissen Offenheit und der Leitung durch den Heiligen Geist.