Wie weit kann die Nächstenliebe gehen?

Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend und ohne Obdach sind,
führe ins Haus! Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn, und entzieh
dich nicht deinem Fleisch und Blut.

Jesaja 58, Vers 7



Haben das Teilen und das Wohltun irgendwo eine Grenze?

Im jugendlichen Alter las ich mal eine Geschichte, in der es auch um die Gastfreundschaft der Eskimos ging, wobei "Eskimo" politisch nicht mehr
korrekt ist, weil das jetzt "Inuit" heißen muss, wobei ich "Eskimo" in keiner
Weise anstößig finde.

Die Eskimos - ein Wort das mir besser gefällt, als "Inuit" - leben im ständigen
Kampf mit einer rauhen Umwelt, weshalb sie besonders aufeinander
angewiesen sind, was sich auch in der Gastfreundschaft widerspiegelt.

Die Eskimos sind zum Teilen und Abgeben bereit, wozu auch gehören kann,
die eigene Frau mit dem Gast zu teilen.

Diese Brauch fiel mir sofort ein, als ich in ideaSpektrum, Nr. 23, vom 04.Juni
2020 las: "Muslime beten in Berliner Kirche".

Die Evangelische Martha-Gemeinde in Berlin Kreuzberg hatte Verständis
für die Nöte der Muslime, die während der Coronabedingten Einschränkungen, währnd des Ramadans, keinen Raum für ihr Freitagsgebet hatten und stellte den Muslimen, in tätiger Nächstenliebe, deshalb die Kirche zur Verfügung.

Das Problem, dass es in der Kirche jede Menge christlicher Symbole und
Bilder gibt, was für Muslime anstößig ist, wurde dadurch gelöst, dass
"Anstößiges" abgehängt oder abgedeckt wurde, wobei sich an
den Glasfenstern, mit ihren bildlichen Darstellungen, allerdings nichts ändern ließ.

Ein Vierteil der Bundesbürger finden es gut, wenn Kirchengebäude den Muslimen zur Verfügung gestellt werden. Auch unter Christen findet sich viel Zustimmung. Nicht alle sehen so etwas als "völlig unmöglich" an.

Auch wenn hier einiges neben der Spur ist, bringen Kritik und Wehklaren
nichts. Es gilt vielmehr die dahinterstehende, relativierende Geistes- und Glaubenshaltung zu erkennen, der alles gleich=gültig ist.

Wir wollen Jesus Christus bitten, dass er weiterhin der Herr Kirche bleibt
und diese nicht in den Niedergang und den Zerfall dahingibt. Wir bitten
den Herrn, dass er die Kräfte stärkt, die treu zum Evangelium stehen und
Irrlehren und der Anpassung an den Zeitgeist wehrt.


Jörgen Bauer