Auch Christen bedürfen der Ermahnung!

So ermahne ich euch nun, ich, der Gefangene in dem Herrn, dass ihr der Berufung würdig lebt, mit der ihr berufen seid, in aller Demut und Sanftmut, in Geduld. Ertragt einer den anderen in Liebe.

Epheser 4, Verse 1 und 2



Liest man die Briefe der Apostel wird deutlich, dass es schon immer "gemenschelt" hat und auch die ersten Christen keine "besseren Menschen" waren, ebenso wenig, wie wir das heute sind.

Die Apostel mussten die Gemeinden immer wieder, mehr oder weniger deutlich, auf Fehlentwicklungen hinweisen und dazu auffordern, sich so
zu verhalten, wie es aus christlicher Sicht, richtig ist.

Für bedeutsam halte ich, dass den Gemeinden, trotz manchem Fehlverhalten,
nie der Glaube oder das ewige Leben abgesprochen wurde, auch wenn in
besonders krassen Fällen der Ausschluss aus der Gemeinde vorgesehen war.
Bei echter Reue und Umkehr wäre eine Wiederaufnahme sicher möglich gewesen.

Hier wird erkennbar, dass auch die ersten Christen, so wie wir heute, aus der Vergebung gelebt haben. Der Christ muss deshalb kein "fehlerfreier Tugendbold" sein, der ständig verbissen darum ringt nichts falsch zu machen, was, weil das unmöglich ist, nur von einer Niederlage in die andere führen könnte.

Wir dürfen weiterhin Menschen sein, die nicht vollkommen sind. Das Entscheidende ist einzig und allein, dass wir im Glauben beständig bei unserem Herrn Jesus Christus bleiben und den Geist Gottes an uns wirken lassen, durch den wir im Glauben wachsen und reifen.

Trotzdem müssen auch wir uns immer wieder ermahnen lassen, weil wir, unserer menschlichen Natur nach, zur Unordnung und Nachlässigkeit neigen. Wir geraten schnell auf Abwege, wenn wir nicht ständig durch Gebet und Schriftlesung mit Gott in Verbindung bleiben.

Der Apostel Paulus ermahnt, hier die Epheser, ihrer Berufung entsprechend würdig zu leben, wozu Paulus auch andere Gemeinden ermahnt hat und was damit auch uns gilt.

Dem Christen sollte man anmerken, dass er anders ist. Ich jedenfalls spüre es, wenn ich in einen christlichen Kreis komme, dass es dort anders zugeht, als in einem weltlichen Verein.

Ich kann nicht beurteilen ob man sich im "christlichen Kreis" nur besonders zusammennimmt, was nicht gut wäre, denn dem Christen sollte man sein
Christsein auch außerhalb des "christlichen Kreises" anmerken.

Eines der größten Probleme ist das sich gegenseitige Ertragen. Das ist ein
Prüfstein für den Christen. Verfüge ich immer über ausreichend Demut, Sanftmut, Liebe und Geduld? Solange ich von sanften Lämmchen umgeben bin, schon. Aber es gibt ja auch "unmögliche Typen".

Paulus geht es hier um das gegenseitige Ertragen innerhalb der Gemeinde.
Ich meine aber, dass es auch die Frage ist, wie wir uns Außenstehenden
gegenüber verhalten. Es kann sicher nicht so sein, dass wir innerhalb der
Gemeinde liebevoll sind, aber außerhalb "die Sau rauslassen".

Ich denke, dass die höchste Kunst darin besteht, mit Menschen auszukommen und diese lieb zu gewinnen, die einem ganz und gar gegen den Strich gehen.

Hier kann uns nur der Herr mit Seinem Geist helfen.


Jörgen Bauer